Archivsuche

Listen

Suche bei Amazon

Partnerangebote

eXTReMe Tracker

The Magnetic Fields - Realism

The Magnetic Fields - Realism

Nonesuch / Warner
VÖ: 29.01.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Ein Männlein steht auf Halde

Stephin Merritt hat so gut wie nichts mehr zu geben. Über die Liebe und all ihre Auswüchse hat er auf "69 love songs" längst alles gesagt, was ein empfindsames Wesen so zu sagen hat. Dem Buchstagen "i" hat er ein ganzes Album gewidmet, und für die Orgie "Distortion" sogar den Noise-Pop auf krude Weise neu erfunden. Merritt ist ein konsequenter Konzeptionist, der sich mindestens ehrenhalber auch für "Realism" wieder einiges einfallen lassen hat. Das Konzept selbst ist zwar schon so alt wie die Popmusik und die Fährte schon vor zwei Jahren ausgelegt worden, doch trotzdem geht diese Planwirtschaft auf.

"Realism" ist der Zwilling von "Distortion", dem Album mit dem Krach. Stand das Männlein dort noch im pinken Nebel, umhüllt vom süßlichen Gitarrenlärm Marke The Jesus & Mary Chain bis Spacemen 3, ist es jetzt die entsprechende Dame im Ockerton, perfekt geschminkt für die Songs in der Tradition von Simon And Garfunkel, The Mamas And The Papas und den Beach Boys. Es ist der vielleicht größtmögliche Kontrast, den die Popmusik zu bieten hat. Als Fan von The Magnetic Fields muss man eben einiges aushalten und für jeden Spaß zu haben sein. Auf "Realism" ist der übrigens wieder besonders groß.

Sei es das drogige Kinderlied "The doll's tea party", das sich zwischen Nico und den frisch gegründeten Pink Floyd einnistet, oder "Always already gone", das die Byrds in die Gegenwart beamt: "Realism" ist eine Reise in die süßlichen Tiefen der jungfräulichen Gitarrenmusik. Merritt verlegt sich auf Folk, zitiert Traditionals und bricht lange Lanzen für den Sturmtrupp der Sechziger. Da darf die Analyse des klassischen McCartney in "Seduced and abandoned" auch gerne augenzwinkernd ausfallen und "The dada polka" das einstige Hippie-Tribunal durch den Kakao ziehen: Es klingt immerhin ernst gemeint.

Dass der Albumtitel hier mindestens so gut funktioniert wie seinerzeit "Distortion", beweist das Talent des Konzeptkünstlers Merritt. Er findet die Oberbegriffe, die all die feinen Ausläufer seiner Platten unzertrennlich miteinander verschweißt. Einen besseren Begriff als "Realism" hätte er hier nur schwerlich finden können. Denn am Album für Haustiere ist er hier musikalisch und konzeptionell dann doch mehr als knapp gescheitert. Doch zuzutrauen ist ihm da bestimmt noch einiges.

(Christian Preußer)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • We are having a hootenanny
  • I don't know what to say
  • Always already gone

Tracklist

  1. You must be out of your mind
  2. Interlude
  3. We are having a hootenanny
  4. I don't know what to say
  5. The doll's tea party
  6. Eyerything is one big christmas tree
  7. Walk a lonely road
  8. Always already gone
  9. Seduced and abandoned
  10. Better things
  11. Painted flower
  12. The dada polka
  13. From a sinking boat

Gesamtspielzeit: 50:08 min.

Anzeige

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum