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Tom Liwa - St. Amour

Tom Liwa - St. Amour

Moll / EFA
VÖ: 07.04.2000

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Wir haben die Musik

Jenseits von Grönemeyer und Westernhagen hat sich in den Neunzigern eine ganz andere Art von deutschsprachiger Musik etabliert, die mit Hamburger Schule nur unzureichend bezeichnet wird. Texte, die ohne peinlich zu sein Gefühle zulassen, sind Markenzeichen einer Gruppe von Künstlern, die sich sprachlich und musikalisch auszudrücken wissen, ohne auf amerikanische Vorbilder zu schielen. Ganz vorne bei dieser Entwicklung dabei waren immer schon die Flowerpornoes, deren Kopf Tom Liwa nun sein Solodebüt vorlegt. Auf dem "mühsamen Weg zu sich selbst" ("Musical Cats") ist er nun in "St. Amour" angekommen.

Sein Anliegen ist es, Geschichten zu erzählen. Er erzählt sie mit einem leicht melancholischen Unterton, denn es sind immer Geschichten von "Doofen in einer doofen Welt" (so ein Titel des Flowerpornoes-Albums "Mamas Pfirsiche"), in denen sich vor allem die unglücklich Verliebten wiedererkennen. Trotzdem zwinkern uns die Texte zu und sorgen für die Wiederkunft des Lächelns. Bei allem Selbstbezug entpuppen sich Liwas Lieder als gute Freunde, die man lieb gewinnt und bald nicht mehr missen möchte. Eine ganz eigene Art von Poesie entsteht dabei. Auch wenn die Symbolik sich nicht immer jedem erschließt, lassen uns die Zeilen wissen, daß niemand ganz allein ist.

Es kommt nicht von ungefähr, wenn eine dieser verschrobenen Geschichten ("Wir haben die Musik") von Christian Brückner, der deutschen Synchronstimme von Robert De Niro, vorgetragen wird. Anspielungen auf bekannte Filme und Lieder tauchen immer wieder auf, auch wenn dies nicht in Blumfeldscher Fußnotenartistik ausartet. Während Jochen Distelmeyer fordert "Laß uns nicht über Sex reden", findet Liwa gerade in "Wir haben die Musik" ganz eigene Umschreibungen dafür. Aber nicht nur dafür findet er Worte. "Dies ist kein Brief / Nur eine Straßenkarte / Auf der ich mit dem Finger entlang fahre", sind die ersten Worte der Platte. Solche Bilder von Straßen, fremden Orten und vergangenen Zeiten finden sich munter über die ganze Scheibe verteilt, schließlich ist Liwa auf einer Reise. Dabei ist er allerdings, so die aktuelle Single, "Für die linke Spur zu langsam". Wenn wir schließlich den privaten und doch so vertrauten Kosmos Liwas mit einer Coverversion von Florian Glässing verlassen, sind wir wieder "Zuhause".

Ein wenig schlurfig erscheinen die Songs, die wie bei seiner Hauptband eher akustisch erklingen, schon. So perlt die Akustikgitarre in trauter Dreisamkeit mit Querflöte und Vibraphon, wenn Liwa ein "Seltsames Mädchen" besingt. Der vergleichsweise ungewohnte Groove, der vor allem Ralf Gustke (Schlagzeug) und Hans Maahn (Baß) zuzuschreiben ist, bringt bei aller Zurückgelehntheit dennoch neue Elemente ein. Leichtfüßig schwebt die Band dahin, während der Zuhörer Liwa beim Straucheln zuhören kann. Das Bewußtsein, nicht alleine durchs Leben zu stolpern, hilft, aus Liwas musikgewordener Selbsttherapie Mut zu gewinnen. Selbst wenn es mal wieder Narben abzuholen gibt, gilt immer der letzte Satz des Albums: "Wir haben die Musik."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Eskimo
  • Seltsames Mädchen
  • Für die linke Spur zu langsam
  • Wir haben die Musik

Tracklist

  1. Eskimo
  2. Julianastraat
  3. Musical Cats
  4. Seltsames Mädchen
  5. Für die linke Spur zu langsam
  6. Gib ihnen was sie wollen
  7. Ein Lügner würde das selbe sagen
  8. Casanovas Rückkehr zum Planet der Affen
  9. Monolithen
  10. Während Du schliefst
  11. Zuhause
  12. Wir haben die Musik

Gesamtspielzeit: 45:38 min.

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