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Rose Kemp - A hand full of hurricanes

Rose Kemp- A hand full of hurricanes

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 09.02.2007

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Naturgewalt

Diese Stimme - wahnsinnig! Diese Songs - nervenaufreibend! Dabei ist Rose Kemp, Tochter von Maddy Prior und Rick Kemp von den Folkrockern Steeleye Span, gerade mal zweiundzwanzig. Baut mit intuitiven Gefühl für Folk einen Indierock zusammen, wie ihn selbstbewusste Frauen eigentlich seit Anfang der Neunziger nicht mehr so dringlich hinbekommen haben. Formuliert, strapaziert und dekonstruiert ihr Seelenleben. Taumelt mit ihrer Stimme durch die Gitarrenstürme, von denen schon der Albumtitel "A hand full of hurricanes" erzählt. Und ist dann plötzlich und gleichzeitig ganz bei sich und einer ganzen Historie von starken Frauen.

Schon wenn dieses unglaubliche "Violence" nach drängenden Rimshots plötzlich explodiert, zusammenfällt, zu Atem kommt, wieder auflebt und dann auch noch völlig durchdreht, bleibt die Spucke nachhaltig weg. Über einer pochenden Bassdrum hört man plötzlich Stimmen und vermutet, dass da noch eine multiple Persönlichkeit lauert. Doch dann ist man schon im nächsten Song: "Tiny flower" - 1:39 Minuten, Herzstillstand und Auferstehung. Selbst wenn nichts als Gefühl im Raum steht, lauert Gefahr. Das bekommt sogar ein Liebeslied wie "Morning music" am zitternden Leib zu spüren. Kemp wringt die zarten Töne aus den Überresten jener elektrischen Gitarre, die eben noch lichterloh in Flammen stand. Verzerrter Gospel.

"I'm a victim in my own right", heißt es in "Dark corners". Doch Kemp ist nicht Opfer, sondern Täterin. Während die Zuhörer immer weiter in Deckung gehen, ringt sie um Fassung und hat doch stets die Kraft, über jeglichem Selbstmitleid zu stehen. Ständig lauert der Ausbruch. Worte sehnen, Harmonien erzittern, Akkorde brechen - manchmal an nichts als sich selbst. Im gespenstischen Reverb von "Orange juice" lebt eine Gänsehaut für gleich mehrere Körper. Und als man es vor Spannung kaum noch aushält, weht "Sister sleep" durch eine leere Halle, in der die Luft aus Respekt still steht.

Diese Gefühle sind nicht neu. Aber rar. Nur die ganz Großen vermögen sie so unmittelbar, so existentiell und so verstörend in Musik zu fassen. Wer PJ Harvey sagt, muss auch Jeff Buckley sagen. Derart stimmgewaltig faszinierte seit "Grace" kaum ein frühvollendeter Jungmusiker mehr seinem Selbst. Kemps zweites Soloalbum ist nicht nur die Emazipation vom eher betulichen Erbe ihrer Eltern. Sondern ein Ereignis. "A hand full of hurricanes" - das bläst Dich weg.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Violence
  • Tiny flower
  • Metal bird
  • Sing our last goodbye

Tracklist

  1. Little one
  2. Violence
  3. Tiny flower
  4. Morning music
  5. Orange juice
  6. Dark corners
  7. Metal bird
  8. Skins' suite
  9. Sister sleep
  10. Sheer terror
  11. Sing our last goodbye

Gesamtspielzeit: 46:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Konsum
30.12.2007 - 14:57 Uhr
Aber "Violence" nutzt sich bei mir nicht ab.
Ulo
16.09.2010 - 14:10 Uhr
Gerade erst auf Rose Kemp gestoßen. Wie ist denn der Eindruck dieses Albums auf die Hörer der ersten Stunde 3 Jahre später?
Kubin
16.09.2010 - 17:35 Uhr
Das Album ist nach wie vor sehr gut, hat aber hinten raus dezente Schwächen und war/ist wohl eher eine 8/10 als eine 9/10. Ein Blick auf den Namen des damaligen Rezensenten lässt auch schnell klar werden, warum hier ein Punkt zu viel gegeben wurde.

rainy april day

Postings: 506

Registriert seit 16.06.2013

14.08.2014 - 03:03 Uhr
Nach einer spontanen Eingebung noch mal gehört. Die erste Hälfte ist weiterhin absolut beeindruckend mit dem "Hit" Violence und dem kleinen eleganten Zwischenspiel Tiny Flower vor dem umwerfenden Morning Music. Danach verflacht die Sache ein bisschen, aber ein paar tolle Momente finden sich auch gegen Ende noch mal. 7,5/10 für einiges an Freude beim ersten Mal Wiederhören seit Jahren.
uhf
14.08.2014 - 07:49 Uhr
finde unholy majesty durchgehend besser...
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