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Hedvig Mollestad Trio - Enfant terrible

Hedvig Mollestad Trio- Enfant terrible

Rune Grammofon / Cargo
VÖ: 30.05.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Liebesbrief

Kjære Hedvig!

Genaugenommen schreibe ich Dir nun schon das dritte Mal. Aber erst jetzt und nur mit Hilfe von einem oder zwei Gläsern Rotwein traue ich mich, Dich endlich direkt anzusprechen. Ein erwachsener Mann sollte ja eigentlich dazu in der Lage sein, ohne dass ihm die Zähne klappern. Aber ich habe zugegebenermaßen ein klein wenig Angst vor Dir. Das liegt zum Teil daran, dass Du immer so skeptisch von Deinen Albumcovern herabblickst, von Platten, die "All of them witches" oder wie jetzt "Enfant terrible" heißen. Und dazu Deine beharrliche Schweigsamkeit! Da ist ein bisschen Bammel doch verständlich, oder?

Doch genug des Herumlavierens, Hedvig. Der Grund, weshalb ich Dir schreibe, ist: Ich habe mich in Dich verliebt. Nicht Hals über Kopf und von heute auf morgen, sondern ganz langsam über die letzten Jahre, aber dafür umso mehr. Es mögen Deine blonden Haare sein und auch ein wenig meine Schwäche für Dein Heimatland Norwegen. Aber meine Gefühle sind nicht nur oberflächlich, das versichere ich Dir. Sie betreffen vor allem (und ich hoffe, das klingt nicht allzu unheimlich) Deine Finger und das, was Du mit ihnen machst. Lass mich erklären!

Gleich ab dem ersten Takt von "Laughing John" schwebst Du so wunderbar leicht über allen konventionellen Vorstellungen von Zählzeiten, dass ich mich selig lächelnd aufs Sofa fallen lasse. Die Mischung aus filigranem Jazz und kratzigem Rock ist von Beginn an so einnehmend, dass auch die acht Minuten des bedächtig stampfenden "Arigato, bitch" wie im Flug vergehen. Wie bei einer guten Jazzplatte versuche ich, jede Note, jeden Schlenzer, jede Melodiefigur zu hören und wie bei einer guten Rockplatte nicke ich dazu beständig mit dem Kopf, und zwar sogar im Takt, wenn er sich mir denn so erschließt wie im famosen Abschluss des Songs.

Ich könnte noch schwärmen von Deiner Fähigkeit, mit Gitarre, Bass und Schlagzeug alle Klangfarben des Jazz einzufangen, von fiependen Legato-Soli, die sich in "Liquid bridges" unter psychedelische, beckenlastige Rhythmen legen, von noisigen Free-Jazz-Ausflügen wie "Rastapopoulus" oder vom Garagenrocker "La boule noire". Dass Du in letzterem Song zwischendurch ein bisschen angibst, sei Dir übrigens verziehen. Ich könnte auch davon schwärmen, dass Du instrumentale Rockmusik auch außerhalb der Post-Prog-Indie-Kiste so spannend und interessant machst, wie sie schon lange nicht mehr war. Aber das Wichtigste ist: Ich hoffe, Du und ich, wir beide, haben noch eine lange gemeinsame Zukunft. Denn auch wenn Du es nicht weißt: Du machst mein Leben regelmäßig ein kleines Stückchen besser. In der Hoffnung, Dir das irgendwann einmal persönlich sagen zu können, verbleibe ich

med hjertelig hilsen,

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Laughing John
  • Arigato, bitch

Tracklist

  1. Laughing John
  2. Arigato, bitch
  3. Liquid bridges
  4. Rastapopoulus
  5. La boule noire
  6. Pity the children

Gesamtspielzeit: 35:37 min.

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User Beitrag

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

19.06.2014 - 19:38 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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