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The New Pornographers - Twin cinema

The New Pornographers - Twin cinema

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 22.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Deine Stimme zählt

Split screen

Es muß im Tiefschlaf gewesen sein. Letzte Nacht habe ich mir diesen komischen Satz ins Bein geritzt: "Die New Pornographers sind die komplizierteste Bubblegum-Pop-Band der Welt." So steht's jetzt geschrieben, und ich würde mir gerne einen Reim darauf machen. Habe ich da jetzt von den logistischen Probleme geträumt, die sich jedes Mal ergeben müssen, wenn alle sieben Mitglieder der ausgewiesenen Anti-Supergroup gleichzeitig am selben Ort erscheinen wollen? Oder ging es doch eher um die Musik dieser Menschen, die sich nun schon auf zwei Band-Alben und ungezählten Veröffentlichungen der Nebenprojekte weigert, als der Lila-Laune-Mitsing-Pop wahrgenommen zu werden, der sie vordergründig immer zu sein schien? Ich weiß es bis heute nicht. Aber mein Bein tut weh.

Sicher ist immerhin, daß die Serie unschlagbarer Album-Vorboten auch mit dem Titeltrack der dritten Pornographers-Platte "Twin cinema" nicht reißen wird. Es braucht keine zehn Sekunden, bis rasselnde Drums, übersteuerte Gitarren und der berauschte Zwillingsgesang von A.C. Newman und Neko Case klar gemacht haben, von wem dieser Song nur stammen kann. Und natürlich wird es auch nicht viel länger dauern, bis man wieder einen Ohrwurm drin hat, der noch den härtesten Euphorie-Verweigerer verrückt machen würde. Die Hit-Maschine ist angeworfen, läuft wie geschmiert und müßte nur noch mit ein paar Akkorden, "Schubidus" und vielleicht etwas Vanille-Backpulver gefüttert werden. Aber diese blöden Kanadier drehen sich natürlich lieber weg. Einmal mehr.

Noch deutlicher als seine beiden Vorgänger zeigt "Twin cinema" die Risse in der SommerSonneSonnenschein-Fassade der New Pornographers. Keine Cabrio-Musik wollte man diesmal machen, so Newman, und Stücke wie das spürbar gedrosselte Klavier-Geschunkel von "These are the fables" oder das ungewöhnlich weit ausholende "Stacked crooked" mit seinen wenig enthusiastischen Bläsern sind diesem Ziel zumindest ziemlich nahe gekommen. Noch deutlicher wird allerdings das unumwunden betrübte "The bleeding heart show", das steilere Spannungskurven nimmt als das bisherige Material der Band. Und schließlich zu einem Ende findet, das man glatt als "Hello goodbye"-Hommage verstehen könnte. Wenn Newman nicht schon immer viel mehr Wings-, denn Beatles-Fan gewesen wäre.

Vielleicht ist es aber auch dem gesteigerten Einfluß von Dan Bejar (AKA Destroyer) zu verdanken, daß "Twin cinema" zur ersten New-Pornographers-Platte wurde, deren gefühlte Temperatur knapp unter 20° liegt. "Streets of fire", einer seiner drei Beiträge, ist der einfachste Song des Albums, eine kleine Folknummer, verloren in Gedanken und mit bittersüßen Vocals von Bejar und Case, die sich ansonsten diesmal eher zurückhaltend gibt. Hätte nun also Newman, der weiterhin unangefochtene Bandboß, die eigene Maxime nicht noch mehrmals mit unverbesserlichen Instant-Schlagern wie "Sing me Spanish techno" oder "Use it" torpediert, wäre man beinahe schlau aus seiner Truppe geworden. So bleibt sie aber doch, wer sie immer war. Die komplizierteste Bubblegum-Pop-Band der Welt. Heute mehr denn je.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Twin cinema
  • The bleeding heart show
  • Streets of fire
  • Stacked crooked

Tracklist

  1. Twin cinema
  2. The bones of an idol
  3. Use it
  4. The bleeding heart show
  5. Jackie, dressed in cobras
  6. The Jessica numbers
  7. These are the fables
  8. Sing me Spanish techno
  9. Falling through your clothes
  10. Broken breads
  11. Three or four
  12. Star bodies
  13. Streets of fire
  14. Stacked crooked

Gesamtspielzeit: 47:46 min.

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