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Jahrespoll 2012 – Die Favoriten der Redaktion

Tja, auch das Team von Plattentests.de ist hin und wieder für Überraschungen gut. Nachdem es in den letzten beiden Jahren mit Bon Iver und Arcade Fire die großen Konsens-Favoriten auf den Thron schafften, begrüßen wir dieses Jahr die Newcomer Alt-J an der Spitze. Ganz klar: Ihr hervorragendes Debüt "An awesome wave" ist unser "Album des Jahres"! Die vier Briten nennen ihre Musik "Folkstep", und ohne jetzt genau zu wissen, was sie damit meinen, finden wir das ziemlich spitze und hoffen für 2013 auf weitere tolle "Folkstep"-Platten.

Zweimal Vizemeister, das muss man erstmal schaffen! The xx verpassen sowohl bei den Alben wie auch bei den Songs die Goldmedaille, müssen sich also doppelt mit dem Titel "Meister der Herzen" begnügen. "Angels" konnte wahrlich nur von einem Song übertrumpft werden:"Little talks", die euphorische Sommerhymne der sympathischen Isländer Of Monsters And Men, ist unser "Song des Jahres"! Uns doch egal, dass dazu auch Tante Gerda vergnügt ihre Blusen bügelt!

Album des Jahres

Song des Jahres

Cover 1. Alt-J
An awesome wave
Cover 1. Of Monsters And Men
Little talks

Es ist kaum zu entschuldigen, aber der Rezensent schien offensichtlich Tomaten auf den Ohren zu haben. Heißt: Asche auf mein Haupt! Das Debüt der quirligen Briten Alt-J ist freilich mehr als "nur" sehr gut und alles in allem ein würdiges "Album des Jahres". Das Quartett lieferte mit "An awesome wave" die schnittigste Indie-Pop-Platte 2012. Und auch ihre Konzerte waren schweißtreibend und intensiv. Folget dem Dreieck!

Kevin Holtmann

"Don’t listen to a word I say!" Zugegeben, das fällt dem Hörer schwer, spätestens beim piratigen "Hey!", das einem ohne Vorwarnung in den Musikantenknochen fährt. Die isländische Geistergeschichte hat den Konsens-Nerv 2012 getroffen. So schallen Bläser und Akkordeon nicht nur in der Indiedisco und im Morgenmagazin, sondern eben auch durch die weitläufigen Flure der Plattentests-Redaktion: Unser "Song des Jahres"!

Andreas Menzel

Cover 2. The xx
Coexist
Cover 2. The xx
Angels

Schöner die Kälte nie klirrte. Das zu Recht in himmlische Höhen gehievte Trio aus dem hippen Londoner Süden hat mit seinem Zweitwerk das Blau der Polarnacht eingefangen und es in elf herzzerreißende Songs gegossen. "Coexist" ist Yves Klein mit Gitarren, Lothar Wolleh mit Haut und Haaren. Aus diesem Winterschlaf will man wirklich niemals wieder erwachen.

Christian Preußer

Laut ist's im vollbesetzten Auto auf dem Weg zum Festival. Doch dann plötzlich flirrende Dreampop-Gitarren und Romy Madley Crofts Stimme: "Being as in love with you as I am". Und für kurze Zeit verpuffen alle Gedanken an Sauf- und Grillexzesse in andächtiger Stille. Heute wissen wir: "Swept away" ist sogar noch besser als "Angels". Oder? Ach, vergesst es. Das hier ist unser Song des Jahres. Fast.

Thomas Pilgrim

Cover 3. Japandroids
Celebration rock
Cover 3. Japandroids
The house that heaven built

Das leise Feuerwerk zu Beginn wird "Celebration rock" nicht gerecht. Auf ihrem zweiten Album brennen sich Japandroids derart verschwenderisch durch euphorische Powerakkorde, Melodien und scheppernde Drums, es ist ein Wunder, dass diese Platte sich nicht selbst auffrisst. Kompliziert ist hier nichts, aber es hat etwas Magisches, wie sich Krach und Harmonie zu einem überlebensgroßen Ganzen zusammenfügen.

Maik Maerten

Gröhlende Menschen, ausgelatschte Turnschuhe, verschwitzte Shirts, die Haare kleben auf der Stirn: Vieles ist immer noch wie früher bei Japandroids und ihren Shows. Und doch sind sie endgültig in den großen Konzerthallen angekommen, nicht zuletzt dank "The house that heaven built". Und dem, den das immer noch nicht umhaut, brüllen wir entgegen: "Tell ‘em all to go to hell!" Darauf erst mal ein Bier - oder zwei.

Jennifer Depner

Cover 4. Grizzly Bear
Shields
Cover 4. The Gaslight Anthem
"45"

Ich gebe es zu: Zwischen "Shields" und mir war es nur Liebe auf den zweiten Blick. Dafür traf mich der Pfeil dann letzten Endes umso heftiger. Vom wahrhaft verträumten "Sleeping Ute" über das impulsive "A simple answer" bis schließlich zur großen Pop-Nummer "Yet again" erkämpften sich Grizzly Bear mein Herz zwar mühselig, aber nachhaltig: eine späte Liebe, aber immerhin eine, die bleibt.

Jennifer Depner

Arenen statt Clubs, Major- statt Indielabel, vielkritisiertes Image statt Straßenodeur. Das muss man nicht gut finden, sollte aber doch bitte nicht vom Wesentlichen ablenken. Falls das doch passiert ist, bleibt ja "'45'" - die Hymne für alle, die meinen: The Gaslight Anthem waren früher besser. Weil hier doch alles ist wie einst. Und die gereckten Finger gehen hoch. "See you at the flipside."

Armin Linder

Cover 5. The Gaslight Anthem
Handwritten
Cover 5. Twin Shadow
Five seconds

Dass der Mensch vom Affen abstammt, hätte Brian Fallon spätestens zwei Tage nach seinem berüchtigten Statement wissen können. Was folgte, war der große Shitstorm. Schade drum, denn "Handwritten" stellt wiederholt unter Beweis, dass Fallon und Band zu überlebensgroßer Vergangenheitsbewältigung im Stande sind. Es bleibt dabei, für immer: "Young boys, young girls ain’t supposed to die on a Saturday night.”

Nicklas Baschek

Nicht schon wieder 80er-New-Wave?! Oh doch! Auf der famosen LP "Confess" ist "Five seconds" ein Riesenhit. Natürlich klingt das manchmal so, als säßen Sonny Crockett und Rico Tubbs beim Therapeuten auf der Couch. Dabei ist es George Lewis Jr., der höchstseriös Kitsch negiert und Melancholie tanzbar macht: "I can’t get to your heart". Zu spät, schon passiert. Baden im Herzschmerz. Twin Shadow hat die Seife.

Stephan Müller

Cover 6. Swans
The seer
Cover 6. Kid Kopphausen
Das Leichteste der Welt

Ein gutes Jahr für schwierige Musik. Scott Walker sorgte für offene Münder und Schließmuskel, und bei Hans Unstern gab es eine Extraportion Helium. Den Vogel schossen indes Swans ab. Mit zwei CDs, die in den Vorhöfen der Hölle gravitätischen Noise-Rock, Freak-Folk, Industrial und Drone so faszinierend zusammenschweißten, dass Weghören unmöglich war. Hipster-Debatte? Das könnt Ihr nicht verlangen. Nicht von uns.

Thomas Pilgrim

Da kommt ein Schlagzeug und ein Bass, die Gitarre drängt sich nach vorne, und irgendwo pfeift ein himmlisches Feedback. Es sind die erbauendsten Akkorde des vergangenen Jahres, mit dem perfekten Titel. Das Leben kann so schwerelos, belanglos sein. Golden wie dieses kleine Lied. Und dann ist es plötzlich vorbei. Ein letzter Gruß vom Meister. Danke, Nils!

Christian Preußer

Cover 7. Mumford & Sons
Babel
Cover 7. Grizzly Bear
Yet again

2012 war das Jahr, in dem sich Mumford & Sons endgültig von Indie-Größen zu einer erfolgreichen, massenkompatibleren Band gemausert haben. Entsprechend groß waren die Erwartungen an "Babel", die nicht enttäuscht wurden. Mit gewohntem Banjo-Picking präsentiert sich ihr zweites Album zwar in ähnlichen Klängen wie das Debüt aus dem Jahr 2009, kann mit diesem aber trotzdem mithalten.

Nora-Lynn Höhl

Grizzly Bear spielten natürlich auch 2012 ihren himmlisch-hymnischen Folkrock und übertrafen sich ein weiteres Mal selbst. Ganz besonders atemberaubend: das pulsierende, dynamische "Yet again", das im Zentrum von "Shields" wirbelt. Ein Song, der an die Hand nimmt und leise den richtigen Weg zeigt: "Speak, don't confide / We barely have a case." Wer da nicht mitschwelgt, ist kaum noch zu retten.

Kevin Holtmann

Cover 8. Of Monsters And Men
My head is an animal
Cover 8. Django Django
Default

Nicht nur das Radio machte es offenkundig, und so hat sich nach monatelanger Beobachtung der Verdacht bestätigt: Dieses Lustobjekt einer Rasselbande notorischer Spielsüchtiger aus dem hohen Norden ist eine akute Bedrohung der deutschen Realität. Die verantwortungsvolle Unterbringung in den Top 10 erschien uns daher unvermeidlich. Gemeinnützige Therapiesitzungen für die Mindestdauer von 53 Minuten und 47 Sekunden wurden ebenfalls angeordnet.

André Schuder

Seltsam: "Default" ist der einzige Song von Django Django, der live einfach nicht funktionieren will. Muss wohl daran liegen, dass "Default" auf Platte einfach viel zu groß ist und vor allem durch seine grandios zerschossenen Stimmeffekte glänzt. Durch den herrlich vor sich hin stampfenden Beat, die schneidigen Gitarrenmelodien, den psychedelischen Gesang. So musste arty Indie-Pop 2012 klingen.

Kai Wehmeier

Cover 9. Ariel Pink's Haunted Graffiti
Mature themes
Cover 9. Dirty Projectors
Gun has no trigger

Bier auf Wein, das lass sein? Nicht mit Ariel Marcus Rosenberg. Bei der München-Show hatte er drei unterschiedliche Kaltgetränke an verschiedenen Stellen auf der Bühne deponiert, aus denen er abwechselnd trank. Man fragte sich: Wie kann dieser verpeilte Typ im Lederjacke-ohne-was-drunter-Outfit so brillante Musik schreiben? Das Album ist voller heimlicher Hits. Lo-Fi war gestern. Pop ist heute. Prost!

Armin Linder

Waffen töten nicht, Menschen töten. Oder doch umgekehrt? Diese Frage gehört zu den ältesten überhaupt. Hier bleibt sie unbeantwortet. Bei Dirty Projectors haben Waffen hingegen keinen Abzug, ihr Song "Gun has no trigger" ist Munition genug. Eine Pistole benötigt keiner, mit Platten der immer besser werdenden Truppe um David Longstreth ist man bestens gewappnet – zumindest gegen schlechten Geschmack.

Carsten Rehbein

Cover 10. Ben Howard
Every kingdom
Cover 10. Ariel Pink's Haunted Graffiti
Only in my dreams

Klar, die echten Durchblicker hatten die Platte schon 2011 als Import in ihren Listen. Nun taucht Ben Howard bei uns auch offiziell auf. Zu Recht! Eine große Singer-Songwriter-Platte, bei der man gegen Wölfe raunt, anmutige Geister trifft und mit dem Kindheits-Ich diskutiert: "I will become what I deserve." Eine Eintagsfliege? Mitnichten: Die kürzlich erschienene "The Burgh Island EP" ist noch besser.

Stephan Müller

Ich erinnere mich an einen nächtlichen Heimweg im Herbst. Nachtbus verpasst, Regen, 45 Minuten Fußweg vor mir und Ariel Pink's Haunted Graffiti auf den Ohren. Irgendwann auf Repeat gedrückt. Bei diesem Song, der sich so unverschämt in Gehörgänge und Herzen dudelt. Der gerade ein paar Monate alt war und sich doch anfühlte, als wäre er schon immer da gewesen. Drei Minuten und elf Sekunden "on the beach, on the ocean".

Marco Wedig

11. Beach House - Bloom

12. Twin Shadow - Confess

13. Flying Lotus - Until the quiet comes

14. Alabama Shakes - Boys & girls

15. Poliça - Give you the ghost

16. Future Of The Left - The plot against common sense

17. Michael Kiwanuka - Home again

18. Admiral Fallow - Tree bursts in snow

19. Dry The River - Shallow bed

20. Nada Surf - The stars are indifferent to astronomy

11. Adele - Skyfall

12. Deichkind - Illegale Fans

13. Walk the Moon - Anna Sun

14. Anathema - Untouchable part 1

15. Alt-J - Something good

16. Frittenbude - Wings

17. Me And My Drummer - You're a runner

18. Delta Spirit - California

19. Pinback - Proceed to memory

20. Chvrches - Lies


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Auswertung: Armin Linder
Koordination und Einleitungstext: Kevin Holtmann
Texte: Die Redaktion von Plattentests.de