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Young Knives - Ornaments from the silver arcade

Young Knives- Ornaments from the silver arcade

Gadzöök / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.04.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Armer Tor vorm Scheunentor

Young Knives sind eine jener Bands, bei denen ein Gutteil der Hörer sich schon immer gefragt hat, weshalb es sie eigentlich gibt. Ungeliebt von Beginn an, hatten sie kaum Argumente für und, schlimmer noch, noch nicht einmal welche gegen sich. Sie waren einfach da, ohne was zu wollen oder so richtig was (dafür) zu können. Ein Team der grauen Masse, weder zu cheesy noch zu aufgeregt. 2011 bringt die Band ohne Eigenschaften nun ihr immerhin drittes Album an den Start, weshalb die Frage heute lautet: "Warum gibt es die eigentlich immer noch?" Leider gibt "Ornaments from the silver arcade" erneut weder eine positive noch eine negative Antwort. Und das, obwohl hier in der Tat so einiges ganz anders läuft als auf den beiden Vorgängern.

Vor allem die Verklappung von Rotznasen-Brit-Pop mit dem, was Guy Chambers einst für Robbie Williams zusammenarrangierte, lässt mitunter eine Menge Platz für intensives Strinrunzeln. So trifft Henry Dartnells Stimme etwa bei "Woman", "Running from a standing start" und "Go to ground" die Phrasierungen eines Williams nur zu genau, und auch die Musik zeigt sich mitunter seltsam stadionaffin, spart sich aber jegliche großen Gesten oder gar Refrains, die sich die Young Knives entweder nicht leisten können oder wollen. Das macht vieles auf "Ornaments from the silver arcade" zu einer tief im Inneren zaudernden Angelegenheit. Mit Ausnahme des wohlgelaunten "Everything falls into place" säuft deshalb auch die große Stärke der Band - die Offensivität, mit der sie vereinzelt kleine Geistesblitze in Songs und Singles verwandeln können - hier zwar nicht total ab, treibt aber mitunter auf einem Strom des Gleichmuts, der nicht eben in den Songwriterhimmel führt.

Auch Songs wie "Human again", "Sister Frideswide" und die Vorabsingle "Love my name" beherrscht ein merkwürdiges Auf und Ab aus bloß angedeuteten, großen Auf- und Abgängen, für Sekunden anziehenden Arrangements und Nebensträngen, die dann jeweils doch wieder ins Leere führen und/oder in den nächsten spannungsarmen Strophenpart zurückkippen. Da entsteht schon der Eindruck, dass sich Young Knives ausgerechnet mit diesem Album so richtig verhoben haben - auch wenn man an jeder Ecke hören kann, dass es ihr bisher ambitioniertestes und auch gewagtestes ist. Echte Genialität immer wieder aufblitzen zu lassen, um sofort wieder zu scheuen wie das Pferd vorm eigenen Schatten: Da steht auch der Hörer irgendwann nur noch wie der Ochs vorm Scheunentor.

Erst im letzten Drittel nimmt "Ornaments from the silver arcade" merklich Fahrt auf, und machen Young Knives ihre Gedankengänge nicht nur nachvollziehbar, sondern lassen sie auch zupacken. Die Konzentration und der (Eigen-)Wille, die etwa "Silver tongue" und "Glasshouse" durchziehen, deuten mehr als an, dass die Band auch diese Platte durchaus hätte stemmen können. Stattdessen aber schaffen sie ein kleines Kunststück von einem Album, das an allen Ecken und Kanten überaus interessant, zugleich aber gar nicht mal so toll ist. So etwas hat auch seinen ganz eigenen Seltenheitswert, sicherlich. Ob es Young Knives aber allein oder gerade deshalb nach wie vor geben muss - auch diese Frage bleibt letztlich unbeantwortet.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Everything falls into place
  • Silver tongue
  • Glasshouse

Tracklist

  1. Love my name
  2. Woman
  3. Everything falls into place
  4. Human again
  5. Running from a standing start
  6. Sister Frideswide
  7. Vision in rags
  8. Go to ground
  9. Silver tongue
  10. Storm clouds
  11. Glasshouse

Gesamtspielzeit: 39:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gordon Fraser
10.02.2011 - 19:13 Uhr
VÖ 04.04.

Nach dem großartigen (und hier äußerst misslich rezensierten) Debüt und dem bemühten, aber nicht mehr ganz so genialen Nachfolger "Superabundance" ist das jetzt das dritte Album dieser gewitzten Live-Band.

Die Single "Love My Name" mit der hoffnungsvoll stimmenden B-Seite "Schadenfreude" gibt's am 21. März.

Bin gespannt!
Gordon Fraser
26.04.2011 - 11:52 Uhr
Die Platte ist nicht sonderlich gut (ich hätte 6/10 gegeben), aber die Rezension ist wieder so lieblos geraten, wenn auch nicht so schlimm wie beim Debüt. Habe den Eindruck dass die Rezensenten wenig Lust haben, sich wirklich mit der Band zu beschäftigen. Schon mal live gesehen? Spätestens dann erledigt sich der immer noch falsche Eindruck, dass YK nur eine weitere New New Wave-Band sind. Hard-Fi (wtf?) als zweite (!) Referenz? Zwischen den Bands liegen, was Gewitztheit, textliche Virtuosität, glaubhafte Leidenschaft angeht, Welten. Viel naheliegendere Namen wie New Rhodes, British Sea Power, The Electric Soft Parade, Brakes fehlen hingegen.

Schade.

Sick
31.07.2011 - 01:27 Uhr
Doch die Platte ist gut. Warum die hier durchfällt ist mir schleierhaft.
Wo der Rest der Britpop-Bands die letzten Jahre eine Wiederholung nach der anderen (mit inmmer schlechteren Songs, z.B.: Maximo Park, Kaiser Chiefs, ...) abliefert gibt es hier fast immer gute Songs und Ideen.
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