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Sleigh Bells - Treats

Sleigh Bells - Treats

Mom & Pop / Sony
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ein Glück, dass es Mütter gibt. Derek Miller bediente so ganz unverkrampft Alexis Krauss und ihre Mom in einem Restaurant, ließ dabei mal fallen, dass er da so ein cooles Musik-Projekt an den Start bringen will, und daraufhin zählte Mama Krauss eins und eins zusammen. Ruckzuck waren Sleigh Bells geboren, denn Elternteile empfehlen ihre Kinder ja immer gerne brühwarm für lustiges Allerlei. Dass sich diese Geschichte nur im Hipster-Mekka Brooklyn abspielen konnte, ist da nicht einmal logische Konsequenz, sondern eine Randnote. Nach den ersten Aufnahmen wurde dann auch schnell die Blogwelt auf das Duo aufmerksam, überschlug sich mit Lob für den ElectroNoisePunkWhateverPop der beiden. Da war der nächste Schritt fast logisch, bei M.I.A.s Label N.E.E.T. unterzukommen. Mehr und mehr Tracks tröpfelten in die Welt und verursachten global nasse Schlüpfer. Nun folgt mit "Treats" das Debüt, das beweist, dass die Sleigh Bells wissen, wie Übersteuerung voll auf die Zwölf geht.

Schon zu Beginn bürstet "Tell 'em" die Wogen gerade. Der Drumcomputer surrt, ein paar Beatbrocken liegen irgendwo in dem Matsch begraben, mit dem die Gitarre um sich wirft. Darüber fügt sich der süßelnde Singsang von Alexis Krauss. Sleigh Bells ist keine Melodie unantastbar, alles kann ins Brachiale gezogen werden. "Kids" verdrescht dann auf seinem hektischen Rhythmus jede Heimeligkeit, die sich hätte einstellen können. Jede Pause ist hier nur eine Finte, um den Hörer tiefer in diesen Klang zu ziehen. Überhaupt hat die ganze Ästhetik und Haltung von "Treats" die gleiche Taktlosigkeit wie neunundneunzig Prozent der Überschriften einer großen Boulevardzeitung. Hinter jeder Note fliegen dreiundzwölfzig Ausrufezeichen her, selbst wenn "Infinity guitar" mal versucht, so etwas wie einen Spannungsbogen auf die Beine zu stellen und erst langsam zum Schlag ausholt. Vorhersehbarkeit as usual. Mitten ins Gesicht, wieder und wieder. Die Sleigh Bells holen sich die Aufmerksamkeit über die Lautstärke.

Das störende Element ist dabei nicht die Gewalt, die "Treats" zu erzeugen versucht, sondern die Mittel, zu denen die Sleigh Bells greifen, um diesen Sound zu kreieren. Jeglicher Noise ist bei ihnen nur ein flauschiges Accessoire. "Run the heart" hat so nicht viel, was es hinter seiner Klangwand verstecken könnte. Krach verkommt zu oft zur bloßen Pose, zum stumpfen Mittel der Provokation, um ein paar Poptracks aufzublasen. Die Nummer läuft bei "Crown on the ground" perfekt, lässt aber etwa "Rill rill" zum totalen Schmonz werden, der nicht aus der Hüfte kommt. So kann "Treats" die bombige Aufregung seiner ersten Minuten nicht über die knappe weitere halbe Stunde tragen. Aus dem Versprechen auf einen Umschwung folgt nie die letzte Konsequenz, sondern meist nur der Blick auf die eigene Haltung. Mit ein wenig mehr Feeling für einzelne Strukturen, für den richtigen Moment, könnten die Sleigh Bells es jedoch eigentlich einlösen. Das stumpfe Klammern an diesen Sound lässt keine Überraschungen zu, begräbt etwa "Run the heart" unter seiner nervösen Gitarre und jedem Krümmel, der aus dem Laptop bröselt. Trotzdem hat "Treats" seine Momente, in denen man sich gerne mit diesem Krach schmückt. Macht aber auch nichts. Mama Krauss ist vermutlich sowieso stolz.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Kids
  • Crown on the ground

Tracklist

  1. Tell 'em
  2. Kids
  3. Riot rhythm
  4. Infinity guitars
  5. Run the hear
  6. Rachel
  7. Rill rill
  8. Crown on the ground
  9. Straight A's
  10. A/B machines
  11. Treats

Gesamtspielzeit: 32:28 min.

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