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Die Ärzte - Jazz ist anders

Die Ärzte - Jazz ist anders

Hot Action / Universal
VÖ: 02.11.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Am Rande des Pfannkuchens

Es war derart viel von einer Krise der rzte zu lesen, dass mancher gleich den Marburger Bund einschalten wollte. Verschwrungstheoretiker whnten "Jazz ist anders" nach langer Pause und diversen Nebenjobs bereits als Schwanengesang. Ein Kollege vom Musikexpress fhlte sich sogar dazu hingerissen, den Beatles-Vergleich zu zcken: Das elfte Album der rzte sei ihr "Let it be", mit Songs so hingebungsvoll romantisch und sowieso voller Anspielungen auf das baldige Ende. "Vorbei ist vorbei." Und dann steckt auf der Bonus-Tomate im Pizzakarton von "Jazz ist anders" auch noch ein Lied titels "Wir waren die Besten". Das Prteritum als Abschied.

Doch, Moment! Bonus-Tomate? Pizzakarton? Genau, schon das Artwork des elften Albums von Die rzte albert herum, als htte es seit "Gerusch" keine vier Jahre gut gefllter Pause gegeben. Da mu niemand erst warm laufen, das zndet direkt. Der gestandene rzte-Hrer wird es sogar verkraften, dass die Berliner es vom Start weg berraschend ernst meinen. Ob es die hoffnungsfrohe Melancholie von "Himmelblau" ist oder das selbstbewusste "Lied vom Scheitern" - Ironie ist anders. Moll sind die Akkorde, und die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber natrlich mogeln sich die Debilitten dann doch wieder hinterrcks in die Texte: "Ich bin immer dann am besten / Wenn mir keiner ins Regal pisst."

Die Zielgruppenbefriedigung auf "Jazz ist anders" geht eben so: Rod gibt sich "Breit", Bela sieht zu "Hmoglobin, Weib und Gesang" ein "Licht am Ende des Sarges", und Farin hpft Ballermann-kompatibel durch "Lasse redn". Denn dort lauert zwischen Elektronikzwitschern und den abstrusen Verleumdungen der lieben Nachbarn eine ewige Wahrheit: "Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild / Und die besteht nun mal, wer wsste das nicht / Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht."

Die neue Ernsthaftigkeit, die sich schon im wunderbaren "Junge" Gedanken ber die Zukunft macht, war schon auf "Gerusch" keineswegs ein schicker Ersatz frs Erwachsenwerden. Die eingebauten Hintertrchen zeigen einen dritten Weg jenseits von Ha-Ha-Lustigkeit und Dsseldorfer Betroffenheit. Da ist eben eine mrderische Tragdie wie "Nur einen Kuss" ebenso mglich wie die bittere Beziehungsabrechnung "Heulerei" oder das selbstmitleidige "Living hell". Und weil aus dem Nebenher wieder ein Miteinander geworden ist, passen die Songs zueinander wie Arsch auf Eimer.

Die Lust steckt nmlich in den Details. Im Zappelfunk von "Deine Freundin (wre mir zu anstrengend)" mit seinem herrlichen "Pflegeleicht"-Refrain, im Schallala-Kitsch von "Niedliches Liebeslied" oder im tollwtigen Kreischen der herrlichen Raubkopiererbestrafungsphantasie "Tu das nicht": "Und es luft keine Musik auf Deiner Beerdigung / So." Aber "Jazz ist anders" ist ohnehin viel zu lebendig fr den Friedhof. "Dracula wohnt nicht mehr hier / Hier gibt's nur noch den lustigen Vampir." Jetzt muss sich nur noch die Schinkenformscheibe aus dem neuen Die-Tren-Album mit der Tomate von "Jazz ist anders" vermhlen. Alles wird guten Appetit.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Himmelblau
  • Junge
  • Nur einen Kuss
  • Heulerei
  • Tu das nicht

Tracklist

  • CD 1
    1. Himmelblau
    2. Lied vom Scheitern
    3. Breit
    4. Lasse redn
    5. Die ewige Maitresse
    6. Junge
    7. Nur einen Kuss
    8. Perfekt
    9. Heulerei
    10. Licht am Ende des Sarges
    11. Niedliches Liebeslied
    12. Deine Freudin (wäre mir zu anstrengend)
    13. Allein
    14. Tu das nicht
    15. Living hell
    16. Vorbei ist vorbei
  • CD 2
    1. Wir sind die Besten
    2. Wir waren die Besten
    3. Wir sind die Lustigsten

Gesamtspielzeit: 61:55 min.

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