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Glufke
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06.10.2024 - 22:58 Uhr
Ich habe gestern zum ersten Mal vom Zeitgeist-Festival in Nijmegen erfahren und heute direkt mal eine Karte (knapp 50 Euro) gekauft. Ein Tag von 14 bis 0.30 Uhr, am 7. Dezember. Die fahren da, was aktuelle Musik aus dem Bereich Postpunk / Noise / Artrock angeht, mächtig auf. Geordie Greep (hier im Forum ja auch gerade Topic), Maruja (besonders bei RYM sehr gehypt), Ditz (richtig krasse Liveband), Sprints, Porridge Radio, Enola Gay und noch ein paar mehr gehören zum Line-Up. Das Festival findet zum dritten Mal statt, 2022 waren Squid und BCNR da, letztes Jahr u.a. Shame. Die Location ist auch richtig gut (toller Sound, kleine Balustrade oben), war da dieses Jahr zum ersten Mal bei Yard Act. Könnte für einige hier interessant sein, gerade aus NRW dürfte das recht gut erreichbar sein. Von Dortmund z.B. knapp 90 min.
Hier die Homepage:
https://www.doornroosje.nl/festival/zeitgeist/
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Lateralis84skleinerBruder
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07.10.2024 - 13:30 Uhr
Das Doornrosje ist eine tolle Location. Habe dort mal Wilson bei einem raren Bass Communion Auftritt gesehen |
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Glufke
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07.10.2024 - 15:09 Uhr
Ich habe in den Niederlanden generell super Erfahrungen gemacht, auch z.B. im Ziggo Dome in Amsterdam. Eine riesige Halle, aber alles top organisiert und gute Akustik. Ins Doornrosje würde ich gerne öfter gehen, das liegt auch direkt am Bahnhof in Nijmegen. |
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Glufke
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01.11.2024 - 17:08 Uhr
Timetable steht jetzt. Interessantes Konzept: es gibt quasi keine Headliner, alle Bands spielen 45 min:
https://www.doornroosje.nl/app/uploads/2024/11/ZEITGEIST_TIMETABLE_2024_SOCIALS-scaled.jpg
Es gibt drei Stages, aber ich muss quasi die erste Stage nicht verlassen: Maruja, Geordie Greep, Porrdige Radio, Snapped Ankles, SPRINTS und DITZ spielen alle hintereinander. Maruja leider schon um 15.30 Uhr (warum so früh??), hoffentlich schaffe ich das. Ansonsten klingt das auf jeden Fall nach einem großen Highlight zum Abschluss des Jahres! |
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Spinnefink
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08.12.2024 - 00:44 Uhr
Wie gut war das denn bitte? Porridge Radio einfach unfassbar, Sprints mega, Ditz auch fantastisch.
Tolle Location, toller Sound, tolles Publikum. Was ein super Festival einfach. Ein Hoffnungsschimmer, dass Menschen sowas auf die Beine stellen. |
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Glufke
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08.12.2024 - 01:52 Uhr
Du warst nicht zufällig einer von den Typen, bei denen auch einer mit Turbostaat-Shirt rumlief? :D und ja, kann dir nur zustimmen! |
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Glufke
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08.12.2024 - 01:52 Uhr
Hier mein Bericht, kopiert aus dem Konzerte-Thread:
Ich komme gerade von der ausverkauften, dritten Ausgabe des Zeitgeist-Festivals in Nijmegen und habe selten so viel Quantität und Qualität für mein Geld bekommen.
Los ging es auf der Red Stage (der Hauptbühne) mit einem der Hauptgründe, warum ich da war: Maruja. Deren Noise-Post-Rock ist live noch viel atemberaubender als auf Platte. Die Band hat einen Song namens "Thunder" und dieses Wort beschreibt den Auftritt perfekt. Der Sänger sieht aus und spricht so wie Roy aus der Serie "Ted Lasso" und gibt auf der Bühne - nur gekleidet in eine lila Trainingshose und Socken - alles. Keine Ahnung, wie viele Jahre der das so weiter durchziehen kann. Insgesamt eines der besten Konzerte des Jahres, leider mit 45 min (Spielzeit aller Bands gestern) sehr kurz und um 15.30 Uhr als Opener, wo das Publikum gerade erst aufgekreuzt war, eigentlich zu früh. Dafür war die Halle aber schon gut gefüllt.
Nachdem es dann auf der Purple Stage bei Real Farmer zu voll war, konnte man mal gut die Kulinarik austesten. Alles vegetarisch oder vegan, aber keine Falafel (Grüße an Sammy, falls er noch manchmal still mitliest).
Danach dann das nächste Highlight: Geordie Greep. Der Typ sieht ja eher aus wie ein Praktikant in der Sparkasse Kamp-Lintfort oder der Junior Partner in einer Anwaltskanzlei, aber er singt (und spielt Gitarre) wie ein junger Gott. Ich wollte ja bisher nicht glauben, dass "Holy, Holy" sein bester Song sein soll - auf Platte ist das für mich auch eher "Walk Up", der das Konzert eröffnet hat -, aber als Abschluss des Sets war er einfach überragend. Da die Band früher als angekündigt auf die Bühne kam, wurde sogar fast eine Stunde gespielt. Auch weniger jammig als scheinbar bei den längeren Konzerten, von denen ich hier gelesen habe. Insgesamt zwar auf emotionaler Ebene nicht unbedingt berührend, dafür aber musikalisch über jeden Zweifel erhaben.
Danach mal auf der Blue Stage in Ebbb und ihren drumlastigen Electronic-Sound rein gehört. Hat für ein paar Songs durchaus Spaß gemacht, aber ist einfach musikalisch nicht mein Ding.
Dann lieber für Porridge Radio frühzeitig einen guten Platz gesichert. Und die haben mich dann auch wieder völlig begeistert und meine Erwartungen deutlich übertroffen. Live sind die ja nochmal viel "krachiger" als auf Platte. Am Anfang wurden viele Songs vom aktuellen Album gespielt, das ich auch von allen am besten finde. Die älteren Songs waren aber auch allesamt saustark. Muss ich unbedingt so bald wie möglich nochmal live sehen. Die einzige Band des Abends, die auch meiner Frau gefallen hätte, dementsprechend stehen die Chancen gut ;)
Danach rüber zu Quivers aus Australien, die damit die längste Anreise hatten. Super sympathische Band mit 80s/90s-Indie-Rock-Sound, die leider darunter litt, dass sie wohl die "softeste" im Line-Up war und genau zur klassischen Abendessen-Zeit spielte. Ich brauchte ein bisschen, um mich drauf einzulassen, aber die Songs wurden hinten raus immer besser. Anschließend noch nett am Merchstand mit denen gequatscht, Reisetipps für ihre anstehende Tour in Frankreich gegeben und Merch zu sehr fairen Preisen mitgenommen.
Die Snapped Ankles habe ich dann mal ausgelassen, sodass es nach einer längeren Pause mit Sprints weiter ging. Die waren dieses Jahr nur am Touren und das merkt man auch - im positiven Sinne. Die spielen ihre Mischung aus Post-Punk und Garage-Rock mit Wucht und haben - allen voran die charismatische Sängerin - das Publikum bestens unterhalten. Es war das einzige Konzert, das ich nicht von der Empore aus verfolgt habe, und in der Crowd war es schon sehr stressig. Etwas mulmig wurde mir, als ein Typ mit Weinglas (aus Glas) in den Circle Pit marschiert ist. In Deutschland wäre das sicher nicht mehr möglich. Bis auf den Aspekt "Sicherheit" war die Location aber generell allen hiesigen Hallen haushoch überlegen (Sound, Organisation, Getränke, Essen, Garderobe etc.).
Der Gig war schon mal die perfekte Einstimmung auf Ditz, die der finale Act auf der Main Stage waren. Aus Sicherheitsgründen also schnell wieder nach oben verkrochen. Denn anders als auf dem Traumzeit-Festival, wo ich die Band letztes Jahr erstmals gesehen hatte und wo die verstörten Familien genug Platz zum Ausweichen vor der Performance des Sängers hatten, wäre unten im Saal kein Entkommen gewesen. Auch jetzt hat die Band mit ihrem noisigen Post-Hardcore wieder abgeliefert, wobei mir besonders der schneidende Sound von Gitarre und Schlagzeug gefallen hat. So würde ich mir ein Konzert von Refused anno 1997 vorstellen. Die Songs vom kommenden Album klingen außerdem sehr vielversprechend.
Zum Schluss dann nochmal bei Enola Gay vorbei geschaut, aber nach zwei Songs reichte es dann auch. Wenn es 21 Uhr und nicht 0 Uhr gewesen wäre, dann hätte ich mir diese aufstrebende Band aus Belfast sicher noch ganz angehört.
Fazit: Ich kann das Festival nur weiterempfehlen. Es trifft den aktuellen Zeitgeist, der laut, schmerzhaft, aber auch spannend ist, perfekt. Am 6.12.2025 gibt es die vierte Auflage und man darf gespannt sein, welche Bands dabei sein werden. |
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Spinnefink
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07.12.2025 - 11:18 Uhr
"Du warst nicht zufällig einer von den Typen, bei denen auch einer mit Turbostaat-Shirt rumlief? :D und ja, kann dir nur zustimmen!"
Sorry, das habe ich jetzt erst gelesen. :D
Ne, ich glaub das war keiner von uns.
Dieses Jahr waren wir auch wieder da und es war erneut ganz fantastisch. Wirklich schade, dass es sowas nicht in Deutschland gibt. Sound zum Niederknien und nur freundliche Leute.
Adult DVD waren die größte positive Überraschung, Deadletter ein großartiger Abriss und das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich mal ganz vorne drin war.
Lambrini Girls hingegen dann eine große Enttäuschung. Musikalisch maximal eindimensional und zwischendurch diverse politische Ansagen zum Gruseln. Wer nicht auf Seiten der Palästinenser sei, der solle doch bitte den Saal verlassen. Das war ein ziemlich unwürdiger Schlusspunkt an einem ansonsten großartigen Festivaltag. |
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Klaus
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07.12.2025 - 12:17 Uhr
Wirklich schade, dass es sowas nicht in Deutschland gibt.
Check mal Synästesie, das geht in die gleiche Richtung. |
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Spinnefink
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08.12.2025 - 08:57 Uhr
Ja, ich glaub das hast du mir sogar schon mal empfohlen. :P
Die Kulturbrauerei muss ich mir auch unbedingt mal ansehen, leider hat sich da bisher nicht die Gelegenheit ergeben.
Das Festival an sich checke ich anhand der Homepage aber nicht so ganz. Hat das nicht 2023 zum letzten Mal stattgefunden? Wurde das umbenannt in 8MM Fest? Kommt das nochmal?
Tatsächlich meinte ich mit meiner Aussag insbesondere die Location, das Doornroosje in Nijmegen. Dabei handelt es sich um einen relativ neuen Konzertkomplex, der als Unterbau für ein großes Wohngebäude dient. Das Haus hat drei Bühnen, von denen die beiden großen vom Setup einfach alles in den Schatten stellen, was ich in Europa bisher gesehen habe. Hier wurde so viel richtig gemacht und man spürt da an jedem baulichen Detail die Liebe zur Musik. Wo wird denn auf dierser doch eher subkulturellen Ebene mit solcher Qualität Kultur gebaut? Anscheinend geht es ja. |
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Spinnefink
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08.12.2025 - 09:01 Uhr
Ah, habs gefunden:
"Jedes Festival bietet neue, einzigartige Herausforderungen und wir sind stolz auf unsere bisher 8 Festivals, das Überstehen der Pandemie, einen Hoffnungsschimmer für die Szene im Jahr 2020 mit den Corona-Shows für 100 Gäste und ein Wunderfestival im Jahr 2021, sowie ein perfektes Festival ohne jegliche Förderung im Jahr 2023. Leider hat das unsere Ersparnisse aus den vorherigen Festivals ziemlich aufgezehrt. Während wir also darauf warten, dass eine Angel Investor uns eine Rettungsleine spenden (oder einen netten Zuschuss oder ein Sponsoring), machen wir auf andere Weise weiter und kehren dieses Jahr mit einer Bühne zum 2. 8MM FEST zurück." |