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Bear In Heaven - I love you, it's cool

Bear In Heaven - I love you, it's cool

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 30.03.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Der Wiederverkennungswert

Pop hatte doch wirklich genug Zeit, um erwachsen zu werden. Um aus all den flüchtigen Strömungen die wirklich angemessene Umsetzung zu destillieren. Um Musik zu erschaffen, wie sie sein sollte: eingängig, aber nicht einfallslos. Melancholisch, aber nicht hoffnungslos. Schlicht, aber raffiniert. Modern, aber nicht geschichtsvergessen. Euphorisch, aber nicht überheblich. Anspruchsvoll, aber nicht abgehoben. Tanzbar, aber nicht zweckgebunden. Und was bekommen wir im März 2012 präsentiert? Einen Brasilianer, der vor lauter Beischlaf-Choreografie nicht mal seinen eigenen Text auf die Reihe bringt, sondern ihn sich von kreischenden Mädels zuschreien lassen muss. Die Charts fallen also als Entscheidungshilfe flach. Mal wieder.

Da der geneigte Pop-Connaisseur dies jedoch schon seit Jahren weiß, fahndet er anderweitig nach Genussversprechen. Zuletzt geisterte der Name Bear In Heaven durch die informierten Blogs, weil die Synthrocker im Vorfeld der Veröfentlichung ihres dritten Albums dieses in einer 4.000-fach verlangsamten Version auf ihrer Website zu streamen begannen, damit es am Tag des offiziellen US-Releases am 3. April 2012 exakt einmal abgespielt wurde. Mitte März war man immerhin schon bei Track sieben. Die Lust am gepflegten Drone erfüllt der Nachfolger der übersehenen Großtat "Beast rest forth mouth" trotz dieser hervorragenden Voraussetzungen jedoch eher nicht. Stattdessen präsentieren die zehn neuen Tracks von "I love you, it's cool" elektronischen Pop, der erfreulich viele der im ersten Absatz aufgezählten Eigenschaften aufweist.

Das beginnt bereits bei der pulsierenden Eröffnung "Idle hearts", bei der der Bass in Richtung Talk Talk grüßt, während es im Vordergrund flirrt und schwebt. Jon Philpots desillusionierter Gesang träumt von Verwirrung und Leidenschaft, und die Beats scheppern dazu hübsch saftig, damit auch der Bezug zur Brooklyner Jetztzeit gewahrt bleibt. Auch in "The reflection of you" umgarnen sich zwitschernde Synthesizer und komplexe Rhythmik, während Philpot sich Zuneigung vorstellt und dabei unversehens auf die Tanzfläche gerät. "I wanna run / But my legs won't respond."

Die charmante Unbeholfenheit des Nerds prägt "I love you, it's cool". Nicht nur "Noon moon" stürzt sich in eine übersteuerte Achtziger-Jahre-Reprise. Positiv besetzte Titel wie "Cool light" und "Kiss me crazy" gehören zu eher ernüchterten Songs. Sie wollen tanzen, verweigern sich aber dem geraden Takt. Sie wollen feiern, aber die "World of freakout" steht in Moll. In der Single "Sinful nature" liegen schwere Schaltkreiswolken über einem bis zur Unkenntlichkeit verschleppten Funkbeat. Der Song ruft den Gemobbten dieser Welt Mut zu, denn in ihrer dunklen Seite liegt eine unvermutete Kraft. "You just don't know it yet."

Bear In Heaven zelebrieren die verblüffte Entfremdung mit stotterndem Schwung und von Synthetik umzingelten Gitarren. "I love you, it's cool" wird auf keiner der angesagten Partys gespielt werden, bei denen Hot Chip für das maximal mögliche Nerdtum stehen. Die Brooklyner tanzen lieber unter ihresgleichen. Auf dem Vorgänger sangen sie die Hymne für all die "Lovesick teenagers" da draußen, die auch im Älterwerden niemals dazulernen. So geht Erwachsenwerden nämlich wirklich, und dies ist der Soundtrack dazu. Auch dieses Mal sollten die Missverstandenen, Enttäuschten und Uncoolen die Songs von Bear In Heaven scrobbeln, liken, retweeten und +1en. Denn dies sind Dancehits für den Konjunktiv.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Idle heart
  • The reflection of you
  • Noon moon
  • Sinful nature
  • Kiss me crazy

Tracklist

  1. Idle heart
  2. The reflection of you
  3. Noon moon
  4. Sinful nature
  5. Cool light
  6. Kiss me crazy
  7. World of freakout
  8. Warm water
  9. Space remains
  10. Sweetness & sickness

Gesamtspielzeit: 43:58 min.

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