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Dan Deacon - Bromst

Dan Deacon - Bromst

Carpark / Cargo
VÖ: 02.05.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Generation Mario Golf

Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger, als Thatcher, Kohl und Bush I noch im Amt und die Leute auch sonst sehr cool waren, hat Erziehung ja so funktioniert: Zum achten Geburtstag gab es eine NES-Konsole, dann wurde der Schlüssel zum Kinderzimmer weggeschmissen, und zehn Jahre später war die Pubertät auch schon wieder vorbei. Keine Ahnung, ob das dann wirklich gesund war, aber immerhin hat man damals noch keine Mayonnaise mit Speckstückchen drin gegessen, und für Dan Deacon hat es auch ganz gut hingehauen. Dieser Endzwanziger aus Baltimore, Maryland hätte ein Vermögen machen können als Hauskomponist bei Nintendo oder Sega - stattdessen aber schreibt er Platten, die nahelegen, wie klassische Musik mit Super-Mario-, Donkey-Kong- und Zelda-Sozialisation klingen könnte.

"Bromst" ist Deacons zweites richtiges Album, und es offenbart eine schuldlose Unentschlossenheit zwischen Irrwitz und Ernsthaftigkeit, die es momentan in vergleichbarer Form sonst nur bei den durchaus soundverwandten Animal Collective gibt. Natürlich sind hier Schlumpf- und Chipmunk-Chöre dabei, und selbstverständlich basiert das alles auf endlos wiederholten Loops und Mini-Variationen, aber jeder Track ist ein Song, eine Hymne sogar, und jede Sekunde schwitzt die gleiche Aufrichtigkeit wie Deacons frühe Liveshows, bei denen er seinen Kram mitten im Publikum aufbaute und zwischen Effektgeräten und Soundmaschinen herumhüpfte wie das dickliche Rumpelstilzchen mit unvergleichlicher Nerd-Brille, das er nun mal ist. Mittlerweile beschäftigt Deacon übrigens ein 14-köpfiges Orchester - und ist sowieso derjenige, der zuletzt lacht.

Leicht zu überhören zwischen ADHD-Elektronik, überdrehten Singalongs und äußert gewitzten Drum-Patterns: Deacon hat das alles sogar studiert, Klassik und Avantgarde, und auch wenn das allein natürlich noch gar nichts heißt, stellt sich auf "Bromst" schnell heraus, wie genau er weiß, was er da tut, wie sehr diese Musik auch komponiert und nicht bloß ersponnen ist. Den unendlichen Gedulds-Buildup von "Build voice" löst man sicher nicht zufällig in solch allumfassender Befriedigung auf, das Techno-Treiben in der Mitte von "Snookered" würde sich ohne kluge Vermittlung niemals mit der Glockenspielseligkeit und den computertechnisch beschleunigten Harmoniegesängen drum herum vertragen, und das ausladende Klaviersolo von "Slow with horns/Run for your life" bringt eine Kunstfertigkeit in den ganzen Zirkus, die man sonst nur in den Royal Albert Halls dieser Welt zu hören kriegt. Gute Comedians wissen das - ihr Job ist eine sehr ernste Sache.

So hat Deacon dann auch kein Problem mit seiner emotionalen Seite und geht einem auf "Bromst" genauso sehr ans Herz wie an die Nervenenden. Keine Geste ist hier Pose, nicht mal, wenn Deacon aus echter Wehmut heraus "Been wrong so many times before / But never quite like this" bekennt und dazu ohne Wimpernzucken die Endgegner-Musik irgendeines obskuren Jump-and-Runs abfackelt. Elektronische Musik wird bei ihm zum Abenteuerspielplatz, ohne jemals aus seinem Schlafzimmer rauszukommen - wenn Brian Wilsons "Smile" also die definitive Teenage Symphony to God war, ist das hier von nun an die offizielle Hosentaschen-Sinfonie der Generation Mario Golf.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Build voice
  • Paddling ghost
  • Snookered
  • Slow with horns/Run for your life

Tracklist

  1. Build voice
  2. Red F
  3. Paddling ghost
  4. Snookered
  5. Of the mountains
  6. Surprise Stefani
  7. Wet wings
  8. Woof woof
  9. Slow with horns/Run for your life
  10. Baltihorse
  11. Get older

Gesamtspielzeit: 64:20 min.

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