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Roberta Flack - Let it be Roberta - Roberta Flack sings The Beatles

Roberta Flack - Let it be Roberta - Roberta Flack sings The Beatles

429 / Sony
VÖ: 20.04.2012

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Deine Stimme zählt

Sein lassen

Es gibt gute, schlechte und vollständig bescheuerte Ideen. Halten wir uns nicht mit denen auf, die Menschen mit wenigstens einer Spur Restverstand für vertretbar halten könnten, sondern kommen gleich zu "Let it be Roberta". Irgendjemand muss der großen Dame des Jazz-informierten Soul-Songwritings erzählt haben, es sei eine tolle Idee, wenn sie wieder eine Platte aufnehmen würde. Schließlich bringt "Killing me softly" längst nicht mehr so viele Tantiemen ein, seitdem dessen Fugees-Cover nicht mehr viertelstündlich im Formatradio abgenudelt wird.

Dass die mittlerweile 75-jährige Flack seit Jahren keine eigenen nennenswerten Songideen habe, sei auch kein Problem. Ihr letzter Grammy-prämierte Erfolg war 1995 das Soul- und Jazz-Standards-Coveralbum "Roberta". Sie könne doch einfach noch einmal ein paar solcher Klassiker weichspülen. Wie es denn mit den Beatles wäre, schlug ihr der zuständige A&R Johnny "D" De Mairo vor. Deren "Here, there, and everywhere" hatte Flack früher immerhin mal herrlich am Klavier transzendiert. Und sogar Lennon-Witwe Yoko Ono, mit der Flack befreundet ist, seitdem diese mit dem Ex-Beatle nach New York umgezogen war, fand die Idee toll.

Jetzt könnte man denken, Flacks betörende Stimme und die großartigen Songs der Fab Four seien eine ausgemachte Sache. Doch "Let it be Roberta - Roberta Flack sings The Beatles" erfüllt so ziemlich alle Klischees, die eine solche Konstellation nachhaltig ruinieren können. Statt eines Produzenten, der Flack allein mit Klavier und Gitarre einsperrt, machte sich eine Wagenladung Produzenten und gelackter Profi-Mucker im Studio und an den Instrumenten breit. Und so kommt schon das eröffnende "In my life" nicht über schmierige Fahrstuhlmusik hinaus. Die zersäuselte Melodie wird unter einem Mus aus Kuschelfolk und esoterischen Spielereien begraben. In "Hey Jude" zupft es von allen Saiten, doch Flack macht aus der Lennon/McCartney-Hymne ein nichts mehr sagendes Schlaflied. Da verliert auch "We can work it out" vor Schreck jeglichen Schwung unter dem sorgfältig stereophon austarierten Adult-Pop-Backing.

Anschließend sterben "Let it be", "The long & winding road" und "And I love him" grässliche R'n'B-Tode. Und was Flack aus "I should have known better" macht, gehört mindestens gerichtlich verboten. Nicht mal Wyclef Jean hätte diesen Songs mehr Seele rauben können. Das ist nicht mehr als glitschigstes Easy Listening, und zur Höchststrafe fehlt eigentlich nur noch, dass P. Diddy losrappt. Dass dies dem Zuhörer erspart bleibt - vielleicht weil der Zwerg nicht mehr ins Studio passte -, rettet wenig. Höchstens im geschmeidigen Groove von "Come together" oder im zerfließenden "Oh darling" steckt echtes Leben. Und trotz der ansatzweise weitsichtigen Songauswahl, die sich eher an Hits aus der zweiten und dritten Reihe wagt und mit "Isn't it a pity" sogar eine Solosingle von George Harrison einbezieht, ist das Album nichts als eine üble Enttäuschung. Flack hat den Klassikern nichts, aber auch gar nichts Eigenes hinzuzufügen. Das war mal anders, wie die hier enthaltene '72er-Live-Aufnahme von "Here, there, and everywhere" zeigt: Flack nahm diesen Song einst mit Leidenschaft, Seele und Kunstfertigkeit in Besitz. Der Zauber, den ihre Stimme einst verbreitete, ist heute dahin. Es bleibt ein totproduziertes Nichts, das man weder den Beatles noch Flack hätte antun dürfen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Here, there, and everywhere

Tracklist

  1. In my life
  2. Hey Jude
  3. We can work it out
  4. Let it be
  5. Oh darling
  6. I should have known better
  7. The long & winding road
  8. Come together
  9. Isn't it a pity
  10. If I fell
  11. And I love him
  12. Here, there, and everywhere

Gesamtspielzeit: 49:28 min.