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Paul McCartney - Ocean's kingdom

Paul McCartney - Ocean's kingdom

Concord / Universal
VÖ: 30.09.2011

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Der Ballettbeatle

Was tun, wenn man - entgegen anderslautender Gerüchte - die vermutlich wichtigste Band der Popgeschichte überlebt hat? Wenn man Legende ist, ohne dass Gedenk- und Grabsteine dieses Ansehen zementieren könnten? Für Paul McCartney ist die Antwort klar: Einfach weitermachen - und wenn in 40 Jahren doch einmal Langeweile aufkommt, ausreichend Ausflüge auf fremdes Terrain wagen, wo der eigene Mythos erst recht von Kratzern bedroht ist.

Nach Filmmusik, Elektronik-Experimenten als The Fireman auf "Electric arguments" und wechselhaft erfolgreichen Klassik-Trips folgt mit 69 mal wieder so eine Premiere: Ballettmusik, dem New York City Ballet auf den Leib geschneidert. "Ocean's kingdom" erzählt in vier Sätzen eine Art Unterwasser-Adaption von Romeo und Julia - mit Happy End allerdings, ganz wie es sich im sonnigen McCartney-Kosmos gehört. Die Premiere am 22. September wurde von den New Yorker Kritikern bereits kräftig durch den Fleischwolf gedreht: Nicht ein überraschender Moment sei in der Choreographie sichtbar gewesen, die Musik und der Plot ein seichtes Banalitätenkabinett, das Augenfälligste noch die von McCartney-Töchterchen Stella entworfenen Kostüme.

Dieses blasierte Herabsehen mag in den luftigen New Yorker Kultursphären zum guten Ton gehören. Trotzdem wäre es weder wirklich fair noch treffend, "Ocean's kingdom" zu Paules klassischem "Ob-la-di ob-la-da" zu erklären: Na gut, sicherlich hat man es weniger mit einem avantgardistischen Meilenstein der Zwölftonmusik zu tun als mit Komfort-Klassik mit sperrangelweit geöffneten Zugangspforten. Selbst der Nicht-Klassik-Kenner wird das dumpfe Gefühl nicht los, all das irgendwoher zu kennen. Das allerdings rüttelt nicht daran, dass Paul McCartney in seinem kleinem Zeh noch immer mehr Melodiegefühl besitzt als andere im gesamten Körper: Die Harmonieabläufe scheinen fast instinktiv zu fließen, die unzähligen Motive werden so eingesetzt, wie man einen Rocksong mit Riffs versehen würde. Im eröffnenden Titeltrack sind es gerade mal drei Töne, die auf eine Viertelstunde ausgereizt den Grad zwischen Sogwirkung und Langatmigkeit austarieren. Ballettmusik, offenbar - aber als opulenter Filmscore könnte sie nicht weniger passend fungieren.

Am abwechslungsreichsten (und entsprechend interessantesten) ist "Hall of dance": Das urenglische Intro flaniert noch irgendwo zwischen Harry Potter und dem kleinen Lord, der wesentliche Teil hingegen mutet fasst schon neoklassizistisch an. Dass es völlig unerwartete, schräge Jazz-Bläser sind, die dabei die zeitliche Grenze ziehen, gehört zu den besten Ideen des Albums - gerade, weil manch andere Stelle ein bisschen mehr Spannung durchaus vertragen hätte. Sein Ballettausflug bestätigt Maccas Ruf, nett und brav zu sein, ohne den Dreh ins Einzigartige so leichtfüßig zu erwischen wie sein Pop-Vermächtnis. Aber mal ehrlich: Wer würde von dem Mann erwarten, jetzt auch noch die Klassik zu revolutionieren?

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Hall of dance

Tracklist

  1. Ocean's kingdom
  2. Hall of dance
  3. Imprisonment
  4. Moonrise

Gesamtspielzeit: 56:33 min.

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