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Amy Winehouse - Lioness: Hidden treasures

Amy Winehouse- Lioness: Hidden treasures

Island / Lioness / Universal
VÖ: 02.12.2011

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

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Der Mensch Amy Winehouse ist tot - das Produkt lebt weiter. Und obwohl sich die von Miss Winehouse hinterlassene Lücke auf dem Markt langsam mit Lana Del Rey und anderen schließt, braucht es noch Nachschub. Denn selbst der Tod ist nicht umsonst, sondern spült noch ein paar Dollar in die Kassen. Und ja, der Vorwurf ist so billig wie richtig. Denn "Lioness: Hidden treasures" könnte kaum einfallsloser sein. Amy Winehouse ist die Frau, die mit "Frank" eine der besten und dichtesten Platten der letzten Jahre veröffentlicht hat, die sich die Dap-Kings ins Studio holte, um "Back to black" Songperle an Songsperle auf den roten Faden zu stecken. Dummdreister geht es enstprechend kaum, wenn diese lose Ansammlung von unausgegorenen Tracks nun als drittes Album präsentiert wird. Aber was kann schon von Menschen erwartet werden, die eine vollkommen neben sich stehende Winehouse auf die Bühne schickten, um sie auspfeifen zu lassen? Und was kann vom Blätterwald anderes kommen, als dass er diesen Auftritt als Aufmacher ins Feuilleton hievt?

Das Produkt hatte den Menschen sowieso längst geschluckt, als die Nachricht von ihrem Tod erschien. Vergrößerte Brüste, Drogen, Alkohol, Nippelblitzer: Zu mehr reichten die Berichte kaum. Dabei war lange vorher bekannt, wie kaputt und allein Winehouse war, dass da jemand Hilfe brauchte und zwar dringend. Verantwortlich wollte hingegen niemand sein. Und um sich darüber auch heuer nicht weiter Gedanken machen zu müssen, gibt es diese zwölf Songs. Größtenteils weichgespült, ohne Ecken, ohne Kanten. Die Hits "Valerie" und "Tears dry on their own" haben die Produzenten artig mit dem Strich gebürstet und ihnen mal eben jedes Eigenleben ausgetrieben. Der einzige Song, für den sich diese Zusammenstellung lohnt, ist ein Cover von "A song for you", einem Stück von Donny Hathaway. Die Streicher liegen dramatisch am Rhythmus und das unglaubliche Talent von Winehouse zeigt sich, diese wahnsinnige Stimme, bei der die Abstürze, die Qualen und die Liebe in jedem Ton mitschwingen.

Der Rest von "Lioness: Hidden Treasures" kann da einfach nicht mithalten. Durch Winehouse' Stimme bleiben die Songs natürlich immer noch unverkennbar einzigartig, aber der Musik und der Produktion wurde alles genommen, was spannend und anders gewesen wäre. Und bitte wer braucht denn Features von Nas und Tony Bennett? Diese Stücke reißen nichts, so wie früher "Fuck me pumps" oder "Rehab", die bewegten und den Hörer mit diesem schelmischen Grinsen anzogen. "Lioness: Hidden Treasures" fühlt sich stets wie Flickwerk an. Keine Seele, kein Soul. Und auch das macht nur deutlich, wie sehr Winehouse fehlt. Zwei Platten zu Lebzeiten, zwei Meisterwerke für die Ewigkeit. Mehr davon wird schmerzlich vermisst - zumal es eben weniger hiervon gewesen wäre.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • A song for you

Tracklist

  1. Our day will come
  2. Between the cheats
  3. Tears dry
  4. Will you still love me tomorrow?
  5. Like smoke (feat. Nas)
  6. Valerie ('68 Version)
  7. The girl from Ipanema
  8. Half time
  9. Wake up alone
  10. Best friends, right?
  11. Body and soul (with Tony Bennett)
  12. A song for you

Gesamtspielzeit: 45:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Demon Cleaner
21.12.2011 - 21:43 Uhr
Schlecht ist sie nicht, aber im Vergleich mit "Frank" und "Back To Black" schon ein ganzes Stück schwächer.
tim
21.12.2011 - 21:44 Uhr
Wird Mutti mögen - und ne 4 ist ungerecht und fies, wenn der Klops noch ne 3 bekommt
afromme
21.12.2011 - 22:04 Uhr
Kann den Text der Rezension vollumfänglich unterschreiben. 4/10 - ja, 5/10 hätte man auch geben können, aber nicht müssen.
miret
23.12.2011 - 13:28 Uhr
Sorry, aber die Rezension geht absolut an der Wirklichkeit der Platte vorbei. Schon die vorgfertigte Erwartungshaltung als "3. Album" ist faktisch falsch.
Dieses Album ist sehr sorgfältig von genau den richtigen Leuten kompiliert und eben nicht das angenommene Ausnehmen einer Weihnachtsgans. Die Titel sind durchweg gut und soweit bekannt auch in interessanter Version, denn es handelt sich auch um eine Retrospektive. Leider hat die Review das Niveau nicht erreicht. Eine der schlechtesten Plattenbeschreibungen, die ich hier je gelesen habe...
LabaNich
03.01.2012 - 13:58 Uhr
Ich kenne tatsächlich nur "Our Days Will Come" aus dem Radio und wusste nach den ersten 30 Sekunden, dass ich in dieses Album nicht reinhören muss.

Das ist so ein liebloser Song, der tatsächlich ohne Seele auskommen muss, weil man ihm - wie oben beschrieben - alles Einzigartige produktionstechnisch genommen hat.
Und die Backing-Vocals erinnern mich an eine Schlagersendung des ZDF, wo jeder leere Raum, jede Melodie mit irgendeinem Scheiß zugekleistert werden muss, weil sonst am Ende nichts hängen bleibt.
Pfui.
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