Archivsuche

Listen

Suche bei Amazon

Partnerangebote

eXTReMe Tracker

Portugal. The Man - American ghetto

Portugal. The Man - American ghetto

Equal Vision / Cargo
VÖ: 04.06.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Sicher ist unsicher

"Da weiß man, was man hat." Ein Satz, den man immer noch irgendwie mit Waschmittel in Verbindung bringt, der sich aber genauso gut auf Portugal. The Man anwenden lässt. Bei denen weiß man nämlich auch, was man hat: immer etwas anderes. Verdrehten Emo-Indie, folkige Americana-Mutationen, bunten Sixties-Rock mit einem Schlag Psych-Pop - nein, bisher hat die Band wirklich kaum eine Gelegenheit ausgelassen, stilistische Haken zu schlagen und Erwartungshaltungen aufs Glatteis ihrer Heimat Alaska zu führen. Weswegen John Gourley und Kollegen auch darauf verzichten sollten, in die Textilreinigungsbranche zu wechseln. Schließlich liebt es niemand, wenn die Klamotten nach dem Vollwaschgang auf einmal aussehen wie das Cover des letzten Albums "The satanic satanist".

"American ghetto" widerspricht nun jedoch komplett der Abmachung auf dem Persilschein des Quartetts. Federnd hüpfende Beatschleifen? Kennt man doch irgendwoher. Selig entschwebender Gesang mit Andeutungen von Soulfalsett und LSD-Beatles? Hat man auch schon mal gehört. Sonnig kratzende Gitarrenlicks in süßlich duftender Hochzeit mit Keybords auf flauschiger Auslegeware? Kein Zweifel: Das zunächst als Download und erst verspätet auf CD veröffentlichte fünfte Album ist das erste von Portugal. The Man, das überdeutlich in der Tradition seines Vorgängers steht. Und stellenweise auch in dessen Schatten. Was jedoch nicht heißt, dass die vier dabei grundsätzlich etwas verkehrt machen.

Ein Nachschlag an köstlichen, entspannt blinzelnden Groovern in der Tradition von "Work all day" oder "The woods" wird nämlich gerne genommen, wenn malerische Gesangsharmonien, diskretes Beatgerumpel und mit spitzen Fingern gespielte Gitarren auf direktem Weg ins Vergnügungszentrum flutschen. "All my people" hebt mit elektronisch vereierten Chören an, bis Stimme und verquengelte Riffs gemeinsam den euphorischen Refrain wie eine geschlossene Wolkendecke aufreißen, "The pushers party" stampft unruhig und geräuschvoll vorwärts, ehe ein synthetisches Bläser-Break das Stück in die Nähe eines urbanen Hippie-Soul schubst. Magisch aufgeladene Momente, in denen dieses Album am hellsten strahlt.

Da ist es zu verschmerzen, dass "1000 years" nicht zu Ende gedachtes Songwriting mit übermäßigem Triggern der Instrumente zu verdecken versucht und die ohnehin recht entwurzelt dahertorkelnde Rhythmusspur von "Fantastic pace" gegen einen Vocal-Loop in der Abwärtsspirale prallt und dann in künstlicher Keyboard-Soße ersäuft. Zumal "When the war ends" zum entzückenden Abschluss eine so versöhnliche wie ruhige Indie-Pop-Kugel schiebt und womöglich schon einmal einen Ausblick auf Kommendes gibt. Es bleibt also spannend bei Portugal. The Man - allein deswegen, weil man nun noch weniger weiß, was man fürs nächste Mal erwarten soll. Nicht ihr bestes Album, aber auch nicht die schlechteste Ausgangsposition.

(Thomas Pilgrim)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • All my people
  • The pushers party
  • When the war ends

Tracklist

  1. The dead dog
  2. Break
  3. 60 years
  4. All my people
  5. 1000 years
  6. Fantastic pace
  7. The pushers party
  8. Do what we do
  9. Just a fool
  10. Some men
  11. When the war ends

Gesamtspielzeit: 36:07 min.

Anzeige

Threads im Plattentests.de-Forum