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Diego - Two

Diego - Two

Noisedeluxe / Al!ve
VÖ: 14.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Warten auf Herakles

Es gibt da diese Sage von Prometheus, dem Kulturstifter der Menschen, der sich auf der Flucht vor hackenden Adlerschnäbeln immer weiter in einen Felsen hineindrückte, bis er mit dem kalten Gestein eins wurde. Diese kleine Episode der griechischen Mythologie könnte auch eine Parabel der Geschicke des Quintetts Diego sein, das sich durch Isolation, Traumata und aus reinem Selbstschutz in die schützenden Hände eines Massivs begibt, in dem sich Interpol, Editors und auch The National schon längst eine Gletscherspalte reserviert haben. Ein Massiv namens Joy Division.

Dort sollte schon bald ein unübersehbarer Wegweiser zu dem Fünfer aus Karlsruhe führen, dem es gelingt, solch suchterregende Musik zu kreieren, dass man lange und länger davon zehren kann. Wusste man nach der im letzten Jahr erschienenen, selbstbetitelten Debüt-EP schon, dass sich hier eine Band bereit stellt, von der man in Zukunft großes erwarten kann, wurde man doch in die Irre geführt. Obschon der glasklare Sound und die verschworene Atmosphäre begeisterten, war mit einem solch grandiosen, nahezu betörendem Werk wie "Two" nicht zu rechnen.

Diego, die mit beiden Füßen im Wave und im Pop, im Punk und im Drama stehen, zaubern bedingungslose Tanzbrecher, die im Sekundentakt gefangen nehmen und schütteln, schütteln, schütteln. Zarte Melancholie bricht mit sehnsuchtsvoller Hoffnung, zerreißende Melodien überfallen rücklings und Hit reiht sich nahtlos an Hit. Erinnert des Sängers Stimme auch ungemein an Ian Curtis, an Matt Berninger oder an Tom Smith, bringt er doch eine ureigene Note in seinen Bariton. Erhaben steht die Stimme über den tiefen Gräben der Songs.

Solch eine Offenbarung, wie sie die Eröffnung "September march" zelebriert, schluckt vorab alle Fragen. Kaum ist das Schlagzeug in seinem Rausch angelangt, sind die Gitarren aus ihren Ecken gekrochen und ein schwebendes Glockenspiel auszumachen, wirkt der Song auch schon wie eine Hypnose. "Free at last" kontert als kapitaler Himmelstürmer, und um das klirrendkalte "Isolation" zu verarbeiten, muss man schon mindestens eine gebeutelte Deborah Curtis sein.

Dass zum Abschluss dieser gewaltigen Platte noch ein Song namens "Me vs. music" ausgepackt wird, ist das Ergebnis eines teuflischen Pakts. "Me vs. music" - schockgefrostete Psychoanalyse, fabelhafter Abgesang auf eine Welt, in der Liebe niemals ohne Selbstaufgabe funktionieren kann. Es ist die finale Aussage von "Two", einer Platte, die im Selbstmitleid badet, sich selbst beweint und sich niemals verstanden fühlt. Einer Platte, die trotz aller Makel am Dasein niemals die Hoffnung verliert, irgendwann doch den Boden unter den Füßen auszumachen - um auf ihm, bis Herakles endlich von den Qualen erlöst, gar wunderbar schluffig dahinzutänzeln.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • September march
  • Free at last
  • Me vs. music

Tracklist

  1. September march
  2. Fan city
  3. Free at last
  4. Echoes
  5. Isolation
  6. Head down
  7. 42/43
  8. Misery loves company
  9. Heaven over Milano
  10. Dance
  11. Me vs. music

Gesamtspielzeit: 43:27 min.

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