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El Doom & The Born Electric - El Doom & The Born Electric

El Doom & The Born Electric - El Doom & The Born Electric

Rune Grammofon / Cargo
VÖ: 16.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

Auf die Waffel

"Brunost", auf deutsch "brauner Käse", ist ein norwegisches Nationalheiligtum. Ein Käse, der eigentlich keiner ist. Denn er reift nicht, niemand durchlöchert ihn und geschmacklich ist er der Schokolade näher als dem Gouda. Das (und die braune Farbe) liegt hauptsächlich an dem Milchzucker, der karamellisiert, wenn zur Herstellung des Käses die Molke stundenlang eingekocht wird, bis sich nahezu alle Flüssigkeit verzogen hat. Was übrig bleibt, wird in Quaderform gebracht, mit dem Käsehobel geschnitten und mit Marmelade und Sour Cream auf Waffeln gegessen. Geschmack ist eine Sache für sich.

Selbiges trifft auf die etwas pathetische Predigerstimme zu, mit der Ole Petter Andreassen gleich zu Beginn auf den nichts ahnenden Hörer losgelassen wird. Der Mann könnte auch im amerikanischen Bibelfernsehen den Weltuntergang beschwören. Stattdessen steht er der norwegischen Progrock-Band El Doom & The Born Electric vor, die - der Name mag es verraten - dem Doom nicht abgeneigt ist, aber vor allem Dank Gitarristin Hedvig Mollestad Thomassen auch ein Herz für modernen Jazz hat. In kurzen Songs endet das verständlicherweise nicht.

Schon der Opener "Fire don't know" braucht neuneinhalb Minuten, um den Kreis zu schließen. Refrains und Strophen gibt es zwar, die Band greift sie aber eher sporadisch auf, um sich zu vergewissern, dass alle sich noch im gleichen Song befinden. Die große Stärke von El Doom & The Born Electric ist, dass sich ihre Songs entwickeln und viel Freiraum haben, ohne ins Willkürliche abzudriften. Damit ähnelt die Ausführung oft Jazzstrukturen, während der Sound sperrig-verzerrter Hardrock ist. "The lights" baut beispielsweise auf ein paar langsam aufeinanderfolgenden Akkorden auf, die die Band dann immer weiter variiert. Mehr braucht es nicht, um den Song vom Lagerfeuer auf die Theaterbühne, ins Weltall und wieder zurück zu verfrachten.

Das zackige "It's electric" nimmt anfangs mit einigen Metallicks ordentlich Tempo auf. Dann dreht der Song für eine Weile in Richtung Gothicrock, verliert an Schärfe und sammelt sich für das furiose Finale. Das folgende Riffgewitter zu durchschauen, ist erst mal Nebensache, weil man sich spätestens ab hier einfach von der Platte mitreißen lassen kann. Zunächst bleiben nur Fetzen hängen, zum Beispiel die knackige Funk-Strophe von "The hook" oder der ausufernde Orgel-Refrain von "Red flag". Dann schlägt plötzlich die ganze Intensität von "Fire don't know" oder dem langsam groovenden "With full force" durch. Der oberflächlich simple und direkte Heavy Rock der einzelnen Teile sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass "El Doom & The Born Electric" vor Progrock-Abfahrten und jazzigen Soli nur so sprüht. Wer sich von Andreassens Gesang zu Beginn nicht verschrecken lässt, findet hier eine Perle unkonventioneller Rockmusik. Für alle anderen gibt's eine Runde Waffeln.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Fire don't know
  • It's electric
  • The hook

Tracklist

  1. Fire don't know
  2. It's electric
  3. With full force
  4. The hook
  5. The lights
  6. Subtle as a shithouse
  7. Red flag

Gesamtspielzeit: 53:44 min.