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Ane Brun - Changing of the seasons

Ane Brun - Changing of the seasons

DetErMine / Cargo
VÖ: 04.10.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Herbstflattern

Wenn die Jahreszeiten beginnen, einander abzulösen, dann machen sie das ganz leise. So, wie ein Ausreißer, der geräuschlos die Tür hinter sich ins Schloss gleiten lässt, oder ein Heimkehrer, der unbemerkt in sein verlassenes Bett zurückschwebt. Vielleicht wird am nächsten Morgen jemand von einem seltsamen Traum berichten, in dem es um das Ausreißen oder Heimkehren ging, aber niemand wird die Fäden zusammenknüpfen und daraus eine Wahrheit flechten. Auch die ersten Symptome der Jahreszeiten sind so vage und flüchtig wie ein Traum: Der Schmetterling, der vielleicht doch nur ein Wimpernschlag war; die Luft, die plötzlich nach Winter riecht und doch von nichts anderem als den eigenen Gedanken parfümiert wird.

Ane Brun hat mit ihrem dritten Studioalbum "Changing of the seasons" - produziert von Valgeir Sigurdsson (Björk, CocoRosie, Bonnie 'Prince' Billy) - eine Dunkelkammer geschaffen, die dem Schleierhaften Konturen verleiht. Mit einer ungeheuren Präzision entwickelt sie ein Bild des Wandels, ohne ihn dabei zu entzaubern, und formuliert in dreizehn Stücken, die ausreißen und wieder heimkehren, das Unsagbare. Vorab wird Inventur gemacht: Ein Percussion-Ensemble zählt gewissenhaft Herzschläge und Pulsfrequenzen, der übernächtigte Kontrabass die verpassten Chancen und die Protagonistin etwas ganz anderes: "I counted all of the good things you are / And that list of charms / Was longer than my chain of broken hearts." Ein beinahe gespenstischer Chor wirft die Schatten der Vergangenheit in Ehrenurkundenweite, während der Refrain längst durchkreuzte Pläne von einer gemeinsamen Zukunft rhythmisch raffiniert in einem Baumhaus archiviert.

"Wir alle fallen / Diese Hand da fällt / Und sieh dir andre an / Es ist in allen" - Rainer Maria Rilke, der Mann, der sich so gut einen Reim auf den Herbst machen konnte, hätte Frau Brun spätestens beim zweiten Lied zu Füßen gelegen. Es heißt "The fall" und analysiert behutsam den Balanceverlust heimlich Entliebter. Das gefasste Klavier, die verstörte Gitarre, die trotz allem hoffnungsvollen Glockenspieltupfer und die lodernden Streicher - sie alle begleiten Ane Brun auf ihren harmonisch verschlungenen Pfaden. Mal platziert sie eine vollkommen unerwartete Modulation als Stolperstein, mal lässt sie sich schwelgend immer weiter treiben - jedoch niemals in den nächstgelegenen Hafen.

Da ist etwas unergründlich Mystisches in den Kompositionen der Norwegerin, was man vor allem der auffällig perkussiv eingesetzten Marimba anhört, die dem unglaublichen Staccato-Refrain von "The puzzle" den Takt vorgibt. Brun schreibt nicht bloß Songs. Sie fügt zusammen, was zusammengehört. Ihre Stimme, leicht tremolierend, außergewöhnlich herzenswarm und voller Hingabe, thront eindringlich über allem und bleibt dennoch unaufdringlich. Wobei man sich einem Song wie "My star", nur von einer Akustikgitarre illuminiert und von schlaftrunkenen Violinen und Bläsern bewacht, trotzdem kaum entziehen kann. Auch der engmaschige Chor von "Ten seconds", die zauberhaft marmorierte Klampfe des Titeltracks und das in schönster Nick-Drake-Melancholie gehaltene "Lullaby für grown-ups" ergreifen sofort und lassen nicht mehr los.

Als Wahl-Schwedin ist Brun natürlich gerade für die kalten und dunklen Monate bestens gerüstet. Es kann also kein Zufall sein, dass ihr musikalisch überraschendster Song "Armour" heißt und gleich sein ganzes Gefolge mitbringt: Ein hüpfendes Cabaret-Piano und ein Cello, das vergeblich versucht, den schwarz-weißen Löwen zu bändigen. Lakonisch-nostalgische Filmmusikstreicher, die bestimmt jemand aus ihrem wohlverdienten Ruhestand geholt hat, und ein Sopran, der das Szenario aus dem Hinterhalt kommentiert. "This armour's different pieces / Were delivered from different places / With their own delivery dates", singt Brun und muss nichts erklären. Wir verstehen. Unter anderem auch, dass das spartanisch instrumentierte "Gillian" eine Ode an Gillian Welch ist. Und dass Jahreszeiten sich nicht erst dann ändern, wenn Krokusse sprießen oder Blätter fallen. Es ist in allen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • The treehouse song
  • The fall
  • The puzzle
  • Changing of the seasons

Tracklist

  1. The treehouse song
  2. The fall
  3. The puzzle
  4. My star
  5. Ten seconds
  6. Changing of the seasons
  7. Lullaby for grown-ups
  8. Raise my head
  9. Armour
  10. Round table conference
  11. Gillian
  12. Don't leave
  13. Linger with pleasure

Gesamtspielzeit: 45:56 min.

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