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Bushman's Revenge - A little bit of big Bonanza

Bushman's Revenge - A little bit of big Bonanza

Rune Grammofon / Cargo
VÖ: 30.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

Kokosbrötchen aus gestrandeten Walen

Worte sind Schall und Rauch, aber hauptsächlich eben Schall. Als solcher können sie Teil von Musik sein, müssen es aber nicht. Rein instrumentale Musik gibt es in allen Genres, wenn auch in der klassischen Musik und in elektronischen Gefilden vielleicht etwas häufiger als in der Rockmusik. Und es gibt sie natürlich im Jazz, wo Pianos, Trompeten und Saxofone manchmal eine fast vokale Präsenz entwickeln, ohne dass ein Stimmband bemüht wird. Ein Problem mit der Sprachlosigkeit - und hier sind wir wieder in den Gefilden der Rockklänge - ist allerdings, dass man seine Songs zwecks Greifbarkeit irgendwie benennen muss. Seltsamerweise profilieren sich dabei gerade sängerlose Bands manchmal bis ins Extreme. "Alone and unaware, the landscape was transformed in front of our eyes" von Red Sparowes' Debütalbum "At the soundless dawn" ist noch eines der kürzeren Beispiele. Und Don Caballeros "Details on how to get ICEMAN on your license plate" ist bestimmt nicht das seltsamste.

An diesem Punkt betreten die norwegischen Jazzrocker Bushman's Revenge die Bühne und werfen "Hent tollekniven ivar, det har strande en hval" in die Waagschale. Frei übersetzt: "Holt eure Messer, es ist ein Wal gestrandet". Ein Satz, den so eigentlich nur Norweger, Japaner und Eskimos sagen können, und die schweigenden Bushman's Revenge wiederum sagen ihn ja nicht einmal. Nicht weniger kompliziert ist das, was auf "A little bit of big Bonanza" tatsächlich zu hören ist. Bushman's Revenge spielen Jazz mit den Mitteln und der Besetzung des klassischen Rocktrios und klassischen Rock mit den Köpfen eines Jazztrios. Dass die beiden Genres ganz wunderbar miteinander funktionieren, ist ja schon seit The Grateful Dead, Frank Zappa und Primus kein Geheimnis. Aber Bushman's Revenge frickeln sich mit einer Besessenheit durch die acht Songs ihres vierten Albums, dass es eine Freude ist.

Zu Beginn legen sie mit einem recht simplen Bassriff los, auf das die Gitarre ein bisschen improvisiert. Takt für Takt verschmelzen in "As we used to sing" die polternden Drums, der nur scheinbar über die Tonleiter irrende Bass und die manchmal chaotischen, manchmal klassisch rockenden Gitarren zu einem faszinierend stürmischen Lärmbrocken. Das achtminütige "No more dead bodies for daddy" kommt etwas spartanischer daher, lässt Bass und Schlagzeug mehr Raum und baut sich eine Wand aus abgehackten Stakkato-Riffs und Schweiß. Bushman's Revenge retten diese Intensität aber auch in die Akustik-Nummer "John Lennon was the greatest man who ever lived" und den infernalischen Depri-Blues von "Jeg baker kokosboller" hinüber. Kein Wunder also, dass auch der Walschlächter-Song am Ende der Platte hält, was er verspricht (im übertragenen Sinne, versteht sich). Denn in bester Jazz-Manier komprimiert die Band hier noch einmal die ganze Platte, lässt den Bass minutenlang grooven, spielt sich dann in einen dreiminüten Rausch, der ein simultanes Schlagzeug- und Gitarrensolo ist und endet in einem kurzen und schmerzlosen Fiepen. Keine Worte, viel Schall, wenig Rauch - so muss das sein.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • As we used to sing
  • Jeg baker kokosboller
  • Hent tollekniven ivar, det har stranda en hval

Tracklist

  1. As we used to sing
  2. No more dead bodies for daddy tonight
  3. Jeg baker kokosboller
  4. John Lennon was the greatest man who ever lived
  5. Iron bloke
  6. 4e73
  7. Tinnitus love poem
  8. Hent tollekniven ivar, det har stranda en hval

Gesamtspielzeit: 47:39 min.