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Birdy - Birdy

Birdy - Birdy

Warner
VÖ: 23.03.2012

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

In fremden Nestern

Jasmin van den Bogaerde trägt Zahnspange, was mit ihren 15 Jahren völlig normal ist. Auf Fotos sieht man sie selten lächelnd oder lachend, was vermutlich an der Schneekette im Gesicht liegt. Auch dieses Verhalten passt bestens in die Historie jedes Teenies. Nicht aber, dass sie seit ihrem zwölften Lebensjahr im Fokus der Öffentlichkeit steht, nachdem sie einen Open-Mic-Wettbewerb im UK gewann. Und ebenso wenig, dass sie unter dem Künstlernamen Birdy in diesem Alter schon ein Album veröffentlicht, auf dem sie fast ausschließlich Coversongs spielt und singt. Songs, die in der Regel von Männern mittleren Alters geschrieben worden sind. Das kann schief gehen und tut es mitunter auch.

Das Konzept ist beileibe nicht neu: Junge, talentierte Nachwuchskünstlerin singt Songs bekannter Künstler neu ein. Joss Stone wurde so bekannt, Dionne Bromfield ebenso. Nun also Birdy aus Lymington/England, die sich Indie-Hits am Piano zur Brust nimmt und dabei mit Jim Abbiss (Arctic Monkeys), Rich Costey (Muse, Franz Ferdinand) und James Ford (Klaxons) bekannte Produzenten an die Seite gestellt bekam. Ihr sicherlich bislang bekanntestes Stück ist die Interpretation von Bon Ivers "Skinny love". Im Vergleich zum Original überfragil vorgetragen, verliert Birdy die Kraft der anklagenden Worte aus den Augen, sodass es einen eher schüttelt als rührt. Birdys Stimme scheint teilweise den ganzen Weltschmerz schultern zu wollen, der bei aller geforderter und erbrachter Emotionalität doch des Guten zu viel ist. In anderen Momenten wirkt ihre Stimme noch leicht brüchig. Im Coverwust wabert ihre Singstimme daher noch getarnt umher, zeigt sich nur ab und an und verschwindet dann wieder hinter der leicht weinerlichen Vortragsweise.

Bei Cherry Ghosts "People help the people" passt ihre Stimme zum zivilcouragierten Inhalt bestens, "I'll never forget you" (Francis And The Lights) mag sie zwar ordentlich nachsingen, aber schon nicht mehr viel Neues entlocken, "White winter hymnal" krankt bereits, der Tiefpunkt folgt aber erst noch: Aus The Naked And Famous' "Young blood" wird ein klagendes Stück, dessen Akku im Minusbereich läuft - das junge Blut gerinnt, die Party gerät zum Seniorenkränzchen. Ehrenhaft ist, wie der dampfende, poppige Filterhouse-Hit "1901" der französischen Band Phoenix bis auf eine umherirrende Gitarre plötzlich blank zieht, nur bevorzugen wird man auch weiterhin das Original. Aber das zeigt: Es ist nicht alles schlecht.

"Shelter" von The Xx gefriert nicht mehr beim Zuhören, und obwohl mit der variablen Folktronica-Instrumentierung die Grundlage für "The district sleeps alone tonight" entzogen wurde, geht der The-Postal-Service-Song mit geloopten Drumbeats einigermaßen klar. Am besten schultert sie den emotionalen Ballast in "Without a word". Textlich noch keine Gala, aber es wirkt ihr näher und vertrauter, weil es die einzige Eigenkomposition ist. Da fragt man sich, wie sinnvoll es ist, ein Cover-Album vorzuschießen, das stetig mit den Originalen in Konkurrenz steht, und nicht lieber etwas zu warten, um gleich mit eigenen Songs um die Ecke zu kommen - die es laut Birdy mittlerweile gibt. Um im Jargon der Ornithologie zu bleiben: Ist Birdy ein nachplappernder Papagei oder eine Nachtigall? Nächste Platte, neue Rechnung.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Shelter
  • Without a word

Tracklist

  1. 1901
  2. Skinny love
  3. People help the people
  4. White winter hymnal
  5. The district sleeps alone tonight
  6. I'll never forget you
  7. Young blood
  8. Shelter
  9. Fire and rain
  10. Without a word
  11. Terrible love

Gesamtspielzeit: 44:06 min.

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  • Birdy (50 Beiträge / Letzter am 07.10.2013 - 06:36 Uhr)