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Gary Go - Gary Go

Gary Go - Gary Go

Polydor / Universal
VÖ: 06.11.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Deine Stimme zählt

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So viel Selbstironie hätte man Take That gar nicht zugetraut: Die Herren haben doch tatsächlich einen Typen namens Gary Go die Shows ihrer letzten Stadiontour eröffnen lassen. Gary Barlow wird's nicht weiter gestört haben - schließlich gehört sein Unternehmen zu den Marktführern im Bereich epischer Hochglanz-Pop. Und mit "The circus", dem am schnellsten verkauften UK-Nummer-1-Album des Jahres 2008, im Rücken, hält man doch gerne generös den brennenden Reif für einen ambitionierten Jungspund. Im Londoner Stadtteil Wembley aufgewachsen, wehte schon früh die Musik der ganz Großen direkt vom Stadion in sein Kinderzimmer. Aber ein Fenster zu kippen ist natürlich wesentlich leichter, als einen Fuß in die richtige Tür zu kriegen - das merkte Gary "Go" Baker spätestens, als er nach diversen Jobs in diversen Tonstudios in Peter Gabriels Real-World-Imperium anklopfte und fragte, ob man dort eventuell seine Dienste gebrauchen könne. Mr. Sledgehammer gab ihm jedoch ganz unverblümt einen Korb und den Rat, sich mal lieber um seine eigene Musik zu kümmern.

So viel Selbstbewusstsein hätte man dem auf den ersten Blick eher schüchtern wirkenden Engländer gar nicht zugetraut: Er wertete Gabriels Absage nicht als Niederlage, sondern als freundliches Kompliment. Baker, Jahrgang 1985, ist aber auch schon fast ein alter Hase im Musikbusiness und weiß durchaus, wie selbiger läuft. Inspiriert von einem älteren Cousin, der nicht nur ein kleines eigenes Studio besaß, sondern auch einen Plattenvertrag hatte, begann er bereits als Achtjähriger, Songs zu schreiben. Und brauchte damals wie heute nicht mehr als ein handliches Keyboard, um sich Refrains in Übergröße auszudenken. Die elf Stücke seines Debüts - allesamt von ihm höchstpersönlich komponiert, betextet und produziert - bieten clever kalkuliertes Popmusik-Produktdesign für alle, denen U2 und Coldplay zu anspruchsvoll sind und zu viele Ecken und Kanten haben. Es sind sogar mehr echte Instrumente beteiligt, als man zunächst vermuten würde. Richtig authentisch geht dann aber doch ein bisschen anders.

Trotzdem schaffte Gary Go es innerhalb kürzester Zeit in die Herzen - na gut, nur in "Männerherzen", den neuen Film mit Til Schweiger. Die Motivations-Hymne "Wonderful" macht sich nun also in deutschen Kinosälen breit, ist aber im Grunde, wie auch "Open arms" oder "Engines", für nichts anderes als die Beschallung von Stadien oder zumindest gigantischen Shopping-Zentren konzipiert. Alles kauft man Baker deswegen aber noch lange nicht ab - weder die brachialen Gitarren in "Refuse to lose", noch die pseudo-emotionale Lyrik in "Heart and soul". Aber ansonsten muss er sich in der Disziplin Songwriting vor dem anderen Gary keineswegs verstecken. "So so" ist mindestens so netter Pop wie "Greatest day" von Take That, Baker hat ganz klar die bessere Stimme und mit der herrlich schwelgerischen, streicherumschmeichelten Piano-Ballade "Brooklyn" sogar einen echten Trumpf in der Hand. Nur eines sollten beide in Zukunft: bei Produktion und Arrangement etwas weniger dick auftragen, den Songs zuliebe. So viel Selbsterkenntnis würde man ihnen jedenfalls wünschen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Open arms
  • Brooklyn

Tracklist

  1. Open arms
  2. So so
  3. Engines
  4. Wonderful
  5. Life gets in the way
  6. Brooklyn
  7. Refuse to lose
  8. Honest
  9. Heart and soul
  10. Speak
  11. Black and white days

Gesamtspielzeit: 47:06 min.