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Girls - Album

Girls - Album

Fantasytrashcan / Turnstile / PIAS / Rough Trade
VÖ: 13.11.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Rezension

Schön, diese Internet-Phänomene alle paar Jahre. Irgendwer hört von dieser neuen Band / der tollen Sängerin / dem coolen Sänger, und das Debütalbum soll nächsten Monat erscheinen, wow. Was für eine Musikrichtung? Keine Ahnung. Aber wusstest Du schon, dass seine Eltern Igelzüchter aus Tadschikistan waren, die ihn im Alter von 14 Jahren verlassen haben? Nein? Ach, und diese Band, das sind alles Geschwister, aber alle haben einen anderen Vater. Wahnsinn, nicht? Ich habe bis heute noch nicht das erste Album von 50 Cent gehört, aber verdammt, der wurde neun Mal angeschossen! Ja, so ähnlich verhält es sich auch mit Girls und deren Debüt "Album", das dieser Tage erscheint. Kaum ein Artikel, der nicht damit beginnt, dass Sänger Christopher Owens in einer Sekte aufwuchs, die seine Mutter zur zeitweiligen Prostitution und ihn zur Flucht im Teenageralter zwang. Es ist schon interessant, was sich manchmal hinter der Musik verbirgt. In diesem Fall ist der eigentliche Inhalt aber noch spannender.

Man könnte ja meinen, dass solche Geschichten von irgendwelchen PR-Beratern durch die Medienlandschaft gestreut werden, um ein nicht ganz so gutes Album trotzdem ins Gespräch zu bringen. "Album" ist nicht ein nicht ganz so gutes Album, im Gegenteil, es ist großartig und jegliche Lobhudelei der Kritiker schlicht gerechtfertigt. Girls, das sind neben Owens noch drei weitere Mitstreiter, schaffen den Spagat zwischen Rock und Pop und klingen Minute um Minute mehr nach den alten Sachen der Beach Boys. Das könnte an all den lustigen Pillen liegen, die sie eigenen Aussagen zufolge geschluckt haben, während das Album entstand, es könnte aber auch - und so schließt sich der Kreis - an den besonderen persönlichen Umständen liegen, unter denen die Songs entstanden.

So ist "Lust for life" genau das, was der Titel verspricht, ohne Iggy Pop und "Trainspotting" zu nahe treten zu wollen. "I'm just crazy / I'm fucked in the head", quirlt sich Owens da munter einen von den Stimmbändern, und noch bevor man denkt, hier stünde eine Shiny-happy-people-Platte am Anfang, legt er nach: "I wish I had a father / Maybe then I would have turned out right." "God damned" setzt den Rockabilly-Schalter dann ein ganzes Stück zurück, und zu akustischen Gitarren und einem großen Equipment verschiedener Perkussionsinstrumente singt und quatscht sich Owens Ton um Ton, schnalzt mit den Lippen und rennt der besungenen Person in lyrischer Form hinterher. Der Siebenminüter "Hellhole ratrace", zugleich auch die erste Single, erlaubt dann einen weiteren Einblick darauf, wie kaputt der Sänger innerlich wirklich sein muss - und wie er selbst die Schnauze voll davon hat. "I'm sick and tired of the way that I feel / I'm sick of dreaming and it's never for real." Na, so kann ein Song auch beginnen, und während im weiteren Verlauf die E-Gitarren im Hintergrund zu zerren beginnen, kommt man nicht umhin, an Dennis Wilson zu denken; jenen Beach Boy, der ebenso zerbrochen war und den ein solches Lied vielleicht vor schlimmeren Dingen bewahrt hätte.

Aber man muss auch ehrlich zugeben, dass auch ein Sektenaussteiger mehr als nur diese extraordinären Probleme hat, mit denen sich kaum ein Mensch wirklich identifizieren kann. Und so kommt der Umkehrschluss, dass viele der Songs von Girls sich nun eben um Girls drehen. "Laura" und "Lauren Marie" sind zumindest keine Synonyme für geschlechtsneutralisierende Medikamente, und wie man hören durfte, sind viele der Songs ohnehin nach einer schlimmen Trennung entstanden. Doch keine Panik: Der bisher aufgekeimte Respekt wird nicht niedergetrampelt wegen eines Kitschstücks für irgendein dahergelaufenes Mädchen, nein. Während sich "Lauren Marie" düster über den Hörer legt und gemeinhin nicht die erbaulichsten Assoziationen hervoruft, ist "Laura" dagegen der poppige vertonte beste Freund, der sich nur das beste für die Angesprochene wünscht. Auch zum Schluss wird es mit "Darling" recht versöhnlich, mitunter auch, weil hier der Song selbst zum besten Freund für Owens wird, der ihm sprichwörtlich den Arsch gerettet hat. Mit "Album" haben Girls das erste Kapitel ihrer ganz eigenen Geschichte geschrieben, und die ist ganz ohne Sekten und tadschikische Igelzüchter schon jetzt auf dem Weg zum Klassiker.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Lust for life
  • Laura
  • Hellhole ratrace
  • Darling

Tracklist

  1. Lust for life
  2. Laura
  3. Ghost mouth
  4. God damned
  5. Big bad mean motherfucker
  6. Hellhole ratrace
  7. Headache
  8. Summertime
  9. Lauren Marie
  10. Morning light
  11. Curls
  12. Darling

Gesamtspielzeit: 44:17 min.

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