Seachange - On fire, with love
Glitterhouse / Indigo
VÖ: 26.05.2006
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Deine Stimme zählt
Flames break loose
Zugegeben, wir erwähnen das jetzt nicht gerade zum ersten Mal. Aber es wird zurzeit eben immer offensichtlicher, daß es eigentlich nur zwei verschiedene Arten von Bands gibt. Zum einen die großen, erfolgreichen wie die Red Hot Chili Peppers oder Foo Fighters. Und zum anderen die vernünftigen. In der linken Ecke die dicken Major-Player, die auf Teufel komm raus ein Doppelalbum machen, weil es die letzte Sache ist, die sie noch nicht ausprobiert haben. Oder weiß der Geier warum sonst. Und rechts die hungrigen, bodenlos begabten, erfolglosen. Also solche wie Seachange. Auch die hätten so ein CD-Doppel gerne mal in Angriff genommen. Aber am Ende waren sie einfach zu schlau, um die Sache durchzuziehen.
Zeit, Geld, Songs - es hat eben nicht gereicht. Also wurde die ursprüngliche Idee, eine ruhige und eine nicht ganz so ruhige Platte beisammen zu stellen, wieder verworfen. Und stattdessen solange an den vorhandenen Liedern herumoperiert, bis man plötzlich laute und leise Bestandteile in den gleichen Stücken zusammengebracht hatte. Sauber verschweißt, ohne überstehende Ränder. Weil, so was geht ja auch. "On fire, with love" klingt deshalb nun, als hätten Seachange eine Popplatte gemacht - und die dann in eine dieser Abwetzmaschinen gesteckt, mit denen Levi's und Co. ihre neuen Jeans in Used-Look-Form demolieren. Hier ein Riß, da ein paar Kratzer und vorm Knie noch ein Loch reingerieben. Den Rest erledigt dann schon die Zeit.
Wer also das Seachange-Debüt "Lay of the land" gerade wegen der rohen Gewalt mochte, mit der es einem Schien- und Schambein eintrat, der wird diesmal doch ganz schön aus dem Konzept gebracht. Die neuen Songs halten sich gerade, gucken schon fast freundlich und kehren den Dreck in ordentlichen Häufchen ans Ende ihrer dreieinhalb Minuten. Kaum ein Stück erwischt es so schwer wie "Annie, Tacoma", das in rauschender Aufbruchsstimmung zerfließt, während hinter ihm einer Gitarre nach der anderen der Hals umgedreht wird. Schon dem euphorischen "Battleground" stehen weniger schwere Hindernisse als bisher im Weg. Und "Christmas letters" kann noch so hysterisch in seinen Alle-Neune-Refrain hineingrätschen. Es bleibt ja doch ein verdammtes Weihnachtslied. Ist lange her, daß man wegen der Festtage solch leuchtende Augen bekam.
Überhaupt ist das Geheimnis von "On fire, with love", daß es beherrscht und gradlinig bleibt, aber keineswegs die streckenweise brutale Intensität seines Vorgängers einbüßt. Sänger Dan Eastop ist da ein gutes Beispiel. Auf "Lay of the land" bot er noch eine ebenso unbarmherzige wie -glaubliche Vorstellung, spuckte böses Blut in jede Richtung und randalierte wie ein Südkurven-Hooligan. Heute wirkt er verletzlicher, nahbarer. Und seine ausgereiften Lebensanleitungen aus dem widerständigen "In" helfen eher durch die langen Nächte, statt sie einem zur Hölle zu machen. Vielleicht hat Eastop seine Galligkeit für ein bißchen Weisheit hergegeben. Vielleicht ist er auch einfach nicht mehr so wütend.
Die Hauptsache ist ja doch, daß neben klassisch geschulten Folksongs wie "Anti-story" mit Akkordeon und Akustikgitarre auch weiterhin solche Sachen wie "The key" passieren können. "It's over, Casanova" ist nur eine von vielen sinistren Zeilen, die Eastop auf Umwegen noch in jedes Unterbewußtsein eingeschleust kriegt. Und wenn der Song schließlich in einen Verkehrsunfall von einem Finale hineingerät, möchte man sowieso glauben, daß Biffy Clyro schon vor einigen Minuten den Joystick übernommen haben. Die Energie und Dringlichkeit dieser Lieder auf zwei Alben ausgewälzt - das wäre wohl nicht nur der Band zuviel geworden. Keine Zweifel deshalb. Hier steckt bereits alles drin, was zu geben und zu holen war. With love,
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Highlights
- Annie, Tacoma
- Battleground
- The key
- In
Tracklist
- Annie, Tacoma
- Battleground
- No backward glances
- Anti-story
- The key
- Shooting arrows
- Youth art
- Christmas letters
- Midsummer fires
- Punch and Judy
- In
Gesamtspielzeit: 40:41 min.
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Referenzen
Idlewild; Murder By Death; ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead; The Dismemberment Plan; My Vitriol; Six.By Seven; Colour Of Fire; The Frames; Kate Mosh; Marr; Slut; Placebo; Chokebore; Jawbox; Fugazi; Mission Of Burma; The Paper Chase; Cursive; 31Knots; Biffy Clyro; Aereogramme; Amusement Parks On Fire; Sonic Youth; Hope Of The States; Three Mile Pilot; Firewater; Clann Zú; Gravenhurst; The Delgados; Two Gallants
Surftipps
- http://www.seachangemusic.com/
- http://matadorrecords.com/seachange/
- http://www.indigo.de/unser_programm/3825/
- http://www.myspace.com/seachangemusic
- http://www.tonspion.de/mp3.php?id=2437
- http://www.indiepedia.de/index.php/Seachange
- http://www.vh1.com/artists/az/seachange/artist.jhtml
- http://www.bbc.co.uk/dna/collective/A2379783
- http://www.bbc.co.uk/nottingham/music/2004/01/seachange_inte rview.shtml
- http://www.soundmag.de/content.php?content=interview_detail& review_id=9
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