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Devotchka - A mad and faithful telling

Devotchka- A mad and faithful telling

Anti / SPV
VÖ: 14.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwölffache Staatsbürgerschaft

Normalerweise ist es nicht gut, wenn einem bei der Passkontrolle am Flughafen die Ausweise nur so aus dem Portemonnaie purzeln. Die netten Herren hinter der Panzerglasscheibe haben da in der Regel wenig Verständnis, und im Airport-Gefängnis fassen einen die Zollbetrüger auch nicht gerade mit illegal eingeführten Samthandschuhen an. Wer mehrgleisig unterwegs sein will, sollte das also ähnlich gut begründen können wie Nick Urata, der Sänger, Pianist, Trompeter, Theremin- und Bouzouki-Bediener von Devotchka aus Denver, Colorado. Er sammelt musikalische Identitäten wie andere Leute Gartenzwerge, und falls ihm deshalb irgendein Uniformträger quer kommen wollte, könnte er die Alben seiner Band gleich als Beweisstücke herzeigen.

Zu einer im Indierock gebetteten Ahnung von Polka, Klezmer, Folk, Mariachi, Tango, Flamenco und Etcetera kommen auf "A mad and faithful telling" neu hinzu: eine bebende Opernsängerin, mit der sich Urata schon im gehetzten Albumopener "Basso profundo" vom Hafer stechen lässt - und ein Stück vom Kitschhimmel, das als "Blessing in disguise" noch sehr bescheiden benannt wurde, und ab sofort auf keinem Wiener Opernball mehr fehlen darf. Auch auf der vierten Devotchka-Platte ist es also wieder ein krimineller Spaß an der Freude, mit dem sich diese Band an sich selbst und den offenen stehenden Schaufenstern der Musikgeschichte abarbeitet. Geigen ackern, die Ziehharmonika eiert und das Tuba-ähnliche Sousaphon brummt - bis Zeremonienmeister Urata seine Stimme über die Songs erhebt und das sympathisch angetrunkene Orchester zur Besinnung mahnt.

Urata ist ein strenger Bandleader: Nur selten erlaubt er Feierlichkeit, zu ernst sind ihm dafür seine Geschichten, von denen einige auch ins Tagebuch des jungen Che Guevara gepasst hätten. Während Soldaten noch um ihr Leben fürchten und Utopien formuliert werden, sind es aber doch die knappen Momente der Zügellosigkeit, in denen Devotchka ihre wertvollste Musik spielen. Die Trompete aus "Transliterator" hat in der vierten Minute einen offensichtlichen Sufjan-Stevens-Moment, und das außer Konkurrenz geführte "Strizzalo" lässt einen als 70-Sekunden-Instrumental am eigenen Urteilsvermögen zweifeln. War Opas Blasmusik von früher vielleicht doch nicht so schlimm? Hätte man die Gipsy-Kings-Platte auf dem Kaufhofwühltisch neulich mitnehmen sollen? Urata bringt einen auf solche Gedanken, und wahrscheinlich muss sogar er dann mal lachen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Along the way
  • Transliterator
  • Blessing in disguise

Tracklist

  1. Basso profundo
  2. Along the way
  3. The clockwise witness
  4. Head honcho
  5. Comrade Z
  6. Transliterator
  7. Blessing in disguise
  8. Undone
  9. Strizzalo
  10. A new world

Gesamtspielzeit: 42:08 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Kilian
03.03.2008 - 15:54 Uhr
Transliterator klingt z.T. sehr nach Sufjan Stevens, gefällt mir gut.
Deaf
03.03.2008 - 17:02 Uhr
Der Opener "Basso Profundo" ist auch misslungen. Ich erwarte nicht mehr viel von dem Album.
Menikmati
30.03.2008 - 12:56 Uhr
was soll an diesem song misslungen sein?! für mich der song der sich als erstes in meine gehörgänge gefressen hat. Witzig auch der Einsatz der Tuba.
gawain
06.04.2008 - 22:22 Uhr
finde das album inzwischen mehr als überzeugend, vor allem blessing in diguise kann ich immer und immer wieder hören, wird sich sicherlich auch noch am jahresende relativ weit oben halten.
Berni
10.04.2008 - 15:36 Uhr
Heißt nicht Mädchen oder junge Frau
auf Russisch "Devotchka"?
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