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Julia Holter - Ekstasis

Julia Holter - Ekstasis

RVNG / Cargo
VÖ: 30.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

Die Kunst der Anbiederung

Stein des Anstoßes war sicherlich "Tragedy". Ein Debütalbum als einzige Tragödie - jedoch ausschließlich für Freunde der Geradlinigkeit und Offensichtlichkeit. Denn mit "Tragedy" bahnte sich Julia Holter eher über polyphone, multilinguale Umwege ihren Weg in des Hörers Langzeitgedächtnis. Field recordings zersetzten die einnehmende Struktur von Minimalismus und Ambient. Im modernen Popbizz viel zu selten gehörte vokale Experimente und Brüche verhinderten wissentlich einen einlullenden Sangesvortrag. Auf Momente vermuteter Stille folgte mal fordernder, mal süßlicher Überschwang. Und zwischendrin fanden sie sich dann doch: die eindeutigen popmusikalischen Verkettungen, die die vielen losen Enden anti-autoritär zusammenhielten.

Nach der vermeintlichen Tragödie ist nun also Zeit für Ekstase? Mitnichten. Denn für Fans der studierten Multiinstrumentalisten Holter ergibt sich erneut ein gegenteiliger Effekt, sollte er den Titel ihres zweiten Albums "Ekstasis" für bare Münze nehmen. Zügellose Ausschweifungen sind es nämlich nicht, die den Hörer überkommen wie der heilige Geist seine gläubigen Anhänger. Eher ist es eine nüchterne, objektive Betrachtungsweise, in der sich feststellen lässt, dass Holter trotz erneuter Wohnzimmerproduktion auf "Ekstasis" dazu übergegangen ist, eine deutlichere Sprache zu sprechen, die weniger einer Entschlüsselung bedarf. So zeigt das langgezogene und ungewohnt freundliche Ambientstück "Our sorrows" zwar all die multiplen Attribute auf, die "Tragedy" so filigran gemacht haben, präsentiert sie allerdings in einer vereinfachten, zugänglicheren Fassung. Und im Grunde ist die tiefgreifende Analyse von "Ekstasis" damit abgeschlossen. Kein Netz, kein doppelter Boden.

Verführt dazu die Diskographie eines jeden Künstlers chronologisch zu bewerten, kommt Holters Zweitwerk sicherlich einer Verlustrechnung gleich. Deswegen hilft es, den Blick zu weiten auf das, was in den letzten Monaten und Jahren allumfassend an Veröffentlichungen dargeboten wurde. So nett "Ekstasis" im direkten Vergleich auch erscheinen mag, so tiefschürfend ist das Album ist seiner Alleinstellung. Besonders der hintere Teil des Albums lädt zu anhaltender Begeisterung ein. In "Four gardens" verhallt die Erinnerung an eine weitschweifige, verträumte Stina Nordenstam in dem Moment, wenn repetitive, scheinbar Steve Reich gewidmete Orchesterschleifen mit Nachdruck die elegische Stimmung befeuern. Ein monotoner Beat erzeugt den nötigen, die vormaligen Strukturen auflösenden Bruch, um europäisch geprägten Jazz, zersetzt mit abstrakten Folk-Anleihen einzuführen. Ein Louis Sclavis dürfte staunen, wie viel Pop in so viel Abstraktion steckt.

Sich einem weiten Publikum zu öffnen, mehr mit solchen Musikstrukturen zu spielen, die hinlänglicher bekannt sind, muss nicht gleich mit einem Ausverkauf musikalischer Werte zusammenlaufen. Doch zu keinem Moment erscheint "Ekstasis" als Kuschelkurs auf ein noch nicht vorhandenes Großpublikum. Faszinierend bleibt vielmehr, mit wie viel Feingefühl Holter den Hebel umzulegen weiß, um die verschiedenen Sprachen ihres Könnens in ihre Musik einzupflegen. "Ekstasis" ist ein wahres Kunstwerk an Anbiederung, wenngleich die Kunst hinter der Anbiederung um ein Vielfaches interessanter ist.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Boy in the moon
  • Four gardens
  • This is Ekstasis

Tracklist

  1. Marienbad
  2. Our sorrows
  3. In the same room
  4. Boy in the moon
  5. Für Felix
  6. Goddess eyes II
  7. Moni mon amie
  8. Four gardens
  9. Goddess eyes I
  10. This is Ekstasis

Gesamtspielzeit: 57:10 min.

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