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Kula Shaker - Pilgrims progress

Kula Shaker - Pilgrims progress

StrangeF.O.L.K / ADA Global / Warner
VÖ: 23.07.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Selige Halbwertzeit

Erbauung muss sein. Das weiß vor allem der Leser von "Die Pilgerreise zur seligen Ewigkeit", einem Referenzwerk der christlich motivierten Literatur, das im Original genau so heißt wie das vierte Studioalbum von Kula Shaker. Auch deren Frontmann Crispian Mills befindet sich permanent auf tieferer Sinnsuche. Dass ein indischer Guru beim Bandnamen Pate stand, erwies sich zunächst als Segen, die Idee, aus ästhetischen Gründen brennende Hakenkreuze in den Bühnenaufbau zu integrieren, eher weniger - und führte statt dessen zur zwischenzeitlichen Auflösung. Doch da der kurzlebige Rock'n'Roll-Ausflug mit The Jeevas wenig Erleuchtung brachte, kehrte Mills bald zurück und fand bis auf einen ausgewechselten Keyboarder ein erfreulich unversehrtes Bandgefüge vor.

Weiter konnte es gehen mit Kula Shaker und nun auch mit eigenem Label, benannt nach dem Comebackalbum. "Pilgrim's progress" illustriert Mills' Emanzipation von scheinbaren Heilsbringern, buntem Meditations-Firlefanz und dem Irrglauben, es würde sich ernsthaft jemand für in Sanskrit gesungene Popsongs interessieren. Von abgelegter Naivität zeugt auch die hinreißende Downloadsingle "Peter Pan RIP", die den Jungen, der nicht erwachsen werden wollte, mit behutsam gestrichenen Celli und Rumba-artigem Gepolter zu Grabe trägt. Grund zur Klage gibt es für Mills in einer orientierungslosen Welt zwar immer noch zur Genüge - aber keine Veranlassung mehr, seine Musik mit Sitar-Geplänkel oder ellenlangen Codas zu wattieren.

Stattdessen schwingen Kula Shaker zu wühlendem Spacerock die Gitarren, swingen zu Merseysound-Hopsern und tragen zuweilen eine gänzlich unspirituelle Partylaune zur Schau - denn wenn die Welt ohnehin nichts zu bieten hat, an dem man sich festhalten kann, wird man ja wohl ab und zu die Sau rauslassen dürfen. Nörgeln kann man auch am nächsten Tag noch, wenn es nach dem dröhnend groovenden "Modern blues" geht: "Somebody spare me this twisted philosophy / I’m searching for a meaning in a world of mediocrity / Can’t believe the preachers, can’t find no teachers / I think I’m gonna stay in bed." Zumal man dort auch eine Menge Spaß haben kann, wie deutschsprachige Softporno-Samples in "Barbara Ella" belegen, das außerdem Hall und Twang nach Morricone-Vorbild bemüht.

Das dynamisch herumtollende "All dressed up (and ready for love)" würde auch unverbesserlichen Traditionalisten wie The Coral oder den Bishops gut zu Gesicht stehen, während "When a brave needs a maid" die Harmonien von "Child in time" nachbaut und "Winter‘s call" am Ende mit mächtiger Kirchenorgel voller Zorn die Götterdämmerung heraufbeschwört. Da Kula Shaker jedoch gleichermaßen bei den Beatles, Hippie-Psych und rüpeligem britischem Rave-Rock zu Hause sind, dürfte für mildernde Umstände vor dem Jüngsten Gericht gesorgt sein. Trotz gelegentlicher Nichtigkeiten und halbgarer Songskizzen wie "Cavalry" oder "To wait till I come". Und so ist "Pilgrim’s progress" mindestens eine erbauliche Reise zur seligen Halbwertzeit.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Peter Pan RIP
  • Modern blues
  • All dressed up (and ready to fall in love)
  • Figure it out

Tracklist

  1. Peter Pan RIP
  2. Ophelia
  3. Modern blues
  4. Only love
  5. All dressed up (and ready to fall in love)
  6. Cavalry
  7. Ruby
  8. Figure it out
  9. Barbara Ella
  10. When a brave needs a maid
  11. To wait till I come
  12. Winter's call

Gesamtspielzeit: 41:50 min.

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