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Stereophonics - Language. Sex. Violence. Other?

Stereophonics- Language. Sex. Violence. Other?

V2 / Rough Trade
VÖ: 14.03.2005

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Sprachlos

Man kann den Stereophonics ja inzwischen eine Menge vorwerfen. Aber nicht, daß sie sich nicht jedes Mal hundertprozentig reinhängen, wenn es darum geht, ihr jeweils aktuellstes Album als ihr bestes anzupreisen. Die Band um den Schwiegermutter-Rocker Kelly Jones geht konsequent ihren Weg. Wobei man nur hoffen kann, daß die drei Waliser wissen, wo der hinführt. Oder hinführen sollte. Nach den Dorfgeschichten auf "Word gets around" ging es auf "Performance & cocktails" jedenfalls um das Stadtleben, ehe auf "Just enough education to perform" die ganze Welt bereist wurde. Demnach hätte "You gotta go there to come back" vom Weltall handeln müssen, was es ja schlußendlich auch tat. Zumindest drängt sich ein Vergleich dieser akustischen Katastrophe mit schwarzen Löchern förmlich auf.

Aber jetzt soll alles anders werden. Zurück zu den Wurzeln, wie der Zahnarzt sagt. Und so handelt es sich bei "Dakota" tatsächlich um die beste Phonics-Single seit gut fünf Jahren. Satt nach vorne jagend, mit ein paar kleinen elektronischen Spielereien, und dazu setzt Kelly Jones seine Reibeisenstimme endlich mal wieder vernünftig ein. Kurzum: eine völlig okaye Nummer, die in dieser Form glatt eine mittelschwere Überraschung darstellt.

Tragisch nur, daß dieser Stampfer das absolute und beinahe alleinige Highlight des dazugehörigen Albums ausmacht. Denn "Language. Sex. Violence. Other?" hat eine Menge zu bieten, nur leider absolut nichts Neues. Da freut man sich schon, wenn mit "Rewind" ein Song abfällt, der immerhin eine B-Seite aus U2s "Pop"-Phase sein könnte. Denn eines ist klar: die Stereophonics plündern jetzt alle Musikarchive. Heraus kommt ein kruder Stilmix, der auch vor Industrial-Anleihen, Hardrock-Gesten und derbsten Gitarren-Effekten nicht zurückschreckt, am Ende aber so innovativ wirkt wie die Frisur von Angela Merkel. Wenigstens auf Gospelchöre hat man diesmal verzichtet. Dafür klingt Kelly Jones zwischenzeitlich, als sei er ins Wachkoma gefallen, und der neue Drummer Javier Weyler klopft dazu noch langweiliger als Vorgänger Stuart Cable. Was immerhin die größte Leistung im Bezug auf dieses Album ist.

Machen wir uns also nichts vor: Die Luft ist raus. Zwar versuchen die Phonics nach wie vor mit aller Macht, jugendlich herumzurocken, aber spätestens bei ihren Liveauftritten ist alles vorbei. Wer selbst die alten Dampfhammerhymnen klingen läßt, als seien größere Mengen Valium im Spiel gewesen, ist reif für den Rentenbescheid. Da muß selbst der treueste Fan einsehen, daß hier kein Blumentopf mehr zu holen ist. Not up to me, but up to you.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Dakota
  • Rewind

Tracklist

  1. Superman
  2. Doorman
  3. Brother
  4. Devil
  5. Dakota
  6. Rewind
  7. Pedalpusher
  8. Girl
  9. Lolita
  10. Deadhead
  11. Feel

Gesamtspielzeit: 43:29 min.

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