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Boozed - Acid blues

Boozed - Acid blues

Bitzcore / Indigo
VÖ: 15.06.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

Keine Beilagenesser

Wie trist eine Jugend in der niedersächsischen Provinz sein kann, weiß Popkultur-Deutschland allerspätestens seit Heinz Strunks Roman "Fleisch ist mein Gemüse". Auf dem Land ticken die Uhren nun mal anders: Cola-Korn-Exzesse im elterlichen Partykeller und harmloses Gefummel mit der Blonden von nebenan gehören da noch zu den angenehmeren Abwechslungen, die dem Vollpubertierenden neben freiwilliger Feuerwehr, Schulstress und Schweinestallausmisten bleiben. Zumindest, wenn man den gängigen Klischees glaubt. Klar, so eine Herkunft bringt nicht gerade exzentrische Dandys hervor. Eher einen bodenständigen, geradlinigen Menschenschlag.

Zu eben jenem zählen offenbar auch Boozed, die sich - damals durchschnittlich halbstarke 16 Jahre jung - 2001 in ihrer norddeutschen Heimat Bramsche entschlossen, gegen die kleinstädtische Langeweile eine Band zu gründen, die nach Whiskey, Testosteronüberschuss und Papas Lieblingsrockern klingt. Seitdem bearbeiten die Jungs Schweinerock statt Schweinestall und haben mit ihrem Bitzcore-Debüt "Tight pants" ein Album vorgelegt, das anderen Szenegrößen mit neckischem Grinsen in den Schritt griff

Nachdem die engen Hosen hier und da noch etwas gezwickt haben, macht "Acid blues" nun nahtlos da weiter, wo dem Vorgänger zeitweise noch die Luft ausging: Verschwitzter und alkoholhaltiger Rock'n’Blues, irgendwo zwischen AC/DC, Turbonegro und Gluecifer, gegossen in handliche zwei bis vier Minuten. Ab und an blitzen Hammondorgel oder weiblicher Background auf, ansonsten rütteln aber keine Experimente an den Konstanten Bass, Schlagzeug und Gitarre.

Die Songs: durchweg solide bis richtig gut. Im starken Opener "Street skills" wird einem direkt das Straßenköter-Image hingerotzt, das sich durch das ganze Album zieht. Schmutzig, räudig, ätzend - erfolgreiche Underdogs mit großer Klappe und was dahinter, so setzt sich die Band in Szene. Das funktioniert immer dann richtig gut, wenn sie den Fuß von der Bremse nehmen und einfach losbrettern, so wie im hyperventilierenden "Take me to Vegas" oder dem atemlosen "Walkover man". Vor allem aber die Midtempo-Groover wirken oft noch zu kopflastig für den Herz-und-Nieren-Sound der Band, und Sänger Markus ist trotz aller Bemühungen weder Lemmy noch Bon Scott.

Am Albumende landet die Band mit dem sonnenverbrannten Mundharmonika-Blues "Out to lose" und der countryesken Halbballade "Forget your head" schließlich wieder da, wo sie ihre Wurzeln hat: auf dem Land. Sei’s drum. Bei Boozed mischen sich eben Gülle und Benzin, das hochenergetische Ergebnis muss auch Stadtkindern gefallen. Und überhaupt diese Sache mit der Herkunft: Ein gewisser Thees Uhlmann wurde in einem 9.000-Seelen-Kaff bei Cuxhaven geboren. Und klang auf seinem zweiten Album noch nicht so entschlossen.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Street skills
  • Take me to Vegas
  • Walkover man

Tracklist

  1. Street skills
  2. Gimme the fire
  3. Stop your revolution
  4. Bad seed
  5. Take me to Vegas
  6. Sooner or later
  7. Dream on
  8. Walkover man
  9. Shotgun
  10. Good intentions
  11. Out to lose
  12. Forget your head (Bonus Track)

Gesamtspielzeit: 43:07 min.

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