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Air - Le voyage dans la lune

Air- Le voyage dans la lune

Virgin / EMI
VÖ: 03.02.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Punkt, Punkt, Komma, Strich

These: Der Stummfilm ist wieder en vogue! Erster Beweis: Mit der französischen Tragikomödie "The artist" gewann unlängst ein Stummfilm den Golden Globe. Zweiter Beweis: Das ebenfalls aus Frankreich stammende Electropop-Duo Air ließ sich für das siebte Album von einem Stummfilm inspirieren. Dabei handelt es sich um den unter Cineasten hoch gehandelten Streifen "Le voyage dans la lune", gedreht von Georges Méliès im Jahre 1902. Es klingt vielleicht paradox einen Soundtrack zu einem Stummfilm zu kreieren, aber irgendwoher muss man ja seine Inspiration beziehen.

Die Idee jedenfalls ist sehr sympathisch, irgendwie knuffig, aber gar nicht mal so weit hergeholt. Air haben bereits den Soundtrack zu Sofia Coppolas "The virgin suicides" komponiert und werden auch sonst gerne herangezogen, wenn es wieder einmal gilt, einen Fernsehbeitrag musikalisch zu unterlegen. Dass sie sich für die neue Platte einen Film mit Mond-Bezug ausgewählt haben, kann als selbstreferenzieller Seitenhieb verstanden werden, schließlich postulierten Air einst die glorreiche "Moon safari", ihr bis dato größter Erfolg.

"Le voyage dans la lune" hat darüber hinaus jedoch wenig mit "All I need" oder "Kelly watch the stars" zu tun: Diese Platte ist düster-dunkel und bietet wenig Hit-Potential. Die letzten Versuche schlugen fehl, Air manövrierten sich eigenhändig in den Fahrstuhl, also genau dahin, wo sie viele Kritiker seit jeher sehen. "La voyage dans la lune" ist jedenfalls keine bloße Hintergrundbeschallung, Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel verfolgen ihren cineastischen Anspruch mit aller Konsequenz und machen dahingehend ihre Sache alles andere als schlecht.

Die LP beginnt mit dem unheimlichen "Astronomic club", Männerstimmen brummeln im Hintergrund: Air schauen hier über den Tellerrand des Easy-Listenings hinaus, ihr Sound ist experimenteller. Durch die eingestreuten Interludes entsteht eine innere Kohärenz, das Album entwickelt sich in der Tat zu einem Trip. Zwar ist dies nicht immer zwingend, doch größtenteils klingt "La voyage dans la lune" wie ein gelungenes Experiment. Die zentralen Stücke, "Parade" und "Sonic armada", erinnern in ihrer Schattigkeit gar an Gruppen wie School Of Seven Bells oder Beach House, nur ohne den tierischen Druck und deren herrliche Entrücktheit.

Dass die zweite Albumhälfte dann doch etwas schläfriger ist, kann der Hörer wohl verkraften, schließlich ist das hier ein glasklares Nacht-Album. Gut, ein Song wie das doch etwas dröge Gruselstück "Who am I now?" stört etwas den Fluß bzw. das langsame Auslaufen und Verschwimmen von Traum und Realität. Am Ende streichelt der psychedelische Schleicher "Lava" jedoch zart die letzten Lichter aus. Still, unheimlich. Sicher, so preisverdächtig wie "The artist" ist "La voyage dans la lune" nicht. Doch all die zornigen Stimmen, die Air in die Bedeutungslosigkeit gesungen haben, dürften nun, ähm, verstummen. In diesem Sinne: Psst!

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Seven stars
  • Parade
  • Sonic armada

Tracklist

  1. Astronomic club
  2. Seven stars
  3. Retour sur terre
  4. Parade
  5. Moon fever
  6. Sonic armada
  7. Who am I now?
  8. Décollage
  9. Cosmic trip
  10. Homme lune
  11. Lava

Gesamtspielzeit: 31:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
musie
03.02.2012 - 14:47 Uhr
ich finds noch schlechter als das letzte album, und das geht fast nicht. ist ja eine in wenigen tagen eingespielte filmmusik und kein 'reguläres' album, trotzdem klingt das für mich nicht mal wie resteverwertung (siehe letztes album) sondern eher wie ein trip der sehr schlecht einfährt... eine abrechnung mit dem albtraum mond, nachdem das böse fan-volk seit gefühlten jahrzehnten einen nachfolger von moon safari einfordert...
sgotsch
13.02.2012 - 23:58 Uhr
Aber immerhin ne halbe Stunde haben sie voll bekommen?
tryagain
14.02.2012 - 00:45 Uhr
combine with movie!
nörtz
14.02.2012 - 00:47 Uhr
Also zum relaxen taugt das Teil eigentlich ganz gut, obwohl die grandiosen Einzelsongs fehlen.
@nörtz
14.02.2012 - 16:09 Uhr
da sagste watt. aba da is doch ein so song druff, der ganz gut poppt. name vergessen. geht ungefähr so: dädä dödö dudu dedö...
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