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Dntel - Aimlessness

Dntel - Aimlessness

Pampa / Rough Trade
VÖ: 01.06.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Deine Stimme zählt

Der Traumfänger

Wenn Jimmy Tamborello alias Dntel als Tier statt als querspielender Beatpoet auf die Welt gekommen wäre, wäre er ein Kater geworden. Der Tag des Menschen Tamborello muss gut verplant sein: ein bisschen Wäsche machen, ein bisschen essen und trinken, und dann: Zurücklehnen, rumschnurren und tagträumen, bis Elektronik-Songs wie Hirngespinste entstehen, die man manchmal kaum zu fassen kriegt. Es ist kein Betriebsunfall, wenn seine neue Platte "Aimlessness" heißt und klingt, als sei sie um fünf Minuten vor Frühstück mit Rührei und Speck entstanden; fünf Minuten vor Zähneputzen, während denen sich Tamborello noch den Schlaf und die lange letzte Nacht aus den Augen wischt und sich überlegt, was er anstelle seines Schlafanzugs anziehen soll - wenn überhaupt. Es ist die Stärke von "Aimlessness". Und auch ihre größte Schwäche.

Bis zuletzt bleibt Tamborello hier unbegreiflich, bleibt "Aimlessness" ein Fremder, bleiben die meisten Songs auf dieser Platte flüchtig angerissene Skizzen, die schneller wieder weiterziehen als Wandernomaden in der Wüste Gobi. Einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, fällt so schwer. Das eröffnende "Waitingfortherest II", eine Art Sequel zu Teil eins aus dem Jahr 2009, ist exemplarisch. Tamborello verkriecht sich hinter seinen Synths, Moogs und seinen Sequenzer-Programmen, raucht Teufelskraut und deutet minutenlang Melodien an, die dann doch nie zu Potte kommen. Apologeten und mittelkredible Magazine für elektronische Musik mögen das Ambient-Experimente nennen und schönschreiben. Dabei findet hier nicht eine Idee statt, die, wenn vorher aufgeschrieben, mehr Platz beansprucht hätte als die Fläche eines mittelgroßen Bierdeckels.

Das ist die schlechte Seite von "Aimlessness": dass Tamborello während Nummern wie "My orphaned sun" zu seinem eigenen Schatten mutiert, gar nicht erst den Dialog mit seinen Zuhörern sucht und sich stattdessen lieber ans Klavier setzt und die Lyrics bockig mit einem Geist mit Hallstimme absaufen lässt. Die gute Seite: Tamborello bleibt Tamborello - und damit immer für einen Coup gut. "Bright night", ein Sahnestück, mit dem Dntel und Plattenfirma schon vorab auf Kunden- und Klickfang gingen, vereint viele Einfälle, auf 8 Bit konvertierte Spinnereien und quer gelegten Beats, die Tamborello beim Programmieren an seiner Logic-Pro-Software ansonsten oft ausgegangen sind. Und das wunderbar entrückte "Santa Ana winds" bezaubert nicht zuletzt dank des Gastgesangs der Singer-Songwriterin Nite Jewel. Bloß blöd, dass Tamborello ansonsten nicht immer so ausgeschlafen scheint, wie er es sonst ist.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Bright night
  • Santa Ana winds

Tracklist

  1. Waitingfortherest II
  2. Jitters
  3. Still
  4. My orphaned son
  5. Bright night
  6. Retracer
  7. Puma
  8. Santa Ana winds
  9. Trudge
  10. Jitters (Geotic mix)
  11. Doc (Dntel mix)
  12. Paper landscape

Gesamtspielzeit: 43:21 min.

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