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Ghost Of Tom Joad - Black Musik

Ghost Of Tom Joad- Black Musik

Richard Mohlmann / Universal
VÖ: 25.02.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In the air tonight

Phil Collins? Großartig. Zumindest das, was ab 3:15 Minute bei "In the air tonight" folgt und bei 3:18 Minute schon wieder vorbei ist. Dieser Sound! Diese Abgebrühtheit! Hier ist sie zu bestaunen, die Essenz des großen, des unüberblickbaren Schaffens des Engländers. Das weiß man auch in Münster, wo Ghost Of Tom Joad zu Hause sind. Das aufgeweckte Trio nutzt diese Entdeckung und wagt sich auf Album Nummer drei in die Hölle des Collins. "Black Musik" ist die logische Konsequenz aus den Reibereien mit dem Postpunk von "No sleep until Ostkreuz" und dem grandiosen Neofolk von "Matterhorn". Ghost Of Tom Joad sind nun endgültig im New Wave angelangt. Und werden damit zum derzeit besten Pferd im deutschen Gitarren-Stall.

Plötzlich tauchte sie auf, diese unwiderstehliche Vorabsingle "Black Musik", diese Schnittstelle von Farnhams "You're the voice" und New Orders "True faith". Ein Song, wie ein angeschossener Hund. Ein Brüllen, ein Würgen, ein Kotzen, ein Entschweben. Es ist ein großer, großer Song, dem man erliegt, mit dem man leidet und der niemals von der Seite weichen soll. Dieser Moment, in dem "Black Musik" endgültig abhebt, in diesem hinreißenden Phil-Collins-Moment, weiß man, wie Understatement getrommelt wird. Es ist das Schlagzeugspiel von Christoph Schneider, das immer dem Song dient und doch das Drama kennt. Schneiders Beats sind beinahe schüchtern und zurückhaltend; "Black Musik" und all die anderen fantastischen Lieder jedoch trägt es in schwirrende Höhen.

"Black Musik" ist mehr als der Song, es ist das Album. Die Band treibt zwischen Verzweiflung, Wut und Liebe umher. Die Gitarre klingt nach Bowie, und Henrik Roger singt zu seinen Akkorden wie ein Verstoßener, der nichts mehr zu verlieren hat. Hier geht es um die pure Existenz. Mit "Just a dog" stürzt sich die Band kopfüber in den Gitarren-Wahnsinn, Roger quält seiner Gitarre ein hasserfülltes Stoßgebet aus den Saiten, bis sie nach Genugtuung verlangt. Nachdem der Song endlich sein Schlachtfeld verlassen hat, kommt Schneider mit einem gnädigen Beat als Messias daher. Und all die Gefallenen tanzen zu "Wild thing". Was für ein Gefühl!

Und doch ist der Höhepunkt dieser bewegenden halben Stunde ein ganz versöhnlicher. "Snow in the summertime" ist ein zärtliches Liebeslied, mit treibendem Schlagzeug und traurigem Text. Rogers Stimme liegt wie Nebel über den Keyboards, während die Melodie zu Tränen rührt. Wenn sich die Slide-Gitarre im Refrain zum Höhepunkt aufschwingt und dabei so viel Wärme spendet, wähnt man sich bei den "Boys of summer" und schlendert an irgendeinem Strand dem Sonnenuntergang entgegen. Weiter ist Don Henley damals auch nicht gekommen. Ghost Of Tom Joad bleiben auch mit diesen vollmundigen Achtziger-Verweisen auf "Black Musik" druckvoll, sie bleiben zornig, unversöhnlich. Und doch ist da immer ein Schimmer Hoffnung. Roger singt von bemitleidenswerten Gestalten, von Ausweglosen und Verlassenen. Doch so schlimm es auch stehen mag - so viel Trost muss sein - es wird besser. Da werden einmal mehr die "Marching drums" besungen, irgendjemand wird sicher nach Hause geleitet und das Licht, das bleibt der Fixpunkt. Man selbst steht mit schweren Schultern und geschundenem Herz vor diesem Brocken von Album. Am liebsten würde man dem Geist nachschauen, der aus dem eigenen Körper gen Himmel entschwebt. Doch weiß man, dass das hier, diese Musik, zum Hierbleiben zwingt. Das muss man einfach mal aushalten.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Black Musik
  • Snow in the summertime
  • Little fires
  • The sound of 67

Tracklist

  1. Black Musik
  2. My body is a drum machine
  3. Just a dog
  4. Wild things
  5. Snow in the summertime
  6. Firing line
  7. Pretty girls
  8. Midnight marauder
  9. Little fires
  10. The sound of 67

Gesamtspielzeit: 30:58 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Paul
13.01.2012 - 14:32 Uhr
Schade drum. Mir wird es trotzdem immer ein Rätsel bleiben, wie deren letztes Album hier AdW werden konnte, obwohl PJ Harvey in der gleichen Woche rezensiert wurde.
Klaro
13.01.2012 - 14:42 Uhr
Fürchterliche Scheissband und miese Bloc Party Kopie. Spielen keine Bedeutung in der Geschichte der Rockmusik.
Deppenleerzeichen- Detektor
13.01.2012 - 14:43 Uhr
*Bloc Party Kopie*

mööp
visions of johanna
13.01.2012 - 18:51 Uhr
Hier das letzte Video: http://www.youtube.com/watch?v=JwQBW2CtgiY
meinsenf
13.01.2012 - 23:03 Uhr
Sehr schade, dass sich diese band so einfach aus dem staub macht. Wenns nach mir ginge hätten sie ruhig noch das eine oder andere album veröffentlichen können. Meiner meinung nach eine der besten deutschen indie-bands ever. Wie gesagt: sehr schade, dass sie sich auflösen.
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