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Cosmo Jarvis - Is the world strange or am I strange?

Cosmo Jarvis - Is the world strange or am I strange?

25th Frame / Rough Trade
VÖ: 13.01.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

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Dagegenwart

Cosmo Jarvis macht größere Schritte als John Cleese. Als er mit 20 Jahren sein Debüt "Humasyouhitch/Sonofabitch" veröffentlichte, erwischte er dafür einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Just zur selben Zeit hatte Jamie T der Welt seinen Zweitling präsentiert und die Parallelen zwischen beiden Jungs von der Straße waren zu groß, als dass Jarvis direkt aus dem Windschatten hätte stürmen können. Macht nix, denn mit Blick auf "Is the world strange or am I strange" wird der Tisch fortan für zwei gedeckt. Auch wenn die Charts das anders sehen, aber das hat andere Gründe.

Die groß erdachte Liebesgeschichte "Gay pirates" erzählt von einer verbotenen Liebe an Deck. Harte Männer, die noch härter mit Homosexuellen ins Gericht gehen, als es ein Teil der heutigen Gesellschaft immer noch zu tun vermag. Und so trägt Jarvis das Stück mit einer Laute vor, einem Instrument, das es im 18. Jahrhundert theoretisch an Bord gegeben haben könnte: "I'd be under the sea / You hold me above / You're the man I love / Yo, ho, Sebastian / Let's go far away / Somewhere where the captain won't be made". Radio1 weigerte sich, den Song zu spielen, weil Jarvis das Wort "Gang rape" textete. Aber auch die editierte Version verstaubte ungespielt. Jarvis war sauer und zeigt spätestens seither den Mechanismen des Musikgeschäfts den Mittelfinger. Ihm ist es lieber, seine Musikkarriere sterben zu sehen, mit Leuten, die seine Musik ungeschönt mögen, als auf die Unterstützung eines (großen) Radiosenders zu setzen. Insgeheim weiß er auch: Den Dolchstoß für die Karriere umschifft er mühelos.

Jarvis, der in New Jersey geboren wurde und schon früh nach England zog, schwimmt gegen den Strom, weil er unter selbigem steht. 300 Songs hat er nach eigenen Angaben in petto und alleine die Auswahl auf "Is the world strange or am I strange" ist es allemal wert gehört zu werden. "Betty", mit seinen sprunghaften Wechseln zwischen Punk, Electro, Folk, Reggae, ist mit seinen neun Minuten zwar etwas zu ausufernd arrangiert, summiert aber annähernd, was zuvor geboten wurde: Dreckigen (Post-)Punk in "My day", groovenden Reggae in "She doesn't mind", Bluegrass in "Blame it on me", eine Wanderung durch die Gabelungen des Folk und viel Mike Skinner in "Is the world strange".

"Sure as hell not Jesus" geht mit der katholischen Kirche hart ins Gericht und prangert mit stampfenden Banjo-Twang-Country unter anderem Missbrauch an, im Übrigen von Jarvis im zugehörigen Video wunderbar in Szene gesetzt. Dass er sich mit 22 Jahren auch noch als Filmemacher verdient, ist hier nur eine Randnotiz, dafür lohnt ein Auge auf das Songwriting des Multiinstrumentalisten, der seine Generation zurechtweist, seine Bitterkeit und Konflikte auf der Zunge trägt, sie löst und bei humorigen Anekdoten im Pub nicht zurücksteckt. Von nun an gilt: Schweißband an und in die Verfolgungsspur, sonst verliert man den Anschluss.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Gay pirates
  • Sure as hell not Jesus
  • Dave's house
  • She doesn't mind
  • My day

Tracklist

  1. Gay pirates
  2. Sure as hell not Jesus
  3. Blame it on me
  4. Is the world strange
  5. Dave's house
  6. Let me out of my head
  7. The talking song
  8. The wave that made them happy
  9. She doesn't mind
  10. My day
  11. Betty

Gesamtspielzeit: 59:02 min.

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  • Cosmo Jarvis (3 Beiträge / Letzter am 12.07.2010 - 14:56 Uhr)