Element Of Crime - Romantik
Motor / Universal
VÖ: 19.11.2001
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Deine Stimme zählt
Liebling Kreuzberg
Durch die fast leeren Straßen fegt ein leichter Wind, wirbelt braunes Laub auf und rüttelt an den dürren Ästen. Du stehst am Fenster und siehst auf die Straße hinaus, wo vertrocknete Blätter durch die Luft tanzen. Im Hintergrund läuft die Stereoanlage. Auf dem Asphalt unter Dir bleibt ein Mann stehen. Es ist Sven Regener, Sänger und Texter von Element Of Crime. Bewaffnet mit Mantel und Trompete schaut er zu Dir hoch, winkt und deutet an, daß Du ihm folgen sollst. Du weißt zwar nicht, wo es hingehen soll, findest dich aber schon an seiner Seite wieder. "Ich weiß auch noch nicht, wohin wir gehen / Ich bin schon froh, daß es noch Wege gibt", knarzt er rauh. Aber da ist eine Hoffnung, die ihn antreibt. Die Hoffnung auf das Glück zu zweit, auf die große Liebe. Verloren hat er sie schon oft, und so quält er sich mit Erinnerungen, sucht das Glück in jedem Song, und das seit vielen Jahren und vielen Alben.
Wir laufen am Fluß entlang und Regener erzählt. Die Worte sprudeln aus seinem Mund, spiegeln sich im Flußwasser wieder und fließen, von Gitarren, Streichern und Bläsern samtweich eingerahmt, direkt ins Herz. Es hört sich schön an, wenn er spricht, und Dir fällt auf, daß Du Dich diesem Mann irgendwie verbunden fühlst. Dir kommt es so vor, als würden seine Geschichten plötzlich lebendig werden. Narzissen und Kakteen, Monumente einer vergangenen Liebesbesziehung, erscheinen rechts und links der Straße. "Bei mir geht überhaupt nichts mehr / Weil sich alles um dich dreht / Seit der Himmel jeden Morgen Deine Augenfarbe trägt", hat er ihr damals gesagt. Wie ein Engel weht die Erinnerung an sie an uns vorbei. Verzweifelt ruft er ihr hinterher: "Warte auf mich / Draußen ist es zu dunkel für einen allein!" Doch sie ist schon fort.
In der Kneipe versucht Regener, seinen Schmerz wegzuspülen. "Alle vier Minuten kommt die U-Bahn hier vorbei / Und alle dreieinhalb Minuten kommt ein neues Bier", grinst er schief. Er ist wohl der einzige deutsche Sänger, der über den "Verfall der guten Sitten im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs" singen kann, ohne daß es peinlich klingt. Nach wie vor verweigert sich seine Band bei der lakonischen Vertonung von Regeners Geschichten einer erkennbaren Weiterentwicklung. Stattdessen erinnert das neue Material vehement an frühere Alben wie "Damals hinterm Mond" oder "Weißes Papier". Aber warum sollte man sich verändern wollen, wenn man ja doch nur verharrt? "Ich habe lange auf dich gewartet / Gelohnt hat es sich nicht", seufzt Regener verbittert.
Also geht es wieder auf die Straße. Dicke Tropfen prasseln herab und zerplatzen auf dem Boden wie "Illusionen, die im Garten blühen". Unser Weg führt zum Hafen und wir beobachten die Schiffe, die an- und ablegen. Schwermut befällt Regener. "Wann kommt der Wind, der uns weitertreibt / Irgendwohin, wo keine Erinnerung bleibt / An jene Zeit, die uns glücklich sah", fragt er klagend. Verloren schaut er in den Sternenhimmel, als würde er auf einen Engel warten, der herunterschwebt und ihm Flügel schenkt. "Meine Seele ist irgendwie hängengeblieben / Mein Körper ist alt und verwohnt", schluchzt Regener. Aber da ist er plötzlich, der Wind! Eine kräftige Bö erfaßt dich, trägt dich fort, immer weiter. Sven Regener und der Hafen sind schon lange verschwunden, da setzt dich der Wind ab. In Deinem Zimmer. Draußen vor dem Fenster wirbeln immer noch die Blätter. Du drückst die Repeat-Taste, damit sich die neue CD von Element Of Crime weiterdreht. Das ist "Romantik". Zum Heulen schön.
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Highlights
- Die Hoffnung die Du bringst
- Narzissen und Kakteen
- Gelohnt hat es sich nicht
- Wann kommt der Wind
Tracklist
- Die Hoffnung die Du bringst
- Narzissen und Kakteen
- Seit der Himmel
- Warte auf mich
- Alle vier Minuten
- Fallende Blätter
- Bring den Vorschlaghammer mit
- Gelohnt hat es sich nicht
- Es regnet
- Wann kommt der Wind
Gesamtspielzeit: 44:00 min.
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Referenzen
Hildegard Knef; JaKönigJa; Fink; Flowerpornoes; Tom Liwa; Blumfeld; Bernd Begemann; Tilman Rossmy; Niels Frevert; Jansen; Geschmeido; Kante; John Cale; Leonard Cohen; Walker Brothers; Charles Aznavour; Yves Montand; Jacques Brel; The Great Bertholinis; The Walkabouts; The Triffids; Tindersticks
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