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The Felice Brothers - Yonder is the clock

The Felice Brothers - Yonder is the clock

Team Love / Indigo
VÖ: 17.04.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Deine Stimme zählt

Schusswechsel im Hühnerstall

The Felice Brothers, das sind die Catskill Boys aus dem New Yorker Hinterland. The Felice Brothers, das sind Rage, Aufruhr, Protest verpackt in traditionelle, traditionsbewusste, amerikanische Klänge und die immerwährende Hoffnung auf den American Dream. The Felice Brothers, das sind die Anti-Ludolfs. The Felice Brothers, das ist Musik, als hätte es Bob Dylan, Willie Nelson und Bruce Springsteen nie gegeben oder als wären sie lediglich Randnotizen der amerikanischen Folk-, Gypsy-, Blues- und Countrygeschichte. Sie wuchsen unweit von Woodstock am Hudson River auf, was man merkt. Man könnte meinen, hier habe man es mit der Reinkarnation von Woodstock zu tun, abzüglich des ganzen Staubes und Schlammes und mit zurückgefahrener Hippieattitüde. Sei's drum: The Felice Brothers und der Begriff Rootsmusik sind beliebig substituierbar.

Das vierte Album "Yonder is the clock" knüpft unmittelbar an den schon sehr guten Vorgänger "The Felice Brothers" an. Hier offenbaren sich jedoch mehr Spiel, Spaß und Spannung. Und Stringenz. Bedächtige, harmonische Stücke wechseln sich mit rasanten Uptemponummern ab. Das Schwungvolle behält dabei meist die Oberhand. Und wie schon zu Dylans Glanzzeiten, das heißt nahezu immer seit Beginn der 1960er Jahre, genügen oftmals Gitarre, Mundharmonika und Handclaps für einen guten Song. Und doppelter Gesang. So wie das halt ist, wenn sich Brüder im Wettsingen gegenseitig überbieten wollen - etwa im emporschießenden, rauen "Penn station", das im wahnwitzigen Tempo überschlagend die Schallmauer knackt, nur damit das folgende "Buried in ice" wieder mit viel Melancholie und langsamen Rhythmen Gräber schaufeln kann.

Thematisch hat sich ebenfalls nicht allzu viel verändert im Vergleich zum Vorgänger: Das "Wheel of fortune", der "Cotton Eye Joe" und weitere Gestalten treiben ihr (Un)Wesen auf "Yonder is the clock", so ähnlich wie es etwa bei Tom Waits der Fall ist. Im "Sailor song" kommen die Felice Brothers dem Großmeister Waits am nächsten. In einer düsteren, pianotrunkenen Atmosphäre offenbart sich das amerikanische Leben der verruchten und verrauchten Hinterhöfe als Paralleluniversum zum gläsernen Großstadtpalast. Das gleiche gilt für die Hühnchenlastigkeit des Albums. Es wurde in einem verlassenen Hühnerstall aufgenommen, und gleich zwei Songs tragen das Wort "chicken" im Titel. Als besonders beeindruckend und als offensichtlicher Hit kristallisiert sich die Vorabsingle "Run chicken run" heraus, in der sogar über das Leben des Federviehs nach dem Tod philosophiert wird. Moorhuhnjagd galore!

Jürgen Klinsmann verlautbarte beim Antritt seines Jobs beim FC Bayern München, dass er jeden Spieler etwas besser machen wolle. Das ist misslungen. Die Felice Brothers hingegen hätten nach dem selbstbetitelten Vorgänger verkünden können, dass sie jeden einzelnen Song ein wenig besser gestalten wollen. Denn genau das ist ihnen gelungen, gerade wenn zum Abschluss das stonige Honky-Tonk-Stück "Memphis flu" und das akustische Akkordeonopus "Cooperstown" den Hörer beglücken. Bob Dylan? Nie gehört!

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Penn station
  • Sailor song
  • Run chicken run
  • Cooperstown

Tracklist

  1. The big surprise
  2. Penn station
  3. Buried in ice
  4. Chicken wire
  5. Ambulance man
  6. Sailor song
  7. Katie dear
  8. Run chicken run
  9. All when we were young
  10. Boy from Lawrence County
  11. Memphis flu
  12. Rise and shine

Gesamtspielzeit: 54:40 min.

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