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The Long Winters - Putting the days to bed

The Long Winters - Putting the days to bed

Barsuk / Munich / Indigo
VÖ: 08.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Hopes and fears

Die wahrscheinlich böswilligste Zeitungsente der letzten Wochen kommt ausnahmsweise gar nicht von der Süddeutschen, diesem Kriegstreiberblatt, sondern von der britischen Investigativ-Postille Sun. Die behauptete nämlich neulich, daß sich Keane-Sänger Tom Chaplin, Babyshambles-Sänger Pete Doherty und Bon-Jovi-Sänger Justin Hawkins, derzeit Zimmernachbarn in einer Londoner Rehaklinik für Rückenkranke, Blasenschwache und Drogenabhängige, zwischen zwei Gruppentherapien zum Spontan-Jam verabredet hätten. Und - was haben wir gelacht! Statt uns mal aufs Neuste zu bringen, was die Fortschritte von Milchbacke Chaplin angeht, nerven die mit so einer Scheiße rum. Statt mal rauszufinden, ob Keane ihre Tourtermine im November wahrnehmen können, dichten die dem Doherty Sachen an den Hals, die nicht mal Carl Bârat einfallen würden. Dabei ist das eine wichtige Tour. Da wollen wir doch alle hin. Fürs Vorprogramm haben sich schließlich The Long Winters angekündigt.

Was immer nun wird aus dieser Tour, an John Roderick sollte sie nicht scheitern. Seit guten vier Jahren setzt der begabte Verkleidungskünstler aus Seattle seine Long Winters immer wieder neu zusammen, weil die frisch gekickten Bandmitglieder nicht mit seinen Visionen und/oder Launen klar kamen. Und seit vier Jahren entsteht nebenbei ein ordentlicher Batzen der wundervollsten Popmusik überhaupt, weil Roderick die Nase eben immer noch nicht voll hat von Gitarre, Gesang und Melodien aus doppelseitigem Klebeband. "When I pretend to fall" von 2003 fühlte sich schon sehr nach Opus Magnum an, streckte es sich doch recht problemlos zwischen Verstiegenheits-Rock, Squaredance-Fiddle, Folk-Verständnis und allem dazwischen aus. Und "Putting the days to bed" ist nun die einzig sinnvolle Reaktion. Engerer Fokus, kompaktere Songs. Sozusagen Powerpop.

Es geht bei den Long Winters neuerdings auch um Geld im Allgemeinen und finanzielle Sicherheiten im Speziellen, vermutlichm weil die Band ersteres nie hatte und letzteres nicht kennen kann. Wichtiger ist aber: Es geht um "actual songs", wie Roderick so schön erkannt hat, weshalb es keine Rolle spielt, daß sie auf "Putting the days to bed" mit mehr Schmackes und weniger Detailbeflissenheit als bisher verschaukelt werden. "(It's a) Departure" steigt einem mit hochgekrempelten Hemdsärmeln und besten Rocksong-Absichten auf die Füße. "Honest" zieht den Kopf ein und schenkt Lebensweisheiten zur Akustischen aus. Und "Rich wife" wird unser Kronzeuge, wenn wir irgendwann vor Gericht ziehen, um den Leuten zu beweisen, daß die besten Gitarrenmelodien die mit den wenigen Tönen sind. Man kann "Putting the days to bed" eben immer gut gebrauchen.

Zusätzliches Insiderwissen: Beim niederländischen Munich-Label sitzen sehr generöse Menschen hinter den Schreibtischen, die den Europa-Release des dritten Winters-Albums um vier Bonustracks von der letztjährigen "Ultimatum"-EP ergänzt haben. Dem Flow der Platte tut das nicht so gut, dem streicherseligen, in Zeitlupe abgebauten "The commander thinks aloud" hätte aber gar nichts besseres passieren können. Es ist ein gutes Stückchen schöner als die wirklich neuen Songs hier, da können sich die tosenden Fanfaren aus "Teaspoon" und die flackernde Orgel tief unten in "Hindsight" noch so reinhängen. Zufrieden sind wir aber trotzdem, na hören Sie mal. Roderick hat schließlich schon wieder elf Songs geschrieben, die längst jemand anderem hätten einfallen müssen, weil sie doch ganz offensichtlich auf der Hand lagen. Popmusik sollte man so wie er machen - oder es gleich bleiben lassen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Rich wife
  • Teaspoon
  • (It's a) Departure
  • The commander thinks aloud

Tracklist

  1. Rich wife
  2. Pushover
  3. Fire Island, AK
  4. Teaspoon
  5. Ultimatum
  6. Sky is open
  7. Clouds
  8. Honest
  9. Hindsight
  10. (It's a) Departure
  11. Seven
  12. The commander thinks aloud
  13. Ultimatum (Acoustic version)
  14. Everything is talking
  15. Delicate hands

Gesamtspielzeit: 54:31 min.

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