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Gang Gang Dance - Saint Dymphna

Gang Gang Dance - Saint Dymphna

Warp / Rough Trade
VÖ: 24.10.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

Weit gereist

Man kennt das ja von seiner eigenen Band, die mit Afrobeat, Reggaeton, Tribaldrums, glitschiger Elektronik und irgendwas, wozu sie bei al-Qaida tanzen, experimentiert: Kaum geht mal einer auf die Straße, wird er auch schon abgeknallt. Im Fall von Gang-Gang-Dance-Mitglied Tim Dewit hatte das im Juli immerhin nichts mit Terrorismus oder Verdacht auf selbigen zu tun - er wollte sich nur einen Drink genehmigen und konnte ja nicht wissen, dass die Bar, in der er saß, eigentlich gerade ausgeraubt werden sollte. Weil der Angeschossene aber wohlauf ist und die Medizin schon wieder so gut wirkt, lässt sich das Ganze natürlich trotzdem als dezentes Räuspern des Schicksals verstehen: Vor 250 Jahren wäre eine Band wie Gang Gang Dance schließlich noch samt ihrer Musik auf dem Scheiterhaufen gelandet.

Bevor da noch jemand nostalgisch wird: Die heilige Dymphna, die auf dem vierten Album der New Yorker angebetet wird, war ein vorbildliches Christenmädchen im siebten Jahrhundert, das von seinem eigenen Vater geköpft wurde, weil es ihn nicht heiraten wollte - und wenn Gang Gang Dance wegen irgendwas die Messer wetzen, dann sind das höchstens angerostete und eingewachsene Rockverständnisse, die einem hier bei vollem Bewusstsein aus dem Kopf operiert werden. "Saint Dymphna" ist da ausgesprochen flexibel: Die Platte führt an einem pragmatisch benannten "House jam" vorbei und arbeitet sich durch präzise zusammenklamüserte Instrumentals. Wenn nichts mehr hilft, kann sie einem aber auch einfach die Hitkeule überziehen.

"First communion" ist da der Übeltäter. Ein ungeheuerlich dichter Drei-Minuten-Rocksong, der sich an der fiebrigsten/penetrantesten Gitarrenfigur der jüngeren Vergangenheit aufgeilt und endgültig zum Ohrwurm wird, wenn Stammeshalterin Liz Bougatsos in angemessener Hitzigkeit durch diverse Wortfolgen und Urlaute hechelt. Schwüler geht's nun echt nicht mehr - und natürlich lässt "Saint Dymphna" in der Folgezeit keine Zweifel daran gelten, dass das Versprechen dieses Songs gar nicht erst eingelöst werden soll. Gang Gang Dance sind lieber die Band, die Bloc Party gerne wären; ihre Neugierde ist grenzenlos, ihre Percussion-Sammlung selbst für Musikmuseen interessant und auch ihre Rückendeckung zu jeder Zeit gesichert. Sobald es hier mal eine Nummer zu wild wird, retten sich Gang Gang Dance eben auf eine weniger wilde Nummer rüber.

Darin unterscheidet sich "Saint Dymphna" dann auch entscheidend von seinen Vorgängern: Was bisher in freier Wildbahn passiert ist, wird diesmal eingezäunt und überwacht abgezogen. Zwischen den Wahnsinn von "First communion" und die ebenso unkontrollierbaren Zuckungen in "Vacuum" stellen Gang Gang Dance den Chillout-Track "Blue Nile" mit persönlicher Handschrift. Und für "Inners pace" ziehen sie die Hintergrundmusik einer ganzen M.I.A.-Platte ab, nur um all das mit den Küchentischdrums von "Afoot" gleich wieder einzureißen. Wo überhaupt all diese fremdartigen Geräusche herkommen, was sie von einem wollen und wie das jemals gut ausgehen soll - handfeste Fragen, zu denen sich Gang Gang Dance wahrscheinlich schon jetzt gerade die passenden Ausweichmanöver einfallen lassen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Bebey
  • First communion
  • Inners pace
  • House jam

Tracklist

  1. Bebey
  2. First communion
  3. Blue Nile
  4. Vacuum
  5. Princes
  6. Inners pace
  7. Afoot
  8. House jam
  9. Interlude (No known home)
  10. Desert storm
  11. Dust

Gesamtspielzeit: 44:07 min.

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