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Klimt 1918 - Dopoguerra

Klimt 1918 - Dopoguerra

Prophecy / Soulfood
VÖ: 25.04.2005

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

All that you can't leave behind

Das Radio Milano dudelt. Ein volkstümliches Umta-Umta schmerzt in den Ohren. Ein Mann beginnt zu stöhnen. Es ist kein erotisierter Laut. Eher schon ein atemloser, aufgeladener, voller Spannung. Als ob das Unheil überstanden ist und schon das nächste bevorsteht. Das Schnaufen wird rhythmischer, die Blasmusik verstummt und macht einem sakralen Keyboard Platz. Plötzlich überschlagen sich die Nachrichten-Meldungen in allen Sprachen. Dann kommt Bono Vox und rettet die Welt.

Nein, das ist kein völlig verspulter Alptraum. Sondern nur ein Intro, das auf die falsche Fährte führt und erst am Ende die richtige Richtung einschlägt. Letztlich soll das Ablenkungsmanöver wohl doch nur verbergen, daß hier vier Herren größte Probleme mit der Vergangenheitsbewältigung haben. Vielleicht sollten die psychiatrischen Abteilungen langsam mal ihre Bettenzahl aufstocken. Und sich auf jene bemitleidenswerten Zeitgenossen spezialisisieren, die über die Achtziger immer noch nicht hinweggekommen sind. Schließlich greift diese Seuche momentan um sich und hat längst weite Teile des Musikbusiness ergriffen. Es dauert nicht mehr lange, bis die ersten wieder mit türkisen Schweißbändern und rosa Miami Vice-Jackett durch die Gegend protzen. Wann hat das nur ein Ende?

Bitte erst nach "Dopoguerra". Denn das zweite Album von Klimt 1918 ist genau das, was uns bislang noch gefehlt hat, um das Revival ruhen zu lassen. Es ist nicht im geringsten retro, sondern einfach nur zutiefst in der guten, alten Zeit verwurzelt. Dabei stammen Klimt 1918 aus einer ganz anderen Richtung. Ihre Ursprünge fanden sie in der progressiven Death-Metal-Combo Another Day, von der einige Elemente tatsächlich übriggeblieben sind. Und sich längst konsequent weiterentwickelt haben. Pink Floyd standen Pate, mehr vielleicht die Simple Minds, als sie noch gut waren. Und wem die letzte U2 schwer im Magen liegt, der findet in "Dopoguerra" Balsam. Hehre Ziele hat sich das Quartett gesetzt. Den Bandname lieh ihnen der Künstler Gustav Klimt, der als Wegbereiter der Wiener Sezession gilt und, aha, 1918 verstorben ist. "Dopoguerra" meint die unmittelbare Nachkriegszeit in Italien. Und doch ist das Album keine reine Geschichtsstunde und mehr als nur neues Futter für die eingefleischten Prog- oder 80s-Fans. "Dopoguerra" läßt sich von jedem Klientel mit Staunen nachvollziehen. Auf Anhieb reicht es beim ersten Durchlauf die Hand und zieht hinein.

Mit einem derart gekonnten Rückschritt aus heiterem Himmel hätte wohl keiner gerechnet. Schon gar nicht von einer Viererbande verschrobener Italiener. Aber lassen wir die Klischees ruhen, die Vorurteile auch. Denn gerade Frontmann Marco Söllner braucht keinen internationalen Vergleich zu scheuen. Der Nachname indes kommt nicht von ungefähr. Er und sein Drummer-Bruder haben deutsche Vorfahren, eine Oma im Rhein-Main-Gebiet. Man kolportiert, der einzige deutsche Satz, den Marco beherrsche, sei "Eintracht Frankfurt über alles!" Dafür spricht er die Sprache der Musik. Fließend.

Eigentlich hätte man das Album gar nicht erst in Songs unterteilen zu brauchen. Schließlich läuft es wie aus einem Guß durch. Natürlich sind da Momentaufnahmen, die der Unterscheidung, ja auch der Spannungssteigerung dienen. In "Because of you, tonight" scheint Sting auf ein kleines Stelldichein vorbeizuschauen. "Lomo" mündet in ein Stakkato-Gitarrengewitter. In "Sleepwalk in Rome" wird plötzlich doch wieder die Muttersprache ausgepackt. Und das programmatisch betitelte "Snow of 85" erreicht textlich fast schon Cure-Ausmaße: "Who cares what's behind? / Do you know how far sun has gone? / So will you please complete me? / Dreams and snow collide / To the music in this room / Please hold on, hold on." Sehnsüchtig und mitreißend ist das. Ein Sound-Teppich zum Drauflegen, zum Drunterkriechen oder zum Davonfliegen. Molto grazie.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Snow of 85
  • Because of you, tonight
  • Lomo
  • Sleepwalk in Rome

Tracklist

  1. _
  2. They were wed by the sea
  3. Snow of 85
  4. Rachel
  5. Nightdriver
  6. Because of you, tonight
  7. Dopoguerra
  8. La tregua
  9. Lomo
  10. Sleepwalk in Rome

Gesamtspielzeit: 41:51 min.

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