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Tori Amos - Midwinter graces

Tori Amos - Midwinter graces

Universal Republic / Universal
VÖ: 27.11.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Das Familienalbum

Ach ja, Weihnachtslieder mit bekannten Musikgrößen. Meistens schwanken solche Alben ja zwischen bizarr und kitschig. Oder sie sind wahlweise einfach nur furchtbar - Tausende per Faustschlag zertrümmerte Radios sind seit "Last christmas" stumme Zeugen davon. "Bizarr" trifft auf Tori Amos schon einmal unwidersprochen zu, "kitschig" darf nach den nicht eben unprätentiösen letzten Alben zumindest befürchtet werden. Allein: "Midwinter graces" ist nach eigener Aussage kein Weihnachts-, sondern ein Jahreszeitenalbum. Huch?

Zumindest ist es schon einmal rein optisch ein Tori-Amos-Album. Das beginnt mit ihr als huldvoll herabschwebendem Wesen auf dem Cover, nimmt seinen Weg über die Pose, in der gemeinhin segnende Christus-Statuen dargestellt werden (ein bisschen Subversion muss sein), und endet mit einem gefiederten Jüngling, der optisch wie ein jüngerer Bruder von Brüno daherkommt, in Wahrheit aber Amos' modelnder Neffe ist. Ups.

Doch alle Lästerei ist schlagartig beendet, wenn die ersten Töne von "What child, Nowell" durch die Boxen perlen. Ja, richtig, perlen. Denn Amos nimmt bekannte Weihnachtslieder, verpasst ihnen neue Texte und strippt rücksichtslos jedweden instrumentalen Ballast ab. Und plötzlich ist sie wieder da, die alte Ergriffenheit beim Zuhören, die auf den letzten regulären Alben so vermisst wurde. Hier ist nichts mehr kitschig, nichts mehr schwurbelig-salbadernd, nur eine Musikerin, ein Piano und spärliche Begleitung.

Was Tori Amos beispielsweise aus "Holly, ivy and rose" macht, hierzulande besser bekannt als "Es ist ein Ros' entsprungen", ist schlicht überragend. Trotz der zu dieser Jahreszeit wohl doch unvermeidlichen Glöckchen. Und nicht zuletzt wegen der erfreulich unpeinlichen gesanglichen Unterstützung durch Töchterchen Natashya. So rotzfrech wie gelungen hingegen ist die Brass-Nummer "Pink and glitter", die den Hörer umgehend in die 40er Jahre zurückbeamt. Welch ein Jammer ist es da, dass ausgerechnet "Silent night" und "Comfort and joy", bei denen wie in der guten alten Zeit der Bösendorfer-Flügel als Begleitung ausreicht, nur in der Special Edition zu finden sind.

Dennoch: "Midwinter graces" ist mehr als eine Sammlung umarrangierter Weihnachtslieder. Es ist im Grunde genommen auch mehr als das so beworbene Winter-Album. Vielmehr ist dies eine Tori-Amos-Platte, wie sie angesichts der letzten enttäuschenden Studioalben lange vermisst wurde. Schade, dass es eben Weihnachtslieder sind und kaum jemand auf die Idee kommen wird, die zwischen Januar und November zu hören. Wie "Midwinter graces" sollten auch ihre Studioalben wieder sein. Entrückt. Berührend. Und wie geschaffen für Kaminfeuer und Kerzenlicht.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • What child, Nowell
  • Holly, ivy and rose
  • Pink and glitter

Tracklist

  1. What child, Nowell
  2. Star of wonder
  3. A silent night with you
  4. Candle: Coventry carol
  5. Holly, ivy and rose
  6. Harps of gold
  7. Snow angel
  8. Jeanette, Isabella
  9. Pink and glitter
  10. Emmanuel
  11. Winter's carol
  12. Our new year

Gesamtspielzeit: 47:56 min.

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