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Alice 2 - Brave new world

Alice 2- Brave new world

Supersonic / GUN / BMG
VÖ: 22.10.2001

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Deine Stimme zählt

Goth is just a four letter word

Alice 2 sind böse. So böse wie Bubblegum nur sein kann. Den grimmigen Blick haben sie schon als Mitglieder von Secret Discovery geübt, mit denen sie einst dank ihrer Version von Grace Jones' "Slave to the rhythm" für einen klitzekleinen Hauch von Aufmerksamkeit in der Schwarzkittelgemeinde sorgen konnten. Nach deren Beerdigung war es drei der Bochumer Goth-Rocker irgendwann nach etwas mehr Licht in ihrer Musik. Auf ihrem Debüt "Brave new world" flackert denn also eine Taschenlampe im Takt von Bratgitarre und Kirmessynthie. "No shadow without light / Never black without white" stellen sie bedeutungsschwanger in "Don't rush" fest. Warum sie dann aber ausgerechnet "Black hole sun" von Soundgarden so entsetzlich verstümmeln und einen eiernden Disco-Stampfer daraus machen, werden sie wohl mit ins Grab nehmen.

Überhaupt ist die muntere Beschallung etwa sechs Fuß tiefer gelegener Wohnungen hörbares Anliegen der Düsterpopper. Auch in der Gruft soll man schließlich fröhlich mitpfeifen und herumwippen können. Allerdings empfiehlt es sich, schon einige Zeit tot zu sein, um "Brave new world" genießen zu können, denn die meisten Songs sind ungefähr so taufrisch wie die fleißig darin recycleten Leichenteile. Alice 2 bedienen sich nämlich großzügig bei der versammelten Mannschaft der Synthpop-Zombies. Bevor der Friedhofswärter zurückkommt, wird noch flugs bei New Order das eine und bei Depeche Mode das andere Riff entwendet. Dazu gehört selbstverständlich noch das Pathos von Grabrednern wie Ville Valo und Marc Almond, bis das Ganze schließlich statt mit Weihrauch mit einem hübschen Umz-Umz überschüttet wird, über das sich selbst Dieter Bohlen ins Fäustchen gelacht hätte.

Ähnlich wie Bohlens Faust bei Modern Talking das Gitarrenspiel ersetzt, gehen auf "Brave new world" Einfältigkeiten wie "Hey" oder "Run" als Songwriting durch. Oder probieren es zumindest, denn der Griff in die große Kiste mit den Standardmelodien verhungert am ausgestreckten Arm. Bei Stücken wie "In my life" versuchen sie es dann mit überbordendem Kitsch, aber selbst Wolfsheims Peter Heppner kann nichts mehr retten. Dafür belästigen Alice 2 die Hörerschaft mit Sinnhaftigkeiten wie "You're the star of my show / And I tell you where to go" ("Star") oder "Everything belongs to me right now / And when the time ist right / A change will come somehow" ("My ocean"). Das "Shalala" aus "Garden of life" gehört da noch zu den aussagekräftigsten der mit penetrant teutonischem Akzent vorgetragenen Zeilen. Wenigstens optisch besteht wenig Grund zur Klage. Die Herren Hoffmann, Hoffmann und Riegener tragen ihrer musikalischen Leistung angemessen zum einen Schwarz und zum anderen die obligatorischen Sonnenbrillen. Gegen ihre Musik jedoch helfen keine dunklen Gläser. Wir empfehlen Wachs. Für beide Ohren.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Garden of life

Tracklist

  1. Garden of life
  2. It's a crime
  3. Hey
  4. Small
  5. Star
  6. In my life
  7. Vampyre
  8. Black hole sun
  9. My ocean
  10. Don't rush
  11. She's the one
  12. Run
  13. She cries the rain

Gesamtspielzeit: 52:51 min.