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Alanis Morissette - Flavours of entanglement

Alanis Morissette - Flavours of entanglement

Warner
VÖ: 30.05.2008

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

Mut zum Fiasko

Kann es ein größeres Missverständnis als Alanis Morissette und das 21. Jahrhundert geben? Wäre das anders gelaufen, wenn sie nach ihrem Fake-Debüt- und Durchbruchs-Album "Jagged little pill" nicht gen Indien geflüchtet wäre, um sich dort eine unheilbare Esoterik-Klatsche einzufangen? Und was würde eigentlich die 1995er-Morissette zu ihrem 2008er-Selbst sagen, das sich längst und ohne erkennbaren Kampf in sein Schicksal als leicht verschrobene Großtante der "ehrlichen, handgemachten", beschissenen Popmusik gefügt hat? Die Antworten spielen natürlich heute keine Rolle mehr, das Haus ist längst gebaut, der Hausfrauen-Songwriter-Boom überstanden und die Welt trotz zwischenzeitlicher Gefahr nicht aus ihrer Umlaufbahn gekullert. Man kann sich also wieder über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens aufregen - zum Beispiel das sagenhaft schlechte Photoshop- und Airbrush-Cover von Morissettes je nach zählweise und Berücksichtigung ihrer Dance-Pop-Jugendsünden fünfter bis siebter Platte "Flavors of entanglement".

Ein gut trainierter Schimpanse hätte das vermutlich besser hinbekommen, aber das passt ganz gut, weil es mit der Musik ja auch nicht mehr anders ist. "Flavors of entanglement" ist ambitionierter als jede Morissette-Platte seit "Supposed former infatuation junkie". Es müht sich hörbar um Düsternis und Bedeutsamkeit, hat natürlich aber doch nicht den Atem, um auch nur einen seiner vielen Wege mit wirklicher Konsequenz zu Ende zu gehen. So penetrieren Drumcomputer und elektronische Nickligkeiten beinahe jeden Song, ohne jemals über das hinauszukommen, was man mit der vorinstallierten Software eines MacBooks selbst anstellen könnte. Morissettes Vocals wanken und wogen dazu weiterhin durch ihr ganz eigenes Koordinatensystem - und krempeln den ehemals provokanten Gesangsansatz damit endgültig zur Selbstverarsche um.

Ohnehin der einzig bleibende Eindruck von "Flavors of entanglement": Zum ersten Mal in all ihren sicherlich streitbaren Jahren klingt Morissette so billig, dass man nicht mal mehr über sie streiten will. Mit der halbherzig angebratenen Industrial-Gitarre aus dem sonst sehr ehrgeizigen Opener "Citizen of the planet" könnte man stattdessen versuchen, Trent Reznor ein Lachen abzuringen; damit Erfolg zu haben, ist immerhin wahrscheinlicher, als dass die fürchterlich laschen Liebesbeweise von "In praise of the vulnerable man" irgendjemanden anders als peinlich berühren werden. Hier würde das letzte bisschen Restspannung des schwarzmalerischen Albumauftakts verloren gehen, der zumindest im Alanis-Kontext höchst unorthodox und mutig ist - wenn das nicht schon die Vornummer "Not as we" als steife Klavierballade besorgt hätte. Was auch immer diese Platte versucht, sie kitzelt einen mit bemerkenswertem Händchen an all den falschen Stellen.

Dazu gehört natürlich auch, dass in den Lyrics wieder Sehnsüchte, Liebschaften und sonstige Innereien zu einem einzigen großen "Too much information"-Moment aufgepumpt werden. Die Schamesröte treibt man damit aber keiner halbwegs erhaltenen Nonne mehr ins Gesicht - und abgesehen davon gibt heute jedes 15-jährige Mädchen mit Webcam mehr von sich her als Morissette in ihren Geständnistexten, die sich schon für frivol halten, wenn "fuck" und "shit" mal im gleichen Satz fallen. Ob sie nun also thematische Beständigkeit demonstriert oder mit Hände ringenden Musikrenovierungen nach verloren gegangener Relevanz sucht: Was immer bleibt, ist die Hilflosigkeit von "Flavors of entanglement", auf dem die neuen Maschen genauso wenig ziehen wie die alten. Keine Ahnung deshalb, wer einem eher leid tun sollte, wenn Morissette dann nächste Woche bei Stefan Raab auf dem Sofa sitzt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • -

Tracklist

  1. Citizen of the planet
  2. Underneath
  3. Straitjacket
  4. Versions of violence
  5. Not as we
  6. In praise of the vulnerable man
  7. Moratorium
  8. Torch
  9. Giggling again for no reason
  10. Tape
  11. Incomplete

Gesamtspielzeit: min.

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