Archivsuche

Listen

Suche bei Amazon

Partnerangebote



skyscraper_free_trial


Mein BASE


www.titus.de

eXTReMe Tracker

Slut - Still no. 1

Slut - Still no. 1

Virgin / EMI
VÖ: 25.01.2008

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

Bilderbuchvorstellungen

Es sollte Stille herrschen. Endgltige Stille. Dennoch waren die Spekulationen ber das Ende von Slut, die anlsslich von "All we need is silence" - auch auf dieser Seite - aufkamen, natrlich bertrieben. Das wei man nicht erst seit der famosen EP "Die kleine Dreigroschenoper", deren groer Bruder uns leider wegen Streitereien mit den Erben von Kurt Weill weiterhin vorenthalten bleibt. Doch die heilsame Konfrontation mit Fremdmaterial half den Ingolstdtern dabei, den gezogenen Schlussstrich mit Buntstiften anzumalen und mit kleinen Sternchen zu verzieren.

Wo seit dem ambitionierten Pop von "Lookbook" stets die Gitarren im Mittelpunkt standen, renovieren Slut fr ihr sechstes Album ihren Sound mit Hilfe allerlei herumstehender Instrumente. Klavier, Akkordeon, Trompeten, Glockenspiel, Orgeln, Mundharmonika - Slut jonglierten sich einmal quer durch die Musikschule. Durch diesen neuen Schwung drfen sich zudem auch ein paar gewohnte Manierismen und Routinen ber den Haufen geworfen fhlen. Denn wer htte gedacht, dass Slut noch einmal eine Single ganz ohne verzerrte Gitarren raushauen wrden? Und dann klettert dieses "Wednesday" auch noch so wunderhbsch die Klaviatur herauf und herunter, dass man mit dem traurigen Beinahe-Kinderlied gleich in den Frhling durchstarten will.

Die Unschuld in Christian Neuburgers Stimme verwehrt sich auch auf "Still no. 1" wie gewohnt gegen alle Anmaungen der Lautstrke. Die Band selbst besteht allerdings auch nicht mehr so vehement auf den Krach. Zum Glck stehen Slut der Spa am spielerischen Arrangement und die frische Lust am beilufigen Zitieren ausgezeichnet. So kann es auf "Still no. 1" passieren, dass innerhalb von ein paar Songs Radiohead, Depeche Mode, The Divine Comedy, Sigur Rs und die Beatles auftauchen und trotzdem keine Spur von Zerrissenheit zu bemerken ist. Dies knnte mit jener Musikalitt zu tun haben, die Slut immer schon anzumerken war, aber zuletzt vor allem im Dienst geradliniger Rocksongs stand - und beizeiten berhrt wurde.

Dabei denkt "Still no. 1" noch nicht einmal angestrengt um die Ecke. Es kurvt eher. Es zieht den sanften Schlenzer oder den weichen Lob vor. Das famose "If I had a heart" verbindet frhe Achtziger mit mittleren Neunzigern und hinterlsst einen sanftmtigen Ohrwurm. "If I had a heart / I would have a heartache / If I had a soul / It was cold." Da hat jemand Ian Curtis ziemlich gut verstanden. Doch statt die Trbsal regieren zu lassen, mogeln Slut genug Dur in ihre Indiehymnen. Die Melancholie wird mit Variablen versetzt und von den gewohnten Melodiegekonntheiten so umgarnt, dass man diese famose Band gleichzeitig knutschen und sich bei ihr ausheulen mchte. Das ist Musik, die mitten in der Herzkammer landet. Auch frs Hirn bleibt genug brig: In "Ariel" lassen Slut ein paar Zahnrder ratschen, das aristokratische "Odds and ends" berechnet ihre Chancen auf Anerkennung, und im feste marschierenden "Better living" drfen doch noch die Klampfen jaulen. Und ausgerechnet dort sind Slut wieder ganz nah bei ihrem alten Kumpel Kurt.

Damit sich Emphase und Pathos nicht auf den Fen stehen mssen, erkundet der Fnfer die Mglichkeiten von Dynamik und Verzicht. Ein paar Schlenker in Richtung Kitsch gehren da genauso zum guten Ton wie die handgesgte Ecke und der spontane Bruch. Hier zeigt sich, wie sehr die Band im Laufe des Jahrzehnts an sich selbst gewachsen ist. Vor ein paar Jahren hatten ihre Kumpels von Readymade einen kleinen Hit mit "The graduate". Slut jedoch legen mit "Still no. 1" ihre eigene Reifeprfung ab. Und knnen damit das Versprechen, das sie vor sieben Jahren mit "Lookbook" gaben, endlich einlsen.

(Oliver Ding)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Come on
  • If I had a heart
  • Wednesday
  • Odds and ends

Tracklist

  1. Summit up
  2. Come on
  3. Still no. 1
  4. If I had a heart
  5. Wednesday
  6. Ariel
  7. Odds and ends
  8. Better living
  9. Failed on you
  10. Tomorrow will be you
  11. Say yes to everything

Gesamtspielzeit: 44:20 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum