
Sunday Service / Hausmusik / Indigo
VÖ: 08.08.2005
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Die Stadt am Ende des Regenbogens, wo die Kobolde ihre Schätze verstecken und die Musik aus feinstem Goldstaub besteht, ist nicht etwa Reykjavik. Sondern Hamburg. Mitten in der Hansestadt hat sich Patrick Zimmer für sein Projekt Finn. eine Höhle aus Kuscheldecken eingerichtet. Schon mit dem bezaubernden Vorgänger "Expose yourself to lower education" bastelte er Soundtracks für Winterschlaf und Traumdeutung. Und zeigte mit dem feinen Remix-Album "Expose yourself to disco education", daß es keine Aufdringlichkeit braucht, um Präsenz zu zeigen.
Ganz im Verborgenen reiften seitdem die Klänge, und die Absichten wuchsen über sich hinaus. Denn Finn. bietet nicht nur Musik für hühnerbrüstige Jungs mit Hornbrille. Auch wenn die Harmonien nur so vor Moll wimmeln und das Schlagzeug oft nur schüchtern scheppert, ist "The ayes will have it!" weit mehr als große Augen und ungekämmtes Haar. Nämlich Hand und Fuß und Herz und Hirn.
Die Erhabenheit von Sigur Rós, die fordernden Selbstzweifel von Radiohead und die Verspieltheit von The Notwist und der Flaming Lips strahlen durch diese elf Schmuckstückchen. Und dennoch sind Songs wie "Pesky" oder "No, I'm not" keine simplen Nachbauten. Sondern höchst eigene und eigenartige Romanzen, Zutraulichkeiten und Absurditäten. Streicheleinheiten fürs Gehör. Hoffnungsschimmer für unglückliche Verliebte. Schmale Schultern zum Ausweinen.
Gefühle werden erst auf Watte gebettet und dann mit Nachdruck in große Melodien gesteckt. Die trotzdem vor allem in ihrer Schlichtheit begeistern. Zimmers Stimme fließt mehr flüsternd als singend über kleine Kammermusikalitäten. Wohlige Klangmetaphern nehmen sich gegenseitig in den Arm wie gute Freunde. Und die Elektronik knispelt auf den Songs wie Schokoflocken auf Vanilleeis.
"X + variables" läßt genau jene Sehnsucht im Takt zucken, die sich im dezent genäselten "A computer au palais" oder der Stille von "Speculate, speculate" noch einmal in schillerndster Pracht zeigt. Und die überwältigende Hymne "Electrify" sollte allen Besserhörern nicht nur den Sommer verschönern. Knusprige Beats hallen aus der Großraumdisco herüber, gedämpfte Gitarren legen die Zurückhaltung ab, und breitwandige Keyboardwolken sorgen für Sentiment. Wer so flehentlich "You save me" singt, hat trotz aller Relativierung keine Angst mehr nötig. Was auch immer "The ayes will have it!" heißen mag - es ist die Antwort auf die Frage nach dem Hier und Jetzt im einheimischen Pop. Und der möge das bitte schleunigst zur Kenntnis nehmen.
Gesamtspielzeit: 41:07 min.
Pulka; Turner; Spruce; The Notwist; Sigur Rós; Múm; The Album Leaf; Four Tet; Iso68; Lali Puna; Ms. John Soda; Polarkreis 18; Styrofoam; The Postal Service; Maximilian Hecker; Patrick Wolf; Radiohead; Sometree; Giardini Di Mirò; Komeit; Broken Social Scene; The Flaming Lips; Mercury Rev; The High Llamas; The Kingsbury Manx; Sensorama; Lawrence; Jullander; Tarwater; Console; Schneider TM; Mugison; Weevil; Boy In Static; Adem; Fridge; Polar; Nom; Aqualung; Thom.; Gustav; Under Byen; Mogwai; Hood; Arab Strap; Malcolm Middleton; The Magnetic Fields; Matmos