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Fraktus - Welcome to the Internet

Fraktus- Welcome to the Internet

Staatsakt / Caroline / Universal
VÖ: 27.11.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Verpeile mit Weile

Drei Jahre Fraktus – Zeit für eine Bestandsaufnahme. Fraktus im Kino: großer, desorientierter Spaß, der zudem die Möglichkeit erörterte, dass die Legenden von anno dunnemals vielleicht doch nur bemitleidenswerte Vollpfosten waren. Fraktus auf Platte: auch losgelöst vom Visuellen der vermutlich unterhaltsamste Soundtrack, der seit Langem einen deutschen Film untermalte. Fraktus in "Mord mit Aussicht": der Techno-Remix einer Provinzposse, der zur besten Sendezeit eine groteske Personality-Show veranstaltete. Fraktus auf der Theaterbühne: linksdrehende Pseudo-Hochkultur, die man sich auch erst mal trauen muss. Genau wie den Ausspruch "Fraktus sind nicht nur nett, Fraktus sind internett!", mit dem Rocko Schamoni, Jacques Palminger und Heinz Strunk grenzdebil ihr zweites Album ankündigen. Kann denn Schwachsinn Sünde sein?

Falls ja, dann nicht bei der technoiden Boygroup-Inkarnation von Studio Braun, deren Frage "Warum tun die das?" aus dem "Millennium Edition"-Opener "A.D.A.M." im Grunde lediglich die Antwort "Warum nicht?" zulässt. Und die zu Anfang mit dem Titelstück ein großkariertes, photonengetriebenes Elektronikgeschoss Richtung Weltraum jagt. Da grüßt Boney M.s "Nightflight to Venus" aus der Stratosphäre und läuft eine von Bobby Orlando stibitzte Bass-Sequenz in Endlosschleife durch, während eine Art Darth Vader auf Freiersfüßen einer osteuropäischen Schönheit in haarsträubendem Englisch die Mysterien unendlich verzweigter Rechnernetzwerke eröffnet. Klingt irre, ist es auch – bleibt aber ein hymnischer Monstertrack mit von der Seite reinstolperndem Tirili, der jeder Großraumdisco die Flötentöne beibringt. Vielleicht bis jetzt das beste Fraktus-Stück.

Und da wir uns nicht mehr in den Achtzigern befinden, ersetzt "Welcome to the Internet" den spröden Früh-Elektro von "Millennium Edition" durch robuste Beats und Bassgeknarze aus den Maschinen von Marco Haas alias T.Raumschmiere. Der hat für jeden etwas dabei: Frontmann Dickie Starshine alias Schamoni bekommt die dickhosigen Eurodance-Tracks mit den Ladies im Hintergrund, Palminger beschwört als durchgeknallter Frickler Bernd Wand im wirren Disney-Tagtraum "Mary Poppins" das "Wunder von Bernd" per Deichkind-Rap. Der (un-)heimliche Star des Ganzen heißt aber Strunk, der als Mastermind Torsten Bage ähnlich freidreht wie auf seinem Album "Sie nannten ihn Dreirad" und mit "Saugetücher" eine begnadet hirnverbrannte Rave-Hommage an die Haushaltsrolle durchpaukt. Geht ja gar nicht? Geht sogar sehr gut.

Trotzdem schwingt hier und da auch immer eine gewisse Käsigkeit mit: Zu lieblich und selbstvergessen werkelt "Schuhe aus Glas" in der gleichen analogen Raumkapsel wie "Fred vom Jupiter", und auch der Stampfer "Musik aus Strom" könnte weniger offensichtlich um Kraftwerk-Familienanschluss buhlen. Erst am Ende entdeckt das Trio die traurige Seite des Internets, wenn das herzzerreißende "Freunde sind friends" innehält und mit Palminger als Major Tom im sozialen Netzwerk einen kleinlauten Roboter-Blues daherklimpert. Doch bald liegen sich die drei Verpeilten wieder in den Armen statt in den Haaren und verpuffen selig in einem großen Liebesknall, nach dem auch dieses Perpetuum debile einen bizarren Sinn ergibt. Mit Discokugel im Anschlag, Draht aus der Mütze und Träne im Knopfloch. Fraktus bleiben unsere Freunde. Pardon: friends.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Welcome to the Internet
  • Saugetücher
  • Freunde sind friends

Tracklist

  1. Welcome to the Internet
  2. Saugetücher
  3. Maler und Lackierer
  4. Schuhe aus Glas
  5. Musik aus Strom
  6. Mary Poppins
  7. Originals
  8. Jeder gegen jeden
  9. Let the puppets dance (Cool wie New York)
  10. White dinner
  11. Freunde sind friends

Gesamtspielzeit: 40:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
die große frage bleibt
23.11.2015 - 19:07 Uhr
was war denn jetzt in dem affenkopp für komisches zeugs drin?
Affengita.rre
23.11.2015 - 19:57 Uhr
Affenbrei.
Meinung
23.11.2015 - 20:07 Uhr
Kommt jedenfalls nicht an die genialen Joko&Klaas ran, kennt die hier jemand? Ist ganz grosses Tennis, schräger Anarchohumor vom Feinsten, Zwergfellattacken bis zum abwinken, moderner, weltoffener Humor für eine neue Generation ohne Grenzen ⊙>}}}}
tom44
01.12.2015 - 09:41 Uhr
tja leute, ich vermute, man muss die orginale aus den 80ern kennen, nein, man muss sie sogar damals erlebt haben um mit fraktus spass zu haben.

überall reminiszenzen, die man nur verstehen und auch lieben kann, wenn man die kindheit in den 80ern erlebt hat.
da blubbern im eröffnungstrack (welcome to the pleasuredome - fgth?) die sequenzer, wie man sie von anne clarks our darness in erinnerung hat, dazwischen ein lacher aus thriller.
das intro beim nächsten track saugetücher kennt man dann irgendwie von new order .....usw. usf.
xD
19.12.2015 - 11:59 Uhr
zu geil, der auftritt beim neo-magazin letzte woche...wie palminger da am keyboard förmlich verreckte und schamoni am ende theatralisch die blume fallen ließ...hab mich vor lachen verschluckt.
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