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Muff Potter - Heute wird gewonnen, bitte

Muff Potter - Heute wird gewonnen, bitte

Huck's Plattenkiste / Indigo
VÖ: 15.09.2003

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Schleudertrauma

And the awards go to: Muff Potter. Für den Albumtitel des Jahres: "Heute wird gewonnen, bitte". Für den Songtitel des Jahrtausends: "Das Ernte 23 Dankfest". Und für etliche Kandidaten um die Folgeplätze: "Placebo Domingo", "Die etwas öde Ballade der Tristessa M.", "Schwester im Rock", "Vom Streichholz und den Motten" und so weiter. Fährt doch diese Band den ersten Kantersieg ein, ohne auch nur einen Ton gespuckt zu haben. Gut gedroschen ist halb gewonnen, bitte.

Noch immer sind Muff Potter um kein Wortspiel verlegen. "Die Hymne" kommt gar als einzige Kette aus solchen daher. Und selbst aus dem Namen eines Hamburger Kultclubs basteln Muff Potter eines: "Wir sitzen so vorm Molotow / Und trinken Cocktails / Auf die alten Zeiten". Aber das Beste daran: Es wirkt. Gerade im Kontext. Augenzwinkern ohne Lidjucken, eine Stimme wie ein Faß Whiskey. Texte wie ein Poesiealbum. Tränen wie ein Wasserfall. Und ein Lächeln wie ein Scheunentor.

Willkommen auf dem Jahrmarkt der Heiterkeiten! Hinter jedem vordergründigen Wortwitz und jeder heiterbiswolkigen Geschichte verbirgt sich allerdings mehr, als man zunächst denken mag. "Young until I die" jongliert mit der Haßliebe zu sich selbst, "Am 5. Oktober wie jedes Jahr" wirft dem Penner vom Bahndamm ein eigenes Lied in den Hut, "Sudholt" rechnet derb mit langweiliger Musik ab, und "Schwester im Rock", das tolle Duett mit Backgroundmieze Jule März, stellt all die leichten Rock-Mädchen aus den Clubs an den Pranger. Punk ist das natürlich nicht mehr. Zumindest nicht mehr und nicht weniger als Kettcar, denen Muff Potter immer ähnlicher werden. Wenn da bloß diese raspelkurze Stimme nicht wäre.

Man will es eigentlich gar nicht: Highlights herausheben aus diesem Album, das die Skip-Taste arbeitslos macht. Das rockt wie aus einem Guß und flutscht wie Butter zwischen klatschenden Händen. Aber für "Bis zum Mond" gehört Muff Potter endgültig ein Orden verliehen. Für knapp drei Minuten versinken sie in fremden, literarischen Phantasiewelten, die doch auch ihre eigenen sein könnten. "Ich will hier nie wieder raus / Ich höre nie wieder auf." Na dann, Herzlichen Glückwunsch.

Das vierte Album der Münsterländer erzählt. Von Rückschlägen und Höhenflügen. Vom Elend und von Gemeinsamkeiten. Von all dem, was sich Leben nennt. Nach ihnen die Sintflut. "Die Hymne" heißt tatsächlich nur dieses eine Lied, aber eigentlich hätten diesen Titel alle vierzehn Songs verdient. Würde zwar leicht albern aussehen, käme aber hin. Muff Potter schreiben nicht den Soundtrack für die Welt oder mindestens eine Generation. Sondern für den Augenblick. Ein sehnsüchtiges Liebeslied an die Traumfrau im Geiste wie "Das Ernte 23 Dankfest" spricht aus dem Herzen und jeden an. "Wenn Du lächelst, will man heulen / Und wenn Du weinst, dann möcht ich sterben / Schade, daß Du das nicht siehst / Weil's Dich eigentlich gar nicht gibt." Spiel, Satz und Sieg. Noch ein letztes Mal winken und raus.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Young until I die
  • Das Ernte 23 Dankfest
  • Bis zum Mond
  • Schwester im Rock

Tracklist

  1. Young until I die
  2. Placebo Domingo
  3. Das Ernte 23 Dankfest
  4. Wir sitzen so vorm Molotow
  5. Am 5. Oktober wie jedes Jahr
  6. Vom Streichholz und den Motten
  7. Die etwas öde Ballade der Tristessa M.
  8. Die Hymne
  9. Dieser Saatjohann
  10. Bis zum Mond
  11. Schwester im Rock
  12. Denn Du bist es auch
  13. Sudholt
  14. Elend #16

Gesamtspielzeit: 54:19 min.

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